Totschlag-Prozess: Angeklagter gibt islamistisches Motiv vor

Die Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess sind groß. Die Justizbeamten sitzen während der Verhandlung hinter dem Angeklagten.
Die Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess sind groß. Die Justizbeamten sitzen während der Verhandlung hinter dem Angeklagten.
Foto: Matthias Graben
Prozessauftakt um Totschlag in Niedersfeld unter hohen Sicherheitsvorkehrungen: Der Angeklagte legt unerwartet ein überraschendes Geständnis ab.

Arnsberg/Winterberg. Nach dem grausamen Tod eines 56 Jahre alten Mannes, der im September vergangenen Jahres in Niederfeld in seinem Garten erschlagen wurde, hat der Angeklagte (27) am Donnerstag beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Arnsberg die Tat gestanden. „Ich habe ihn umgebracht. Er war ein Ungläubiger“, sagte der in Iserlohn geborene Deutsch-Marokkaner und sorgt damit für eine Überraschung bei allen Prozessbeteiligten.

Staatsanwalt reagiert zurückhaltend

Bislang hatte er zu den Vorwürfen geschwiegen. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt Oberstaatsanwalt Klaus Neulken. Es sei unklar, wie das Geständnis zu bewerten sei. Hinweise auf Kontakte zur islamistischen Szene seien im Laufe der Ermittlungen nicht gefunden worden.

Das Motiv für die Tat, angeklagt ist Totschlag, ist bis heute offen. Eine Verbindung zwischen Täter und Opfer gibt es scheinbar nicht. Es ist auch rätselhaft, weshalb der 27-Jährige mit dem Bus nach Niedersfeld fuhr. Sicher ist nur, dass die Männer in Streit geraten waren.

Der Angeklagte, ein zierlich-hagerer Mann, tiefschwarze Haare, Drei-Tage-Bart, wird als unberechenbar eingestuft. Die Sicherheitsvorkehrungen sind entsprechend hoch. In der JVA hatte der 27-jährige Angeklagte mehrfach Beamte angegriffen. Vier Justizbeamte führen ihn um 9 Uhr in Saal 3 am Landgericht Arnsberg. Ihre Gesichter sind vermummt, sie tragen Helme, Handschuhe und schwere Westen.

Gericht verzichtet auf Spuckmaske für den Angeklagten

Die Hände des Angeklagten sind über dem verwaschenen blauen Sweatshirt mit einem Beckengurt am Körper fixiert, an den Fußknöcheln trägt er Fesseln. Auf die vorher zum Schutz der Beamten angekündigte Spuckmaske, eine feinmaschige Stoff-Haube, verzichtet das Gericht kurzfristig, weil sich der Angeklagte in den letzten Tagen kooperativ gezeigt habe, sagt ein Gerichtssprecher am Rande des Prozesses.

Die Blicke des gebürtigen Iserlohners schweifen zu Verhandlungsbeginn unbeteiligt durch den Zuschauerraum. Der 27-Jährige legt den Kopf in den Nacken und beginnt, arabische Worte zu murmeln, die sich zum Gesang steigern. „Allahu akbar“ – „Gott ist am größten“, ist zu verstehen. Es sind gespenstische Szenen. Als Richter Klaus-Peter Teipel den Angeklagten fragt, ob er alles versteht und wie es ihm geht, reagiert er zunächst nicht, sagt dann aber erneut: „Ich hab Ihnen gesagt, ich hab ihn umgebracht. Er war ein Ungläubiger, ich hab ihn auf Allahs Weg getötet – und das war’s.“

Gutachten soll Aufschluss geben über Schuldfähigkeit

Nach 15 Minuten unterbricht Richter Teipel auf Antrag von Verteidiger Marco Ostmeyer die Verhandlung. Mit Staatsanwaltschaft und Anwalt will er die Verhandlungsfähigkeit des gebürtigen Iserlohners diskutieren, der einen fahrig-verwirrten Eindruck macht. Ein psychiatrischer Gutachter ist für die kommenden Prozesstage geladen. Sein Gutachten soll Aufschluss geben, wie die Schuldfähigkeit des Mannes bewertet werden kann.

Das Gericht hatte den Prozess ohne Sachverständigen begonnen, der verhindert ist. Der Angeklagte sitzt aber seit Ende September in Untersuchungshaft. In Deutschland gilt grundsätzlich, dass die maximale Dauer einer U-Haft sechs Monate beträgt. Sie kann nur vom Oberlandesgericht verlängert werden.

Offener Schädelbruch beim Opfer

Nach der Pause verliest Oberstaatsanwalt Neulken die Anklageschrift. Der Angeklagte räkelt sich dabei, spielt mit seinen Fingern, kaut auf der Unterlippe und murmelt mit gerunzelter Stirn vor sich hin. Ihm wird vorgeworfen, am 22. September abends gegen 22.30 Uhr das 56-jährigen Opfer aus Niedersfeld zunächst mit einem Messer attackiert und danach durch mindestens sechs Schläge auf den Kopf mit einem stumpfen Gegenstand getötet zu haben. Das Opfer erlitt einen offenen Schädelbruch und ein Schädelhirn-Trauma.

Nach nur 45 Minuten ist der erste Verhandlungstag beendet.

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