Widerstand gegen Windkraftanlage wächst

Keine weiteren Windkraftanlagen in der Umgbung von Giershagen fordert die neue Bürgerinitiative und übergab jetzt 594 Unterschriften an den Planungsausschuss der Stadt Marsberg.
Keine weiteren Windkraftanlagen in der Umgbung von Giershagen fordert die neue Bürgerinitiative und übergab jetzt 594 Unterschriften an den Planungsausschuss der Stadt Marsberg.
Foto: WP

Giershagen..  Während potenzielle „Windbauern“ aus Essentho, Heddinghausen, Erlinghausen, Canstein und Padberg mit den Hufen scharren und es kaum abwarten können, dass neue Windvorrangzonen ausgewiesen werden, regt sich in Giershagen Widerstand. „Windkraft - wo sie hinpasst“ hat sich die gerade vor rund einer Woche gegründete Bürgerinitiative genannt. Der Name soll Programm sein. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraft“, sagt deren Sprecher Manfred Albrecht. Aber die Bürgerinitiativler fühlen sich von den neuesten Plänen der Firma Lenpower schlichtweg überrumpelt. Das Windkraftunternehmen aus Hannover hat in einer Versammlung Anfang Mai in Giershagen seine Pläne vorgestellt, wonach sie sechs neue Windkraftanlagen an der Landesgrenze zum hessischen Adorf errichten möchte.

Rat weist Potenzialflächen aus

Stadtverwaltung und Planungsausschuss haben sich in der Sitzung am vergangenen Mittwoch für die Ausweisung von Potenzialflächen zwischen Essentho und Meerhof und östlich von Erlinghausen an der Landesgrenze zu Hessen ausgesprochen. Potenzialflächen in Giershagen haben sie erst einmal auf Eis gelegt, wie Helmut Löhring vom städtischen Bauamt auf Anfrage der WP sagte. Weiches Ausschlusskriterium ist die Lage im Naturpark Diemelsee. Entwarnung für die Bürgerinitiative?

An der hessischen Grenze zu Adorf stehen bereits zehn Anlagen. „Die sind schon sehr hoch“, formuliert der 57-jährige Lehrer am Berufskolleg Olsberg seine Bedenken gegenüber den Riesenwindrädern im Gespräch mit der WP. „Die neuen Anlagen in Gieshagen sollen mit 185 Meter bis zur Flügelspitze noch höher werden.“ Die Mitglieder der Bürgerinitiative fühlen sich in ihrer Lebensqualität bedroht. Manfred Albrecht sieht von seiner Terrasse aus, wie sich die Adorfer Windmühlen am Horizont drehen. Kommt der Wind aus südlicher Richtung hört er auch noch deren Rotorenschlag. „Das ist ein Hintergrundgeräusch wie an der Autobahn.“

Neue Anlagen im Südwesten

Die neuen Anlagen auf westfälischer Seite sollen südwestlich vom Ortskern entstehen. Die Bürgerinitiative befürchtet eine Dauerbeschallung und einen flirrenden Schattenschlag durch die riesigen Rotoren, besonders im Winter wenn die Sonne niedrig steht. Von den blinkenden Flugsicherungsleuchten in den Abendstunden und nachts ganz zu schweigen. Albrecht sieht für das neue Baugebiet Rennefeld mit 35 Bauplätzen, von denen etwa 80 Prozent noch zu haben seien, durch die geplante geballte Windkraftpower einen klaren Nachteil. „Das Baugebiet liegt in Blickrichtung der Windkraftanlagen. Das könnte so manchen Interessenten abschrecken“, glaubt er.

Schon drei Tage nach der Informationsversammlung hat sich die Bürgerinitiative gegründet mit 25 Mitgliedern. Zwei Tage zogen sie mit Unterschriftenlisten „gegen die Errichtung weiterer Windkraftanlagen in der Umgebung von Giershagen“ von Haus zu Haus und ernteten binnen kürzester Zeit 594 Unterschriften. Wieder zwei Tage später am vergangenen Mittwoch übergab die Bürgerinitiative die Unterschriftenliste vor der Sitzung des Planungsausschusses an den Ausschussvorsitzenden Johannes Wüllner.

In Giershagen gibt es allerdings nicht nur Widerstand, sondern auch Befürworter der geplanten Windenergie. Löhring: „Aus Windkraftsicht besteht weiterhin Interesse an der Potenzialfläche.“ Im neuen Entwurf des Flächennutzungsplanes der Stadt Marsberg mit Ausweisung der Windvorrangzonen ist die Potenzialfläche in Giershagen nicht enthalten. Der Entwurf wird zur frühzeitigen Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange im Juni öffentlich ausgelegt.

 
 

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