Unternehmen in Westheim streicht Betriebsrats-Kandidaten den Lohn

(hjh)
Gewerkschaftssekretär Bodo Matthey (r.) und Betriebsratsvorsitzender Rene Heißig
Gewerkschaftssekretär Bodo Matthey (r.) und Betriebsratsvorsitzender Rene Heißig
Foto: WP
In einer Firma im hochsauerländischen Marsberg-Westheim gärt es. Den 24 Mitarbeitern, die für den Betriebsrat kandidieren, wurde für Januar kein Lohn überwiesen. Ein leitender Angestellter von Kombi-Massiv-Bauelemente soll gedroht haben: Wenn der Betriebsrat sich nicht auflöse, werde der ganze Betrieb „vor die Wand gefahren“.

Westheim. In der Firma Kombi-Massiv-Bauelemente (KMB) gärt es: Wenn der Betriebsrat sich nicht auflöse, werde der ganze Betrieb „vor die Wand gefahren“. Das soll Dienstagnachmittag ein leitender Angestellter namens der Geschäftsführung in einer Mitgliederversammlung angedroht haben. Sagt jedenfalls Bodo Matthey, Gewerkschaftssekretär der IG Bau, Agrar, Umwelt (BAU).

„Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt dagegen Hermann Jakobs, Geschäftsführer und Mitgesellschafter, zur Westfalenpost. Grundsätzlich finde er „Betriebsräte fantastisch“.

Untertarifliche Bezahlung

Seit sich die Belegschaft im Herbst mit der Gründung eines Betriebsrates beschäftigte, hängt der Haussegen in dem 105 Mitarbeiter großen Unternehmen jedoch schief. Anlass, nach 1978 wieder eine organisierte Arbeitnehmervertretung zu installieren, sei, so Matthey, in erster Linie die untertarifliche Bezahlung. Das Unternehmen sei nicht dem Arbeitgeberverband angeschlossen und deshalb auch nicht tarifgebunden. Hinzu gekommen seien Klagen über die Arbeitsbedingungen.

Nach Gewerkschaftsangaben gehören rund 60 Prozent der Belegschaft der IG BAU an. Am 19. Dezember fand die Wahl des siebenköpfigen Gremiums statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 76 Prozent. Das Amt des Betriebsratsvorsitzenden wurde Rene Heißig, seit 15 Jahren bei der KMB tätig, übertragen.

Anfechtungsklage gegen Betriebsratswahl

Bereits zweimal trafen sich die zerstrittenen Parteien vor dem Arbeitsgericht. Die Geschäftsführung hatte in Arnsberg eine Anfechtungsklage gegen die Betriebsratswahl eingereicht. Angeblich, so der IG BAU-Sekretär, sei die Einladung nicht korrekt erfolgt. Der Richter, so Matthey weiter, habe jedoch schon zu erkennen gegeben, dass die Wahl deshalb nicht nichtig sei.

Außerdem hatte die Unternehmensleitung den Gewerkschaftssekretär mit Hausverbot belegt und wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Das Arbeitsgericht habe ihm jedoch den uneingeschränkten Zutritt zugesprochen. Dagegen laufe derzeit noch eine Beschwerde. „Erpressung“ nennt ein langjähriger KMB-Mitarbeiter gegenüber der WP die Äußerungen der Geschäftsleitung in der Belegschaftsversammlung am Dienstag.

Heizpilze und heiße Getränke gefordert

Dass die Chefs es ernst meinen, haben die 24 Mitarbeiter, die sich für den Betriebsrat kandidierten, am eigenen Leib erfahren müssen: Ihnen ist für Januar kein Geld mehr überwiesen worden. Für Hermann Jakobs stellt sich der Konflikt als individuelles Problem dar. Er hat einige wenige „Hardliner“ und „Schreihälse“ ausgemacht, die mit ihren Forderungen und ihrem Verhalten das Werk viel Geld kosten und - so seine Interpretation der Äußerung von Dienstag - „das Werk vor die Wand fahren“.

Der Betriebsrat, so Jakobs, habe die Anschaffung von „100 Heizpilzen“ gefordert, um eine Arbeitstemperatur von 12 Grad in 75 cm Höhe über dem Boden sicherzustellen, zudem heiße Getränke und zusätzliche Aufwärmpausen. Stimmt so nicht, sagt BR-Vorsitzender Heißig. Es sei um „drei, vier Mann“ gegangen, die bei der jüngsten Kältewelle hätten arbeiten müssen. Für sie habe er Tee und Pausen beantragt.

Unternehmen baut Stellen ab

Gut und gerne 35.000 Euro habe man bisher für die Betriebsratsaktivitäten ausgeben müssen, sagte Jakobs zur WP. Dass den 24 Betriebsrats-Kandidaten der Januar-Lohn nicht gezahlt worden sei, stimme: Man werde für derart gegen die Betriebsinteressen agierende Mitarbeiter nicht auch noch den Kontokorrent in Anspruch nehmen, um ihnen Löhne zu zahlen. Immerhin hätten die Gesellschafter vor zehn Jahren mit ihrer 14-Mio-Euro-Investition in das Werk „ihren Kopf weit aus dem Fenster“ gelehnt. 45 Arbeitsplätze seien damals geschaffen worden. Jetzt baut das Unternehmen Stellen ab. 15 Mitarbeiter sind bereits in diesem Jahr entlassen worden. Weitere, so Jakobs, werden folgen.

Am Freitag um 13 Uhr findet eine Belegschaftsversammlung der Firma KMB statt.