900 Hammerschläge pro Meter

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Um ein gutes Schwert herzustellen, benötigt Jochen Tappe schon mal 80 Arbeitsstunden. Und es bedarf dafür eines besonderen Materials. Beim Burgfest wird sein Sohn Julian das Handwerk präsentieren.

Dinslaken.  Die Esse glüht, das Eisen liegt im Feuer, Stück für Stück wird das Eisen auf dem Amboss in Form gebracht. Es braucht Zeit, bis aus diesem Metall einmal ein germanisches Schwert gefertigt ist. „40 bis 80 Stunden, das kommt ganz auf die Größe und die Klingenform sowie auf die Verarbeitung der Parierstange an“, erzählt Germanen-Schmied Jochen Tappe. „Es gab durchaus schon mal Schwerter, an denen ich 80 Stunden gearbeitet habe.“ 900 Hammerschläge pro Meter – das kostet Kraft.

Jochen Tappe ist Schlosser von Beruf. Einst im Germanen-Verein tätig, ist er heute nur noch im Familien-Clan auf den Mittelaltermärkten vertreten. Von den Merowingern bis zum Hochmittelalter – in diese Zeit passt seine Ausrüstung. „Die Kleidung der Handwerker unterschied sich in den Jahrhunderten kaum, ein paar kleine Änderungen, fertig ist’s“, so Tappe. Mit Ehefrau Sonja und Sohn Julian reiste er in der Vergangenheit mit der Schmiede durchs Land, zu 12 bis 14 Märkten, in diesem Jahr waren es nicht ganz so viele. Aus familiären Gründen.

Hochkohlenstoffhaltiger Stahl

Alles was im Mittelalter aus Eisen gefertigt wurde, stellt Jochen Tappe auf den Märkten her: Schwerter, Messer, Dolche und Haushaltsgegenstände. Auf Wunsch auch Truhenbeschläge. Kleinere Gegenstände wechseln auf den Märkten schneller den Besitzer, Schwerter nicht so schnell, sie können immerhin durchaus 500 Euro und mehr kosten. Dennoch, Jochen Tappe hatte seine Käufer. „Das sind Mittelalterfans oder Privatpersonen, die einfach das Besondere lieben.“ Damals, im Mittelalter, so erzählt er, habe ein Schmied halt das Material verarbeitet, das er bekam. Daraus ergaben sich dann die Herstellungsobjekte. Erst im Hochmittelalter teilte sich der Beruf in Waffenschmied und Hufschmied, beispielsweise.

Um ein Schwert herzustellen, bedarf es eines besonderen Materials. „Es muss schon hochkohlenstoffhaltiger Stahl sein, d.h. ab 0,5 Prozent bis maximal 0,8 Prozent“, erklärt der Waffenschmied. „Manche schwören zwar auf eine so höhere Konzentration, doch dann kann das Material wegsplittern.“ Tappe arbeitet mit einer von der Seite her belüfteten Esse, die es in dieser Art seit 2500 Jahren gibt. Erst im 17. Jahrhundert sei die Grundform der heutigen Esse eingeführt worden, mit einer Belüftung von unten. „Der Luftstrom drückt die glühende Hitze in Richtung Material, das geht von unten einfach leichter.“ Doch Tappe mag’s auf die harte Tour. Wenn schon, dann richtig. Da wird die Esse mit Holz angeheizt, ist die Temperatur richtig wird Holzkohle nachgelegt, dann erst wird das zu formende Material in die glühende Kohle gelegt. Das Augenmerk des Schmiedes ist gefordert, er muss den richtigen Moment abpassen, um das Material auf dem Amboss zu „verprügeln“. „Stück für Stück wird das Schwert jetzt auf dem Amboss in Form gebracht, dabei wird immer nur der Teil erhitzt, der gerade bearbeitet wird“, so Tappe.

Schließlich erfolgt der Grobschliff, dann die Politur. Jetzt wird die Parierstange angepasst und das Kontergewicht. „Nun expererimentiere ich, damit die Gewichtsverteilung stimmt.“ Ist der Schwerpunkt nämlich zu weit vorn, ermüdet der kämpfende Recke zu schnell, liegt er zu weit am Knauf, fehlt die Wucht des Hiebes. Also, nicht unwichtig für einen Kampf auf Leben und Tod.

Den Schwertkampf aber, den kann Jochen Tappe seinen Mittelalterfans nicht beibringen: „Ich brauche noch meine Finger“, sagt er lachend.