„Wir stellen derzeit alles auf den Prüfstand“

Gerhard Huber, der neue Betriebsleiter Bad Christian Wahle sowie Michael Beckmann eint das Ziel, mehr Gäste für das Schwimmbad und den Wellness-Bereich zu begeistern.
Gerhard Huber, der neue Betriebsleiter Bad Christian Wahle sowie Michael Beckmann eint das Ziel, mehr Gäste für das Schwimmbad und den Wellness-Bereich zu begeistern.
Foto: Ralf Hermann
Manchmal sind es nur ein paar Kleinigkeiten wie ein Bild, Pflanzen oder eine Trennwand, die große Wirkung erzielen können. Auf die Suche nach diesen Kleinigkeiten machten sich gestern Mittag Winterbergs Tourismus-Direktor Michael Beckmann und der designierte Geschäftsführer des Hotels im Oversum-Komplex, Gerhard Huber, bei einem Rundgang durch den Schwimmbadbereich. Das Duo möchte möglichst schnell die wirtschaftlich ins Schlingern geratene Vitalresort GmbH (wir berichteten ausführlich), unter deren Dach das Bad sowie Wellness und Fitness betrieben werden, wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.

Winterberg.  Manchmal sind es nur ein paar Kleinigkeiten wie ein Bild, Pflanzen oder eine Trennwand, die große Wirkung erzielen können. Auf die Suche nach diesen Kleinigkeiten machten sich gestern Mittag Winterbergs Tourismus-Direktor Michael Beckmann und der designierte Geschäftsführer des Hotels im Oversum-Komplex, Gerhard Huber, bei einem Rundgang durch den Schwimmbadbereich.

Das Duo möchte möglichst schnell die wirtschaftlich ins Schlingern geratene Vitalresort GmbH (wir berichteten ausführlich), unter deren Dach das Bad sowie Wellness und Fitness betrieben werden, wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Bei Kleinigkeiten wird es dabei nicht bleiben. Es wird sich kurz- und mittelfristig sowohl personell als auch strukturell einiges verändern im Oversum, zu dem neben Bad und Hotel auch die Kongresshalle, die Tourist-Info und das Medizinische Versorgungszentrum gehören.

73 Prozent Auslastung im Schnitt

„Seit der Eröffnung im Mai 2012 ist das Hotel quasi voll. Wir haben im Durchschnitt eine Auslastung von 73 Prozent. Da ist es normal, dass am Anfang eines solch’ großen Projektes erstmal die Funktionalität gewährleistet sein muss und es jetzt in die Feinarbeit geht. Natürlich werden wir nun zum Beispiel auch atmosphärisch mit Maßnahmen für mehr Wärme sorgen“, sagt Gerhard Huber. Es sei aber richtig, dass der Fokus seit der Eröffnung sehr stark auf dem Hotel gelegen habe und die Vitalresort GmbH darüber vernachlässigt worden sei. „Nun stellen wir alle Oversum-Bereiche auf den Prüfstand, um so möglichst effiziente Netzwerk-Strukturen zu schaffen und damit für alle die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Da geht es auch um Zahlungsströme und Zuständigkeiten.“ So könnte z. B. der Sauna/Wellness-Bereich künftig auch dem Hotel angegliedert werden. Diese Änderungen seien aber nicht von heute auf morgen umzusetzen.

Im Vorfeld sei eine klare Fehler-Analyse gemacht worden, so Beckmann. „Der bisherige Geschäftsführer hat es nicht geschafft, den Winterbergern zu vermitteln, dass das hier ihr Schwimmbad ist. Da wurden viele Fehler gemacht.“ Sprich, Marketing und Außendarstellung sind mehr als verbesserungsfähig. Erste Maßnahmen: Die Preise werden im Badbereich korrigiert. „Insbesondere für die Jugendlichen, denn die bleiben bisher fern. Die Preise für Jahreskarten haben wir mittlerweile reduziert und im Sauna-Bereich wurde die Verweildauer inklusive Schwimmbad-Nutzung von zwei auf vier Stunden angehoben. Zudem ist das Parken für alle Oversum-Besucher kostenlos. Dies sind Maßnahmen, die wir sofort umsetzen können“, sagt Beckmann. Die Einführung des Badausweises für die Winterberger im November sei eine erste Reaktion auf die negative Besucher-Entwicklung gewesen. Gefruchtet hat sie aber bisher nicht. Weitere Marketing-Maßnahmen wie eine Werbewoche mit Preisnachlässen sollen folgen. Der bisher nicht vorhandene Internet-Auftritt soll auch noch in dieser Woche freigeschaltet werden.

„Wir haben kein Kosten-, sondern ein Erlös-Problem“, haben Huber und Beckmann erkannt. Mit 60.000 Bad-Besuchern wird kalkuliert, damit die Stadt nicht mehr als die geplanten 650.000 Euro Betriebskostenzuschuss jährlich in das Objekt schießen muss. 30.000 Besucher sind seit der Eröffnung im Mai 2012 gekommen. Zu wenig, „gleichwohl es klar war, dass wir diese Marke in den ersten zwei Jahren nicht erreichen“, so Michael Beckmann. Konkrete Zahlen wollen Huber und Beckmann in Sachen Kosten, Erlöse und Defizit nicht nennen. Nur soviel: „Eine Insolvenz war nie ein Thema, offene Posten wurden ausgeglichen, die Mitarbeiter wurden bezahlt und müssen aus wirtschaftlichen Gründen nicht um ihren Job fürchten. Zahlungsschwierigkeiten gibt es Stand heute nicht.“

Aber, was in vier oder sechs Wochen sei, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden. Im Fall von Liquiditäts-Engpässen müssten dann die bereits bei der Haushaltsdebatte im Rat erwähnten Sicherungen greifen. Konkret könnte es dann sein, dass die Stadt finanziell mit einer höheren Summe einsteigen müsste. Auch die komplette Übernahme des Schwimmbadbereichs durch die Stadt ist eine Option. Wahrscheinlicher wäre aber, dass dann auch die Eigentümerin, die s.a.b. Gruppe in Friedrichshafen, mehr Geld in das Oversum steckt. Ein Projekt, das laut Beckmann in seiner Vielfältigkeit immer noch einzigartig ist.

Personal-Karussell dreht sich

Personell dreht sich das Karussell bereits. Der Geschäftsführer der Vitalresort GmbH, Bernd Rüdiger, der auch den Hotelbereich verantwortete, ist gegangen. „Der Abschied von Herrn Rüdiger war ohnehin für das Frühjahr geplant. Auch aufgrund gesundheitlicher Gründe wurde das jetzt vorgezogen“, sagt Gerhard Huber, der wohl die Geschäftsführung des Hotels übernehmen wird. Ferner wird es künftig auch einen Hotel-Direktor geben, der sich ausschließlich um das operative Geschäft kümmert.

In Personalunion wie Bernd Rüdiger wird Gerhard Huber aber nicht arbeiten. Diese Konsequenz wurde aus den wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Monaten gezogen. An einer Geschäftsführer-Lösung für die Vitalresort GmbH werde deshalb gearbeitet, so Huber.