„Wir sind wieder hier“: Bahn fährt nach Brilon Stadt

Nach 30 Jahren Pause: Ein Zug, geschmückt und unter genauer Beobachtung der Briloner Bürger, rollt wieder ein in Brilon Stadt.
Nach 30 Jahren Pause: Ein Zug, geschmückt und unter genauer Beobachtung der Briloner Bürger, rollt wieder ein in Brilon Stadt.
Foto: WP
Ein historischer Tag für die Stadt des Waldes / Viele Besucher

Brilon.. „Wir sind wieder hier...“ Zitate, Sprüche und Lieder - wie der bekannte Song von Marius Müller-Westernhagen in leicht veränderter Form - machten Samstagmittag am neuen Bahnhofsgelände die Runde. Kein Wunder: Die Rückkehr einer Briloner Institution nach genau 30 Jahren, sechs Monaten und zehn Tagen regt die Fantasie an. Aber auch die Realität kann sich sehen lassen: Denn seit Samstag ist die Stadt wieder am großen Schienennetz angebunden.

Schon am frühen Morgen hatte sich ein Sonderzug von Dortmund aus in Richtung Brilon in Bewegung gesetzt. Um ein Haar hätte er gar nicht starten können, denn um 10 Uhr war die Strecke noch von einem liegengebliebenen Güterzug gesperrt. Dass diese Schrecksekunde gemeistert wurde, wurde allgemein als gutes Omen für Brilon gewertet.

Mit an Bord war auch NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger. Nach und nach gesellte sich mit Landrat Dr. Karl Schneider, Kollegen aus den Nachbarkreisen, SPD-Ikone Franz Müntefering, MdB Prof. Dr. Patrick Sensburg, dem früheren Kreisdirektor Winfried Stork, Bürgermeistern und lokalen Politikern sowie Vertretern der Bahn viel Prominenz hinzu. Sie alle waren Zeugen der ersten Fahrt auf dieser Linie nach mehr als drei Jahrzehnten.

Voigtsberger, der die Sonderfahrt sichtlich genoss und es sich in Brilon Wald nicht nehmen ließ, mit grüner Kelle höchstpersönlich das Signal zur Weiterfahrt zu geben, sprach von einem guten Tag für Brilon und NRW. „Die Landesregierung will Mobilität verbessern, und zwar so umweltverträglich wie möglich. Viele Menschen in Brilon haben ab heute bessere Möglichkeiten, Ziele in ihrer Umgebung zu erreichen.“ Er lobte die gute Zusammenarbeit aller Akteure: „Deutsche Bahn AG, das Land, der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und die Stadt Brilon haben zusammen ein tolles Ergebnis erreicht.“

Zuvor hatte der Gast aus Düsseldorf, der im Übrigen ein bekennender Bahnfahrer ist, zusammen mit Bürgermeister Franz Schrewe und Waldfee Friederike Hogrebe den neuen Bahnhof symbolisch eröffnet. „Wir sind wieder mit der Bahn erreichbar und damit auch an die großen Metropolen angebunden. Das ist für den Wirtschaftsstandort und den Tourismus Gold wert“, freute sich das Stadtoberhaupt. Angetan zeigte er sich auch von der großen Zahl der Bürger, die zur Feier in die kleine Zeltstadt gepilgert waren.

Schrewe erinnerte sich an alte Zeiten, „wo ich als Fahrschüler Züge von Frankfurt nach Bremen in Brilon live erlebt habe. Und das war jedes Mal ein Ereignis“. Dass die Strecke nach Brilon-Wald überhaupt noch in Betrieb sei, habe man nicht zuletzt der Firma Egger zu verdanken.

Der Bürgermeister hob auch die Umgestaltung des Bahnhofgeländes mit barrierefreier Umsteigeverknüpfung zum Zentralen Omnibusbahnhof in Brilon Stadt und die zusätzliche neue Park & Ride-Anlage hervor.

Die Kosten für den Busbahnhof belaufen sich auf rund 1,24 Mio. Euro, davon übernimmt der NWL rund 1,04 Mio. Euro aus ÖPNV-Infrastrukturfördermitteln und die Stadt leistet einen Eigenanteil von 200 000 Euro. Das Gelände bietet Platz für vier Busse plus einem Buswarteplatz. Hinzu kommen insgesamt 18 P-&R-Stellplätze, zwei Behindertenparkflächen und Abstellflächen für Motor- und Fahrräder.

Die Reaktivierung der Schienenstrecke Brilon Stadt - Brilon Wald für den Personenverkehr erfolgte durch die DB Netz AG und kostet 1,187 Mio. Euro. Auch hier fördert das Land den größten Teil mit 1,05 Mio. Euro. Der Rest wird aus Eigenmitteln der DB bezahlt.

Von einem kleinen historischen Tag sprach Landrat Dr. Karl Schneider. Es sei schon etwas Besonderes gewesen, beim Einfahren des Zuges in Brilon die Silhouette der Stadt zu sehen. „Wir wünschen uns alle, dass die Strecke nun auch angenommen wird. Nutzen Sie die Bahn, um festzustellen, dass es sich gelohnt hat“, appellierte er an die Bürger.

Man schaue auf die reaktivierte Schienenstrecke, meinte der Verbandsvorsitzende des ZRL, Thomas Gemke. „Wenn viele mitfahren, riskieren wir vielleicht auch noch mehr Strecken.“ Und hier ist unter anderem die Röhrtalbahn im Gespräch.

„Es ist schön, dass Brilon wieder im Fahrplan steht“, so Prof. Dr. Patrick Sensburg. Schon heute Morgen will er die neue Strecke in Richtung Berlin testen. Laut Internet wäre er fünf Stunden und sieben Minuten unterwegs.

 
 

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