Vorwürfe gegen Briloner Internat transparent aufarbeiten

Die Ev. Stiftung Ummeln hat das Internat am Drübel in Brilon übernommen
Die Ev. Stiftung Ummeln hat das Internat am Drübel in Brilon übernommen
Foto: WP
Der neue Träger des Internats am Drübel, die Ev. Stiftung Ummeln, hatte Betroffene zu einem klärenden Gespräch eingeladen. Doch niemand kam.

Brilon..  Für einige ehemalige Bewohner des früheren Jungen-Internats am Drübel in Brilon stehen nach wie vor Vorwürfe im Raum, die sich gegen die damalige Leitung richtet. Von Schlägen und Erniedrigungen von Internatsschülern in den 70er Jahren ist die Rede. Der neue Betreiber des Internats und der Hans-Zulliger-Förderschule, die Evangelische Stiftung Ummeln, möchte die Vorwürfe in offener und transparenter Weise aufarbeiten. Dazu wurden die Betroffenen jetzt zu einem Austausch nach Brilon eingeladen.

„Sechs Personen sollten angemeldet werden. Das hatte man uns im Vorfeld mitgeteilt“, berichtet Pastor Uwe Winkler, Vorstand der Evangelischen Stiftung Ummeln. „Doch dazu ist es nicht gekommen. Stattdessen haben wir am Vorabend unseres Termins in Brilon, der über viele Wochen bekannt war, eine Absage erhalten. Es ist dann auch niemand erschienen.“

Winkler bedauert die Absage. „Wir wollten den ehemaligen Internatsschülern ein öffentliches Forum für ihr Anliegen geben und hätten hier gemeinsam über die Vergangenheit sprechen können.“ Für die Gespräche waren eigens zwei Psychologen, darunter Dr. Lothar Röhrig aus Hamm, eingesetzt worden. Röhrig, der sich auch als Moderator zur Verfügung stellte, hatte sich im Vorfeld mit den Betroffenen ausgetauscht und versucht, mit ihnen die Situation gemeinsam zu erarbeiten.

Pastor Winkler betont, dass die Ehemaligen über die neue Konzeption informiert werden sollten. „Unser Ziel war es, ihre Meinung zu hören und sie mit einzubinden. Doch leider ist es dazu nicht gekommen.“

Die Evangelische Stiftung ist seit August 2014 Träger des Internats am Rothaarsteig und der Hans-Zulliger-Schule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt für emotionale und soziale Entwicklung. „Wir sind mit einem neuen Konzept ins neue Schuljahr gegangen“, berichten Pastor Winkler und Schulleiter Hans-Werner Rötzmeier.

„Internat am Rothaarsteig“

Noch stärker will man sich auf Jungen mit ADHS und ADS konzentrieren, „weil der Bedarf steigt und unser Angebot in Brilon für diese Zielgruppe besonders gut geeignet ist“, erklärt Claus Langer, kommissarischer Geschäftsbereichsleiter Jugendhilfe der Stiftung. Die Veränderung zeigt sich ab dem neuen Schuljahr auch im neuen Namen „Internat am Rothaarsteig“.

Das Internat und die Hans-Zulliger-Förderschule bieten einen überschaubaren Rahmen. „Hier können Jungen mit ADS und ADHS, die zuweilen auch unter Belastungen wie Depressionen, Ängsten oder Lernbehinderungen leiden, in einem geschützten und wertschätzenden Umfeld ihr Potenzial entwickeln“, betont Langer.

Die Förderung orientiert sich an den individuellen Fähigkeiten der Schüler mit dem Ziel, sie auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben in der Gesellschaft zu unterstützen. Ganz bewusst werden die Jungen selbst und auch die Eltern, Therapeuten oder Lehrer einbezogen.

Ebenfalls neu: Nach den Sommerferien hat sich die Hans-Zulliger-Schule für Jungen geöffnet, die nicht im Internat leben. Sechs Plätze stehen dafür bereit. Das Internatsangebot wird im Laufe des Schuljahres 2015/16 ebenfalls ausgebaut. Dann werden Jungen auf Wunsch ganzjährig betreut, also auch in den Ferienzeiten.

Tag der offenen Tür am 2. Oktober

Ein eigenes Bild von Internat und Förderschule können sich alle Interessierten bei einem Tag der offenen Tür machen, der am 2. Oktober stattfinden wird. „Wir hoffen, dass wir dann auch vielen ehemaligen Schülern einen Eindruck geben können, wie sich die Schule und das Internat verändert haben“, sagt Pastor Uwe Winkler.

Um die Arbeit im Internat und der Schule zu begleiten, plant die Evangelische Stiftung Ummeln zudem den Aufbau eines Beirates.

 
 

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