Wasser an der Ruhrquelle nicht als Trinkwasser nutzbar

Untersuchung des Wassers der Ruhrquelle am Berufskolleg Olsberg: Biologisch-Technische Assistenten und ihr Lehrer Peter Neuendorf mit Reagenzgläsern und Messberichten in ihrem Labor.
Untersuchung des Wassers der Ruhrquelle am Berufskolleg Olsberg: Biologisch-Technische Assistenten und ihr Lehrer Peter Neuendorf mit Reagenzgläsern und Messberichten in ihrem Labor.
Foto: WP
  • Biologisch-Technische-Assistenten untersuchten mit der WP das Ruhrwassser
  • Es ließen sich E.coli-Keime und coliforme Keime in geringen Mengen nachweisen
  • Momentaufnahme: Starker Regen vor der Probe könnte ein Grund für Verunreinigung sein

Winterberg/Olsberg. Wie rein ist unsere Ruhr hier an ihrem Ursprung? Diese Frage kann nur eine Probe direkt aus der Ruhrquelle beantworten. Acht Schüler im ersten Lehrjahr des Ausbildungszweiges „Biologisch-Technische-Assistenten“ (BTA) am Berufskolleg Olsberg und ihr Lehrer Peter Neuendorf untersuchten für die Westfalenpost das Wasser der Ruhrquelle bei Winterberg zum Beispiel auf dessen Nitratgehalt und die Keimbelastung. Ergebnis: Ein paar Keime tummelten sich schon in den Proben.

Ruhrquelle liegt nicht im Wasserschutzgebiet

Allerdings: „Bei Wasserproben handelt es sich immer um Momentaufnahmen. Es hat stark geregnet an den letzten Tagen, da gelangt auch in die Quelle, was auf den umliegenden Wiesen in den Boden gesickert ist“, so Lehrer Peter Neuendorf. Sprich: das, was hinten aus Rind und Kuh rauskommt, wurde Richtung Ruhr ausgewaschen. Das ist u.a. möglich, weil die Ruhr hier nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt, wo besondere Auflagen gelten.

Ruhr-Serie Na, wie sieht’s denn aus vor Ort? Die Luft ist frisch, es riecht nach Wald und Wiese und die Ruhrquelle liegt - oh! - in direkter Nachbarschaft zu Wald und Wiesen. Gemeinsam mit den angehenden Biologisch-Technischen Assistenten Jost und Stephan entnimmt die WP-Reporterin Proben. In einem dünnen Rinnsaal plätschert es an der Ruhrquelle über einen Stein ins schmale Flussbett. Vorsichtig geht’s mit sterilen Flaschen nur ans Wasser, eine Berührung mit dem Stein könnte Algen in die Probe befördern und das Ergebnis verfälschen.

Unsere Serie "Leben an der Ruhr"

Geschafft! Schauen wir doch erstmal drauf und riechen. Glasklar, kein Geruch, das ist schon mal gut. „Wasserrein“ wird ihr Lehrer die Proben später nennen. Jetzt hier an der Quelle, schnell Temperatur (11 Grad) und Sauerstoffgehalt messen (94 Prozent), dann nix wie ab in die Kiste, abdunkeln und 20 Kilometer weiter nach Olsberg und ran an Petrischale und Elektrode.

Ergebnis in Olsberg

Wir widmen uns jetzt - ein paar Tage später - dem Ergebnis: Ein Blick auf die Agar-Medien in der Petrischalen im Brutschrank zeigt, es haben sich verschieden farbige Bakterienkolonien gebildet.

Also, Ruhr, reines Trinkwasser laut Hygieneinstitut bist Du auch an der Quelle nicht, zumindest nicht bei Regenwetter im Sommer. „Wir haben fünf E-Coli-Bakterien pro 100 Milliliter Ruhrwasser gefunden und 20 coliforme Keime.“

Besonders auf E-Coli wird geachtet, da dieses Bakterium als „Indikatorkeim“ für pathogene Arten genutzt wird. Und letztere können Durchfall oder schlimmere Krankheiten auslösen. Im Trinkwasser dürfen sie gar nicht vorkommen. „Ohne Aufbereitung im Wasserwerk, wie sie üblicherweise passiert, wäre das Wasser aus der Ruhrquelle kein Trinkwasser“, erklärt Neuendorf. Aber, es ist gut zum Waschen. „Mit einer Leitfähigkeit von 200 Mikrosiemens pro Zentimeter ist es ein recht weiches Wasser.“

Und als Gewässer selbst kommt die Ruhr an der Quelle insgesamt gut weg: Die Sauerstoffsättigung ist mit 95 Prozent gut, der pH-Wert mit 7,5 auch. Die Schüler fanden zwar Nitrat, aber weit unter dem Grenzwert für Trinkwasser. „Auch Nitrit, Ammonium und Phosphat konnten wir wegen der geringen Konzentration mit unserem Testsystem nicht nachweisen“, erklärt der Lehrer. Bestätigt fühlt Neuendorf sein Ergebnis was die leichte Verschmutzung angeht, durch die Gewässerqualifikation des Landesamtes für Umweltschutz (Lanuv): Im Jahr 2013 lag der Bereich Ruhrquelle bei Gewässer-Güteklasse zwei sieben, das ist schon ziemlich sauber.

Fortsetzung folgt

Aber das ist ein neuer Bereich. Also Ruhr, es geht weiter: Das nächste Mal rücken wir Dir 20 Kilometer weiter in Olsberg an den Kragen und gucken da auf Deine Badequalität. Will heißen: Fortsetzung folgt.

Wer forscht, braucht einen langen Atem

So eine Wasserprobe zu untersuchen, das ist mit vielen, vielen Arbeitsschritten verbunden. Vor den Ergebnissen stand ein langer Untersuchungsprozess, der, um wissenschaftlich gültig zu sein, auch noch mehrfach wiederholt werden müsste. Die WP-Reporterin schnuppert Laborluft.

Es riecht nach Brühe und im Labor 322 ist es feucht vom Dampf. Töpfe stehen auf zwei Herden und auch in anderen Maschinen scheint es zu brodeln, verraten die Geräusche. Wird hier, in einem von mehreren biologischen Labors des Berufskollegs, gerade gekocht? Ja, auch, denn hier bereiten alle fleißig vor und das heißt erstmal sterilisieren mit riesigen Dampfgeräten oder Vaporisatoren, im Biologendeutsch Autoklaven. Gleichzeitig werden die biologischen Nährlösungen für die Bakterienzucht angesetzt und chemische Lösungen, um auch hier Kontrollmessungen zu machen.

Irgendwie nach Brühe riecht es, weil eine Lösung nicht umsonst „Bouillon“ heißt. Sie enthält Komponenten wie in normaler Rinderbrühe. Weiter wird hier viel mit „Agar“ gearbeitet, das kennen wir doch vom Marmelademachen! Nun, Bakterien mögen’s eben auch.

Nährboden für Bakterien herstellen

Jetzt ist der Nährboden auch bereitet und abgekühlt. Also nix, wie los: Kittel an, Schutzbrille auf und ran ans Kulturen züchten. Ich tauche die Pinzette in Alkohol, zünde das Ganze an, lass die Flamme kurz wandern, damit auch alles steril ist und nehme den Filter, durch den gerade Ruhrwasser gelaufen ist aus der Membranenfiltrationsanlage. Vorsichtig lege ich ihn auf den Nährboden mit Agar in der Petrischale, schnell verschließen und ab ins Warme. Bakterien, ihr könnt loslegen!

Das dauert jetzt ein paar Tage. Messen wir in der Zeit doch mal physikalisch. Hier lerne ich die „Rührfischchen“ kennen, das sind kleine Magneten, die ins Ruhrwasser-Reagenzglas gelegt und dann auf einer Platte angetrieben werden. Wenn eine Elektrode messen soll, muss das Wasser in Bewegung sein - nicht zu viel, nicht zu wenig, sonst verflüchtigen sich Stoffe oder aber es werden welche aus der Luft ins Wasser eingetragen. Wir testen die Leitfähigkeit - die sieht gut aus.

Teststreifen und Systeme mit Flüssigreagentien helfen uns bei der chemischen Messung. Bei 7,5 Prozent liegt der ph-Wert, das sieht gut aus. Druck, Temperatur, Salzgehalt, all dies hat Einfluss auf den Sauerstoffgehalt. „Darum ist es auch wichtig, dass das Wasser hier Zimmertemperatur hat“, sagt Lehrer Neuendorf.

Ein langes Wochenende später: „So und jetzt tragen wir alles zusammen“, erklärt Peter Neuendorf. Er öffnet den Brutschrank und holt die Petrischalen raus. Reagenzgläser werden nebeneinander gestellt und die Zettel mit bereits notierten Messungen rausgelegt. Alles zusammenzuführen, das ist auch für die Schüler Neuland. „Diese Untersuchung ist eine Zusammenschau von Dingen, die wir zum Teil irgendwann mal gemacht haben“, erklärt Neuendorf.

Der Reporterin raucht der Kopf. Sie hilft lieber spülen und abtrocknen, da kennt sie sich besser aus.

Folgen Sie der Westfalenpost im Altkreis Brilon auch auf Facebook.

 
 

EURE FAVORITEN