Wo Potthucke und Knudeln den Schlabberkaps treffen

Konzentriert  bei der Sache waren die Gewinner der Kochparty im Rahmen der Aktion „Regionale Küche“. Foto / WAZ FotoPool
Konzentriert bei der Sache waren die Gewinner der Kochparty im Rahmen der Aktion „Regionale Küche“. Foto / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann

Brilon.  „Viele Köche verderben den Brei“. Stimmt nicht. Zehn Hobbyköche stellten bei unserer großen Abschluss-Kochparty im Rahmen der WP-Aktion „Regionale Küche“ eindrucksvoll unter Beweis, dass auch in gemeinsamer Küche köstliche Gerichte unterschiedlicher Art entstehen können. Doch dazu später mehr.

Unsere Kochgäste, von den Profis Norbert Wiegelmann und Andreas Piorek anhand ihrer eingesandten Rezepte ausgewählt, haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um nachmittags am Kochevent im Kulinarium in Brilon teilnehmen zu können. Der 78-jährige Heinz Igel aus Westheim ist von seiner Tochter chauffiert worden. Marianne Jütten aus Rösenbeck, mit 81 Jahren älteste Gewinnerin, hat ihren Mann mitgebracht. Die beiden Damen aus Düdinghausen und Medebach, Brigitte Asmuth und Marita Harbeke, bilden eine Fahrgemeinschaft.

Einige Gewinner haben ihren Dienst getauscht oder sogar einen halben Tag Urlaub genommen. Und fast alle haben etwas mitgebracht. Man kann ja schließlich nie wissen. Ob Schnellkochtopf, eigener Kaps aus dem Garten, Schälmesserchen, Haarhaube oder Schürze, unsere Top-Ten an Pfanne und Herd sind bestens gerüstet. Apropos Schürze - selbstverständlich bekommen unsere Gäste spezielle „WP-Regionale-Küche-Schürzen“ - damit’s noch besser klappt.

So, jetzt aber mal „Butter bei die Fische“ oder Fett zum Fleisch. Jeder sucht sich in der gut ausgestatteten Kochschule ein Fleckchen, um sein Gericht zuzubereiten. Nicht ganz einfach. Zuhause weiß man schließlich, wo das Messer liegt oder die Gewürze aufbewahrt werden. Jetzt sind Norbert Wiegelmann und Andreas Piorek gefragt. Ruhig beantworten sie alle Fragen, reichen Töpfe und Kochlöffel an. „Wo ist der Stampfer?“, „Ich brauche noch ein paar Kartoffeln, „Weiß jemand, wo die Reibe ist?“ Die Profis gehen von einem Gastkoch zum anderen. Helfen, wenn gewünscht, schmecken zwischendurch mal ab, geben Tipps. „Kann noch etwas weicher. Muss noch etwas schärfer. Mach mal ‘nen Schuss Essig dran!“

Zeit für ein Pläuschchen

An einer Ecke werden Kartoffeln geschält, auf der anderen Seite wird Gemüse geschnibbelt. Und trotz aller Konzentration bleibt immer noch Zeit für ein Pläuschchen mit dem Nachbarn. Da findet man plötzlich gemeinsame Bekannte oder man tauscht einfach nur Erfahrungen rund um Topf und Pfanne aus.

Am Herd gibt’s zudem keine Konkurrenz. Jeder schaut anerkennend, was der oder die andere macht. Kniffe abgucken ist schließlich nicht verboten. „Sie machen das aber auch nicht zum ersten Mal“, ruft Hildegard Hüske ihrem Gegenüber zu. Die Olsbergerin bereitet gerade ihre Sauerkrautklöße zu. Eine feurig-scharfe Sache, die sich später als sehr pikant und lecker erweisen wird.

Der Mann mit der grünen Schlägerkappe lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dirk Knecht hat in der Tat Koch gelernt. Er betreibt in Braunshausen das Haus Wiesengrund und geht jetzt ganz souverän den Wildgulasch an. Gleich kommt da noch ein Schuss hochprozentiger „Williams Christ“ dran. Prima.

Dennoch sind die Gewinner sehr eigen und selbstkritisch. Der Spruch „Zu Hause schmeckt es irgendwie noch anders“, macht an fast allen Herdplatten die Runde. „Die haben hier ganz anderen Senf als ich, aber schmecken tut’s wohl auch“, meint Brigitte Asmuth.

„Hat mal jemand ein Pflaster?“ Nach 20 Minuten „Spielzeit“ ist die erste Verletzung zu beklagen. Kleine Schnittwunde. Aber keine Angst. Niemand muss ausgewechselt werden. Dafür gibt es schließlich Pflaster.

Die Frage des Reporters, wo denn die „Knuddel-Expertin“ sei, löst allgemeine Heiterkeit aus. Das kloßartige Kartoffelgericht heißt nämlich „Knudeln“ und hat mit Schmusen und Kuscheln nichts zu tun. Verena Kesting hat das Rezept von ihrer Oma. „Die müssen solange kochen bis sie nach oben kommen, dann geht’s ab in die Pfanne.“

Eigene Gemüsezucht

Derweil kümmert sich Heinz Igel um seinen „Schlabberkaps“. Er hat den Weißkohl in seinen beiden Gewächshäusern selbst angepflanzt. Klar, das hier kein anderer Kaps Verwendung findet. „Das schmeckt man sofort heraus.“

Tanja Spehr lässt es langsam angehen. „Ich bin mit dem Zwiebel-Rosinengemüse fast fertig“, stellt sie nach knapp 30 Minuten fest. Kein Wunder: Die Zutaten sind an einer Hand abzuzählen.

Mittlerweile duftet es köstlich. Sven Knust sucht noch ein paar Zwiebeln für sein Schinkenbegräbnis. Dem Mann kann geholfen werden. Fachmännisch schneidet er sie in kleine Stücke. Man merkt, er ist ein begeisterter Hobbykoch.

„Es klappt gut“

Auch Marianne Jütten hat an der Kartoffelreibe einiges zu tun. „Es klappt gut“, meint sie fröhlich. „Norbert Wiegelmann hat meine Potthucke schon gelobt.“ Danach übernimmt sie auch noch die Aufsicht über die Sauerländer Kartoffelsuppe. Rezeptspenderin Marion Hillebrand stößt erst zwei Stunden später zur Gruppe hinzu. Der Job hat Vorrang.

Nun bruzzelt alles munter auf dem Herd oder im Ofen. Die Hauptarbeit ist getan. Der Tisch kann gedeckt werden. Und dann haben alle „hungrigen Mäuler“ das Luxusproblem, aus zehn tollen Gerichten auswählen zu müssen. Geht eigentlich nur, wenn man von jeder Speise einen Löffel voll nimmt. Und das, serviert mit einem gut gekühlten Wein, schmeckt einfach himmlisch. Zum Nachkochen empfohlen!

 
 

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