Vorläufiges Aufatmen für die kleine Edona aus Medebach

Die kleine Edona nimmt den Rummel um ihre Person ganz gelassen.
Die kleine Edona nimmt den Rummel um ihre Person ganz gelassen.
Foto: Rita Maurer
Bundesamt räumt Fehler ein. Bescheid für Edona wurde versehentlich vor den Schreiben an die restliche Familie zugeschickt. Über Asylanträge der gesamten Familie soll bereits entschieden sein.

Medebach.  Die seit heute 21 Monate alte Edona erhielt am vergangenen Donnerstag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine Aufforderung, innerhalb einer Woche aus Deutschland auszureisen. Die vor ihrer Geburt 2014 aus Albanien geflüchteten Eltern und ihr Bruder bekamen keine solche Post.

Das war ein Versehen, teilte das BAMF gestern am späten Nachmittag auf WP-Anfrage mit. Weiter heißt es: „Im vorliegenden Fall wurde sowohl das Verfahren der Eltern als auch das des Kindes entschieden. Bedauerlicherweise gingen die Bescheide nicht zeitgleich in die Zustellung, weshalb die Eltern den Bescheid des Kindes früher erhielten als ihren eigenen. Dies ist der hohen Anzahl an Asylanträgen und der vielen vom Bundesamt getroffenen Entscheidungen geschuldet.“

Unser gestriger WP-Bericht über die drohende Ausreise der kleinen Edona aus Medebach hat große Bestürzung und Ungläubigkeit weit über die Hansestadt hinaus ausgelöst. Gestern waren mehrere Fernseh- und Reporter-Teams bei der Familie. Der Europa-Abgeordnete Arne Gerricke schickte sogar aus Brüssel Eil-Briefe an Angela Merkel und Hannelore Kraft. In dem Bescheid vom BAMF war Edonas Asylantrag abgelehnt und eine einwöchige Ausreisefrist eingeräumt worden mit der Begründung, dass sie erst nach der Flucht ihrer Familie aus Albanien geboren worden sei und damit keine Vorverfolgung erlitten habe. Nach dieser Frist würde sie abgeschoben, heißt es.

Edona hat vorerst Duldungsstatus

HSK-Pressesprecher Martin Reuther erklärte, dass laut Gesetzeslage ein minderjähriges Kind nicht allein ohne seine Familie abgeschoben werden dürfe. Das betonte das BAMF gestern sogar über Twitter. Dieser Satz findet sich zwar auch in dem elfseitigen Schreiben des Bundesamtes, allerdings erst auf der Seite 7. Auf dem Deckblatt ist dagegen unmissverständlich die Ablehnung der Asylanerkennung und des subsidiären Schutzes für Edona formuliert.

Für den Fall, dass den Eltern und dem Bruder Asyl gewährt wird, fällt Edona unter die im Aufenthaltsgesetz geregelte Duldung und den „Schutz der Familie“, der in Artikel 6 des Grundgesetzes geregelt ist. Sie dürfte dann bis zu ihrer Volljährigkeit bei ihrer Familie bleiben und müsste aber nach ihrem 18. Geburtstag ausreisen

Sollte das Bundesamt auch die Asylanträge für ihre Familie ablehnen, seien alle Familienmitglieder zur Ausreise verpflichtet. Gegen einen solchen Bescheid werde jedoch in vielen Fällen von den Asylbewerbern geklagt, so Reuther. Bis zu einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts, die sich je nach Fall von Wochen bis zu mehreren Jahren hinziehen könne, würde die Ausreise ausgesetzt. Eine solche Klage ist gerade in Arbeit und soll heute beim Verwaltungsgericht in Arnsberg eingereicht werden.

Grundwerte und Mitmenschlichkeit

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese hat sich gestern morgen ebenfalls in den Vorfall eingeschaltet. „Als Vater eines fünf Monate alten Kindes bin ich über den Bescheid einfach nur fassungslos“, sagte er im Telefongespräch mit der WP. Bei allen derzeitigen Diskussionen um Flüchtlinge dürfe man Grundwerte und Mitmenschlichkeit nicht über Bord werfen. In einem Schreiben an das Bundesamt, dem er den WP-Bericht beigefügt hatte, bat er um eine erneute Prüfung des Bescheides und wies er darauf hin, dass man den Schutz für Menschen aus sicheren Herkunftsländern, zu denen Albanien zählt, nicht auf Null reduzieren dürfe, zumal die betroffene Familie aus Medebach der Gefahr der Blutrache ausgesetzt sei.

 
 

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