8500 Fans feiern drei Tage Party bei Ruhrpott-Rodeo in Hünxe

Foto: WAZ FotoPool
8500 Punkrocker feierten beim Ruhrpott Rodeo am Flughafen Schwarze Heide Altstars wie Bad Religion, Cock Sparrer, Turbonegro und Terrorgruppe. Während auf der großen Bühne die großen Namen wie erwartet abräumten, konnten sich in den Umbaupausen diverse Newcomer für größere Aufgaben empfehlen.

Hünxe.. Ruhrpott Rodeo, das große Finale: Der Regen, der am Donnerstag noch Festival-Wiese und Zeltplatz an der Schwarzen Heide in ein schwer zu durchquerendes Schlammbad verwandelt hatte, hielt sich am Wochenende zurück. So konnten 8500 Punkrocker - noch einmal 1500 mehr als beim letztjährigen Festival - trocken ihre Party feiern, zu der die aktuellen Szene-Superstars, diverse auf die Bühne zurück gekehrte Helden von gestern und vielleicht ein paar kommende Stars die Musik lieferten.

Während auf der großen Bühne die großen Namen wie erwartet abräumten, konnten sich in den Umbaupausen diverse Newcomer mit halbstündigen Auftritten auf einer kleinen Nebenbühne für größere Aufgaben empfehlen. Allen voran das „Diva Kollektiv“ aus Berlin, vier Punkrock-Girls, die sich musikalisch irgendwo zwischen frühem Deutschpunk und den ungeschliffenen Anfängen der „Neuen Deutschen Welle“ einfinden - Musik also, die das U30-Quartett damals höchstens im Mutterbauch mitbekommen hat und die sie vielleicht gerade deshalb so gar nicht retro, sondern voller Energie und erfrischend rotzig herausschmettern.

Weitere Abräumer auf der Pausenbühne: „Buster Shuffle“ aus London mit ihrem schwer an Madness und die Specials erinnernden Two-Tone-Ska und natürlich der lokale Held, Schlaffke „Zwakkelmann“ Wolff aus dem nahen Hamminkeln, als Sänger der Funpunk-Ikonen „Schließmuskel“ zu Ruhm gekommen und mittlerweile auch solo eine Hausnummer.

Weltstars wie Pennywise und Bad Religion begeistern ihre Fans

Auf der Hauptbühne begeisterten erwartungsgemäß Szene-Weltstars wie Pennywise und Bad Religion (USA), Cock Sparrer (England) und Turbonegro (Norwegen) ihre zahlreichen Fans mit dem gewohnten Programm. Mit Spannung erwartet wurde am Freitag der Auftritt der „Terrorgruppe“ nach zehn Jahren Bandpause - und in ungleich größerem Rahmen, als es die Band zu „Lebzeiten“ gewohnt war. Die Berliner nahmen den hoch gespielten Ball souverän an und nutzten die große Sound- und Lichtanlage für die ganz große Rockshow.

Eine Ader für eingängige Melodien und Arrangements hatten MC Motherfucker, Johnny Bottrop und Co. ja schon immer und spielerisch gab’s selten etwas auszusetzen. Nun gab’s dazu noch die große Bühne und die Lightshow mit Filmprojektion und Konfettikanone - und wenn man damit so entspannt umgeht wie die Terrorgruppe, bleibt es am Ende trotzdem noch Punk.

Festivals Dass der moderne Stilmix aus Ska, Reggae, Dancehall und Hip Hop von Irie Révoltés eher nicht als Punk durchgeht, tat der Stimmung keinen Abbruch, als die Heidelberger am Samstag vor Turbonegro und Cock Sparrer dem Publikum einheizten und auch für ihre Ansagen - oder besser: ihre klaren Absagen, nämlich an Rassismus, Homophobie, Ausbeutung und Unterdrückung - viel Applaus ernteten.

Chuck Ragan erinnerte eher an Bruce Springsteen

Ebenfalls aus dem Rahmen fiel Chuck Ragan. In den 90ern als Frontmann von Hot Water Music noch fest im Stromgitarren-Genre verankert, ist er mittlerweile mit neuer Band auf Folk- und Country-Pfaden unterwegs. Und auch wenn man sich über weite Strecken des Auftrittes eher an Bruce Springsteen als an Ragans krachige Wurzeln erinnert fühlte, wusste das Ganze viele Punks zu begeistern. Näher am Punk, aber auch mit Einflüssen aus Country, Folk und Blues begeisterten Against Me aus Florida mit einen emotionalen und energetischen Auftritt.

Wem das alles nicht brutal genug war, der wäre am Donnerstagabend auf seine Kosten gekommen: Christian Steiffen aus Osnabrück griff ganz tief in die Klischee-Kiste und zelebrierte den deutschen Schlager aufs Schmierigste. Das ging auch dem hartgesottensten Punkrocker ans Herz und entzündete eine Polonaise, die selbst den Circle-Pit bei den Chrustcore-Recken von Tragedy in den Schatten stellte. Punk muss halt auch mal weh tun.

 
 

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