„Wir wollten an seiner Wiege stehen, nicht an seinem Grab“

Sternenkindertag am Samstag
Sternenkindertag am Samstag
Foto: dpa
Am Sonntag ist Sternenkindertag. Auch in Brilon findet deshalb um 16 Uhr ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche statt.

Altkreis..  Sören - das lang ersehnte Wunschkind von Monika und Sven. In der 23. Schwangerschaftswoche ist der Babybauch schon deutlich zu sehen, Sörens Bewegungen sind nicht nur für seine Mama, sondern auch für seinen Papa und seine Geschwister Alexander und Michelle zu spüren. Pläne für das Familienleben zu fünft und das Kinderzimmer werden geschmiedet, viele Wünsche und Träume begleiten das werdende Leben voller Vorfreude.

Doch stattdessen kam der Tod. Sören starb im Februar dieses Jahres in der 23. Woche ganz unerwartet im Mutterleib, „leise wie ein Schmetterling“, wie seine Mama sagt, vermutlich, weil er sich die Nabelschnur um den Hals gezogen hatte. Er ist nun ein Sternenkind – so bezeichnet man Kinder, die vor, während oder kurz nach ihrer Geburt versterben – die „den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblickten“. An jedem zweiten Sonntag im Dezember, also übermorgen, wird anlässlich des Welt-Sternenkinder-Tages an sie gedacht. In ihren Familien sind sie jedoch jeden Tag dabei, leider nicht im reellen Alltag, aber immer im Herzen.

„Es ist Tag für Tag ein Kämpfen, manchmal kann man es ertragen, aber manchmal fällt man um Wochen zurück. Der Tod des Kindes ist für ein Paar die größte Herausforderung“, beschreiben Monika und Sven ihren harten Weg der Trauerarbeit. Unterstützung bekommen sie dabei von einer Therapeutin der LWL-Institutsambulanz in Marsberg sowie der Hebamme und Trauerbegleiterin Elke Döring vom Netzwerk „Sternenkinder“ in Brilon (siehe auch Interview Seite 7).

Trauerbegleitung gibt Kraft

Die gemeinsamen Gespräche mit den Hebammen und Therapeuten sowie Paaren, die das gleiche Schicksal durchmachen, zeigen ihnen, dass sie nicht allein mit ihrem Kummer sind, und geben Kraft. Kraft, die auch nötig ist, um Sörens Geschwistern neben der gemeinsamen Trauer einen Alltag mit Normalität zu ermöglichen.

Zuhause steht ein Bild von Sören im Wohnzimmer, davor brennt immer eine von Engelfiguren umgebene Kerze neben einem Sandmännchen, das Sören von seinem Papa bekommen hat. Es ist mit 25 Zentimetern genau so groß wie Sören bei seiner stillen Geburt.

Tabu-Thema in der Gesellschaft

„Einige Freunde und Verwandte verstehen nicht, dass wir um unser ungeborenes Kind trauern. Sternenkinder sind immer noch ein Tabu-Thema in der Gesellschaft.“ Monika und Sven wünschen sich mehr Halt und Verständnis, dass Menschen aus ihrem Umfeld ihnen zuhören, wenn sie von Sören und ihrer Trauer um ihn erzählen, oder dass sie sein Grab besuchen: „Sören hat unser Leben für immer geprägt und ihm trotz aller Traurigkeit einen neuen Sinn gegeben. Man will, dass dieses Kind deshalb auch für die anderen existiert! Wenn jemand sein Grab oder Fotos ansieht, ist es für uns, als würde er bei einem lebenden Kind in den Kinderwagen gucken.“

Aber sie hätten im Gegenzug auch gespürt, was wahre Freunde seien, sich selber in einer Grenzsituation neu kennengelernt und einen intensiveren Lebensstil entwickelt.

Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit durchleben Monika und Sven wieder ein Tief: „Vor einem Jahr wussten wir, dass wir ein Kind bekommen, es sah alles gut und normal aus. Eigentlich wäre Sören jetzt sechs Monate alt. Wir wollten an seiner Wiege stehen, nicht an seinem Grab.“

Am kommenden Sonntag ist nun wieder Sternenkindertag. Auch in Brilon findet deshalb um 16 Uhr ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche statt. Ein schöner Brauch besagt, dass die Menschen an diesem Tag weltweit um jeweils 19 Uhr eine brennende Kerze ins Fenster stellen, die den Sternenkindern leuchten soll. Und auch für Sören, der hier stellvertretend für so viele andere Sternenkinder steht, werden morgen Kerzen brennen. Wer so klein schon so viele Herzen bewegt hat, der wird nicht vergessen.

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