Vor Ort stimmige Strukturen schaffen

Brilon.  Das Problem des Nachwuchsmangels stand im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Briloner Handwerker im Kolpinghaus. Im Anschluss war zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung angesetzt, zu der der 1. Vorsitzende des Briloner Handwerkervereins, Franz-Josef Sammet, gleich fünf Gastredner begrüßte.

Oliver Dülme von Brilon Wirtschaft & Touristik (BWT) wies in seinen Ausführungen auf den „Ausbildungskompass” der BWT im Internet hin, in dem junge Leute sich über freie Ausbildungsplätze, auch im Handwerk, informieren können. Hier melden Firmen ihre freien Ausbildungsplätze.

Diese Einträge und evtl. Änderungen sind kostenlos. 400 bis 600 Zugriffe monatlich zeugten von einer guten Annahme durch die jungen Leute, erklärte Oliver Dülme. Auch in diesem Jahr wird es wieder eine Ausbildungsbörse geben. Am 18. März stellen sich erneut heimische Unternehmen im Briloner Kolpinghaus vor. 51 Aussteller in 68 Berufen werden Jugendlichen ihre Unternehmen für eine evtl. Ausbildung näher bringen. Oliver Dülme: „Da ist immer gut was los!”

Von großen Problemen berichtete auch Ingomar Schennen von der Kreishandwerkerschaft HSK. Er beklagte, dass es an zu wenig jungen qualifizierten Leuten im Handwerk mangelt. Viele Jugendliche heutzutage hätten Schwierigkeiten mit den Grundrechenarten, von fehlenden Rechtschreibkenntnissen ganz zu schweigen.

Interesse für Handwerk wecken

Er empfahl, schon in der Schule auf die jungen Leute zuzugehen und Interesse für das Handwerk zu wecken, evtl. durch Vergabe von Praktika. Auch der „Girl’s Day” sei eine sehr sinnvolle Einrichtung, in der auch Mädchen sich für ein Handwerk interessieren können.

Aus der Praxis vor Ort erzählte Theo Gruß von der Agentur für Arbeit. „Immer weniger Schulabgänger interessieren sich für einen Beruf im Handwerk”, beklagte er. Er empfahl eine ausgiebige Überzeugungsarbeit seitens der Eltern. Sie müssten ihren Kindern vermitteln können, welche Aussichten ein Handwerksberuf bietet. „Diese Ausbildung ist keine Einbahnstraße, da man heutzutage als Meister auch studieren kann.” Qualifizierungen und berufsvorbereitende Maßnahmen, auch bei Migranten und Jugendlichen mit schlechten Voraussetzungen, trügen dazu bei, das Handwerk neu zu beleben.

MdB Dirk Wiese forderte, es müssten vernünftige Rahmenbedingungen geschaffen werden. Es gelte, die Ausbildungsquote zu heben. Nicht qualifizierte Menschen ohne Beruf sei sozialer Sprengstoff. Zwar sei Südwestfalen in den Betrieben, auch im Handwerk, gut aufgestellt, da es das Ruhrgebiet in der Wirtschaftlichkeit als führende Region abgelöst habe. Dennoch gäbe es enormen Verbesserungsbedarf. „Wir müssen hier vor Ort stimmige Strukturen schaffen!”

Vielzahl an Perspektiven

Das unterstrich auch MdL Matthias Kerkhoff. „Wir sind an einer Stelle angelangt, wo sich viele Bereiche umgedreht haben. Wir müssen jungen Leuten das Gefühl geben, dass sie sich hier wohl fühlen.”

Die Ausbildung in einem Handwerksberuf solle als moderne und spannende Angelegenheit vermittelt werden. Daraus folge auch eine Vielzahl an Perspektiven für die Weiterführung. Er empfahl, darüber nachzudenken, ob man auch zusätzlich neue Wege gehen sollte, z.B. die Teilzeitausbildung. Das Handwerk müsse in den Augen junger Leute wieder erstrebenswert werden.

„Denn”, so der CDU-Politiker weiter, „das Streben nach immer höheren Abschlüssen ist nicht stets auch der richtige Weg.”

Eine intensive Diskussion zum Thema Nachwuchsprobleme im Handwerk zeigte, wie sehr das Thema den Briloner Handwerkern unter den Nägeln brennt.

 
 

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