Unten am Zielhaus kreisen die Sägen

Joachim Knorra hat einen Bob aus Eis geschnitzt.
Joachim Knorra hat einen Bob aus Eis geschnitzt.
Foto: WP
Sportlich jagten am Freitag die Männer im Zweierbob durch den Eiskanal. Ganz am Rande buhlten Künstler um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

Winterberg..  Es ist der Tag danach. Der Tag nach der grandiosen Eröffnungsshow zur Bob- und Skeleton-WM. „Ganz schön spät geworden, aber gut war’s“, hört man immer wieder Stimmen am Rand der Bahn. Obwohl am Mittag der erste und zweite Lauf der Männer im Zweierbob anstehen, füllt sich das Gelände der 1609 Meter langen Eisrinne nur mäßig mit Publikum. Beim Lauf der Damen am Donnerstag saßen immerhin 1,57 Millionen Haushalte vorm Fernseher; ein Marktanteil von 14,1 Prozent. Aber hinterm Ofen war es auch wärmer und trockener.

Heute schneit es ohne Unterlass. Dichter, pappiger Schnee erschwert den Fußmarsch auf dem Bobbahngelände. Das Drumherum der WM erwacht erst langsam. Der Stand mit Nationenfähnchen und kleinen Rasseln hat eben erst geöffnet. Die Sonnenbrillen ab 39 Euro braucht heute niemand. Eine Familie schiebt ihren Kinderwagen durch den Schneematsch. „Kann man da oben am Start auch raus, oder müssen wir wieder ganz runter?“, fragt die Frau in Höhe des Kreisels. „Klar geht das“, sagt einer der 150 Freiwilligen (Volunteers), die für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Eigentlich ist heute der „Tag der Kulturen“. Rudelsingen ist zum Beispiel angesagt. Aber bei dem Wetter verschlägt es dem ohnehin eher kleinen Rudel die Stimme. Am ersten WM-Schultag war mehr los. Aber das kommt bestimmt noch.

Ganz unten beim Zielhaus sind zwei Pavillons aufgebaut. Hier kann man Künstlern bei der Arbeit zuschauen. Weit weg vom Schuss, aber trotzdem spannend. Der Hesborner Eisbildhauer Joachim Knorra gibt einem Viererbob aus vier 50-Kilo-Eisblöcken den letzten Schliff. Eben war die 1,30 Meter lange und 50 Zentimeter hohe Skulptur noch frostig-trüb. Aber als der 52-Jährige mit der Gasflamme ans Werk geht, wird der Bob kristallklar. Eis auf heiß - das hat was. Ist das nicht auch der Name des WM-Song von Tom Astor? Fast. Der heißt „Heißes Eis“. Passt aber auch.

„Das Wasser habe ich nach meinem Spezialverfahren gefroren. Das heißt: Man muss die Flüssigkeit immer bewegen. Sechs Tage hat das gedauert, bis ich die 65 mal 40 mal 22 Zentimeter großen Blöcke fertig hatte. Nur so bleiben sie schön klar“, sagt Knorra, der seit 25 Jahren am Eis schnitzt. Gestern ein Kreuz für das Kirchenzelt am Eiskanal, heute der Viererbob, morgen ein Workshop an der Bahn mit einer großen Versicherung. Es läuft. Der eisige Viererbob soll als Blickfang während der ganzen WM dort oben stehen bleiben. Na, das sind ja eisige Wetteraussichten.

Kunst im Pavillon

Direkt neben ihm haben Jürgen Vollbracht aus Usseln und Petra Kuhaupt aus Willingen ihren Kunst-Pavillon aufgebaut. Schon ganz früh sind sie heute Morgen losgefahren: „Man weiß ja nie, wie das Verkehrsaufkommen bei so einer Weltmeisterschaft ist.“ Umso ernüchternder sind ihre Erfahrungen nach den ersten WM-Stunden. „Vom Skispringen in Willingen sind wir andere Besucherzahlen gewohnt. Aber das liegt wohl auch daran, dass sich das ganze Geschehen entlang der Bahn abspielt und nicht so auf einem Punkt wie im Skistadion“, mutmaßt Petra Kuhaupt. Leider sei im Upland kaum Reklame für die WM gemacht worden. „Schade, die Deutschen sind doch gut in dieser Disziplin; so etwas zieht doch.“ Seit 2008 hat sich die gelernte Hotelfachfrau ganz der künstlerischen Beschäftigung gewidmet. Ob Glaswindlichter oder Mosaikbilder zum Beispiel auf Schiefer - sehr filigran sind die Kunstwerke, die die Upländerin gestaltet. In Willinger Kurgarten hat sie gemeinsam mit vier anderen Künstlern eine Dauerausstellung.

Mit Säge und Schnitzmessern geht auch der gelernte Elektriker Jürgen Vollbracht ans Werk. Anfangs war es der Rohstoff Holz, der ihn faszinierte. Daraus wuchs der Wunsch, Holzbildhauer zu werden. Heute hat er ein Stück Rubine vor sich liegen, aus dem er eine Gartenfigur schnitzt. Das letzte Stücke für die dreiteilige Skulpturengruppe „Familie“. Aber auch Eiche oder Kirsche verarbeitet der Usselner gerne.

Tobias Blum aus Olsberg und seine Freundin Jessica Dupke aus Lünen verfolgen die Künstler mit Interesse. Gekommen sind sie aber wegen des Sports. „Wann hat man schon mal eine WM vor der Haustür?“ Beim Skispringen seien sie auch schon mal gewesen. Aber das ständige Stehen auf einer Stelle habe ihnen nicht gefallen. Hier könne man die Bahn entlanglaufen, und dabei den Wettkampf verfolgen, Wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können...

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