„Wir sehen uns sogar sehr gut aufgestellt“

Das Direktorium des St.-Marien-Hospitals Marsberg, von li.: Kaufmännischer Direktor Siegfried Rörig, Ärztlicher Direktor Dr. Ulrich Pannewick, Hausoberer Heinrich Lake und Pflegedirektor Klaus Niggemann.
Das Direktorium des St.-Marien-Hospitals Marsberg, von li.: Kaufmännischer Direktor Siegfried Rörig, Ärztlicher Direktor Dr. Ulrich Pannewick, Hausoberer Heinrich Lake und Pflegedirektor Klaus Niggemann.
Foto: WP

Marsberg.  Das Rheinische Institut für Wirtschaft hat seine aktuelle Studie herausgegeben. Nach dem Krankenhaus-Rating-Report sollen 15 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland von Insolvenz bedroht sein. Besonders kleine Krankenhäuser im ländlichen Bereich sollen vor dem Aus stehen. Die Zukunft gehöre den Krankenhäusern ab 300 Betten, heißt es darin. Wo steht das St.-Marien-Hospital Marsberg? Dies will die WP vom Direktorium des Krankenhauses mit Pflegedirektor Klaus Niggemann, dem Kaufmännischen Direktor Siegfried Rörig, Hausoberer Heinrich Lake und dem ärztlichen Direktor Dr. Ulrich Pannewick erfahren..

Frage: Das St.-Marien-Hospital hat nur 130 Betten. Was sagen Sie zu den Aussagen des Rating-Reports?

Siegfried Rörig: Das ist eine Meldung, die in erster Linie in der Presselandschaft für Furore sorgt. Schürt sie doch ohnehin bestehende Ängste um die Gesundheitsversorgung, gerade in der ländlichen Region. Ein genauerer Blick auf die Studie und die Fakten zeigt, dass im deutschlandweiten Vergleich der Studie die Nordrhein-westfälischen Krankenhäuser im oberen Drittel liegen. Zudem findet sich in den vorangegangenen sieben Studien des RWI immer wieder dieselbe Botschaft. Im Schnitt durch die Jahre bewertete das RWI rund 20 Prozent der Häuser als insolvenzgefährdet. Tatsächlich ist die Anzahl der Krankenhäuser nach Angaben des statistischen Bundesamtes aber in den letzten elf Jahren nur von 2242 auf 2064 gesunken.

Das sind immerhin noch 178 Krankenhäuser, die bisher auf der strecke geblieben sind.

Siegfried Rörig: Ja, natürlich. Die Sorge um das Gesundheitswesen kommt nicht von ungefähr. Natürlich sind die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen schwierig. Steigende Kosten im Lohn- und Materialsektor stehen stagnierenden Leistungsentgelten entgegen. Diese Kostenschere spüren besonders die kleinen Krankenhäuser, die durch ihren Versorgungsauftrag an die kostenintensive aber vergütungsgeringe Grundversorgung gebunden sind. Letztlich ist es aber immer die Frage, was man aus den vorhandenen Gegebenheiten macht.

Krankenhäuser in frei-gemeinnütziger Trägerschaft wie das St.-Marien-Hospital schneiden in der RWI Studie deutlich besser ab. Neun Prozent der konfessionell geführten Häuser sollen wirtschaftliche Engpässe auszugleichen haben. 18 Prozent der kommunalen Krankenhäuser werden im „roten Bereich“ eingestuft, aber nur zwei Prozent der privat geführten. Das St.-Marien-Hospital ist seit zehn Jahren in Trägerschaft der Barmherzigen Brüder Trier, der BBT-Gruppe, ist also konfessionell geführt. Sehen Sie sich gut aufgestellt?

Siegfried Rörig: Wir sehen uns sogar sehr gut aufgestellt. Die Zahlen lassen aber auch den Schluss zu, dass die vorgestellten Ergebnisse nicht schicksalhaft sind, sondern es durchaus Handlungsspielraum für die einzelnen Häuser gibt. In der Ausgestaltung der politischen Rahmenbedingung vor Ort liegen nicht nur Bedrohungen, sondern auch zahlreiche Chancen. Das St.-Marien-Hospital Marsberg ist dafür das beste Beispiel.

Dr. Ulrich Pannewick: Wir haben uns schon 2008 den anstehenden Herausforderungen gestellt und das Krankenhaus in den letzten Jahren einmal von links nach rechts gekrempelt. Heute stehen wir strukturell besser da denn je. Das St.-Marien-Hospital ist auch für die Zukunft bestmöglich aufgestellt.

Klaus Niggemann: Auch personell haben wir uns seit längerem für zukünftige Anforderungen gerüstet und neue Berufs- und Ausbildungsfelder etabliert, wie zum Beispiel die Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten.

Der Schlüssel zum Erfolg für Krankenhäuser, so prognostiziert es der Krankenhaus-Rating-Report, läge in einer hohen Qualität der Leistungserbringung, in einem nachhaltigen Management und einer hohen Patientenzufriedenheit. Aber auch der Zusammenschluss in größeren Trägergemeinschaften wird als erfolgsentscheidend eingestuft.

Siegfried Rörig: All das erfüllen wir. Alle zehn Häuser der BBT-Gruppe unterliegen einem standardisierten Qualitätsmanagement mit stetiger Patientenabfrage.

Heinrich Lake: Einzelhäuser, besonders kommunal geführte, werden es immer schwerer haben zu bestehen. In der BBT-Gruppe sind wir in einer Trägergemeinschaft zu Hause, die nicht auf Gewinnmaximierung aus ist, sondern in der Tradition des Ordensgründers Peter Friedhofen den Dienst für kranke und benachteiligte Menschen zum Ziel hat. Gemeinsam mit dem Paderborner Krankenhaus stehen wir daher für innovative Lösungen ein und setzen auf Kooperationen mit allen am Gesundheitswesen Beteiligten für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der Menschen in der Region und darüber hinaus.

Wie kann man Ihrer Meinung nach dem Krankenhaussterben entgegenwirken?

Siegfried Rörig: Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, in denen es möglich ist, dem gestiegenen Bedarf an medizinischer Versorgung als Krankenhaus nachzukommen und dabei wirtschaftlich arbeiten zu können. Daher bin ich über die aktuelle, vielleicht etwas aufgeregte Diskussion dankbar, denn Politik wird immer noch für die Interessen der Bevölkerung gemacht.

 
 

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