Stramme Waden für schwache Muskeln

Stefan Ester (Mitte) übereicht Bürgermeister Dr. Bartsch das Radtrikot- und Reinhard Sommer den Routenplan für die anspruchsvolle Radtour im Sommer.
Stefan Ester (Mitte) übereicht Bürgermeister Dr. Bartsch das Radtrikot- und Reinhard Sommer den Routenplan für die anspruchsvolle Radtour im Sommer.
Foto: WP
601 Kilometer in drei Etappen - das haben sich 14 Radsportler vorgenommen. Am 30. Juni starten sie in Brilon und fahren in die Partnerstadt Hesdin. Der Erlös ist für die Schule an der Ruhraue und den Verein Benni und Co bestimmt.

Brilon..  Sie alle sind sattelfest. Und nicht nur ihre Waden sind gestählt. Trotzdem haben Gehirn und Gesäß ordentlich Respekt vor den 601 Kilometern. Am 30. Juni machen sich 16 Radfahrer im Alter von 23 bis 65 Jahren von Brilon aus auf eine dreitägige Tour in die Partnerstadt Hesdin. Eine Aktion, die sich als Zeichen der Freundschaft zwischen den beiden Städten versteht. Eine Aktion, die aber auch Geld für einen guten Zweck (wenn nicht gar für zwei gute Zwecke) bringen soll.

Krankheit besser erforschen

Die Anfangsidee stammt von Stefan Ester. Der 53-jährige Geschäftsführer einer Firma für Rohrleitungsbau in Olsberg ist schon seit Jahren Kopf der Radsportgruppe „Biken für Benni und Co.“ Bei der Radsport-Großveranstaltung Cyclassics in Hamburg lernte er vor einigen Jahren die Familie Reinecke kennen, deren Sohn an der seltenen Form eines genetisch bedingten Muskelschwunds leidet. „Duchenne Muskeldystrophie“ betrifft ausschließlich Jungen. Weil es bundesweit nur 2500 Erkrankte gibt, hat die Pharmaindustrie kein großes Interesse daran, Geld in die Erforschung eines rettenden Medikamentes zu stecken. Daher hat sich die bundesweite Elterninitiative „Aktion Benni und Co.“ gegründet. Sie macht sich dafür stark, dass die Krankheit und ihre Behandlung besser erforscht werden können.

Diese mutige Initiative hat Stefan Ester so fasziniert, dass er und seine Radsportkollegen schon einige Benefiz-Aktionen gestartet haben, um Geld für diesen Verein zu sammeln und um auf diese Krankheit aufmerksam zu machen. Spektakulär und noch gut in Erinnerung dürfte z.B. der Benefiz-Marathon von 2013 sein, bei dem der Madfelder Marvin Bürger gemeinsam mit den Benni-Radlern in die Pedalen trat. 25 000 Kilometer hat jeder Biker seitdem für die gute Sache gestrampelt – und etwa 25 000 Euro sind seitdem auch an Spendengeldern zusammengekommen und 1:1 weitergeleitet worden.

In diesem Jahr geht es nun in die französische Partnerkommune Brilons. Stadt und Partnerschaftsvereinigung waren Feuer und Flamme für diese Idee und daher gehören u.a. auch Bürgermeister Dr. Christof Bartsch und Ratsvertreter Wolfgang Kleineberg mit zum Rennrad-Tross. Seit Wochen trainieren die Teilnehmer für diese Tour. „Ich schätze, ich habe im Vorfeld so um die 3000 Kilometer gefahren. Hinzu kommen Rudertraining und unsere Trainingseinheiten in der Gruppe. Wir sind allein schon zweimal Richtung Ruhrgebiet unterwegs gewesen“, sagt Stefan Ester. Etwa 30 km/h wollen die Hesdin-Radler im Schnitt zurücklegen. „Das lange Sitzen, aber vor allem die Kondition, die Kraft und die Konzentration sind die größten Herausforderungen. Wir fahren ja alle zu Zweit in einem Abstand von 40 Zentimetern nebeneinander her. Da muss man schon aufpassen.“

Die Energie bündeln

Daher sind die 16 Teilnehmer auch alle auf einem etwa gleichen Leistungslevel. Ein Radler macht noch vor der Tour – quasi als Aufwärmtraining – eine 14-tägige Schottland-Rundreise. „Unsere längsten Trainingsetappen waren bisher 160 Kilometer am Stück. Da legt man am besten auch keine großen Pausen ein, denn sonst kommt man aus dem Rhythmus“, erklärt Ester. Auch das Windschattenfahren will gelernt sein. Die Leute mit der meisten Power sausen vorne vorweg. „Viel erzählt wird unterwegs nicht. Aber man strampelt auch nicht nur stur vor sich hin. Manchmal bündelt einer seine Energie, fährt an allen anderen vorbei und ruft laut ,Lächeln!’ - das motiviert und gibt neue Kraft.“

Das Begleitfahrzeug steuert Karl Wiemeyer von der Briloner Partnerschaftsvereinigung. Außerdem dürfen dort ein DRK-Sanitäter sowie zwei Begleiterinnen Platz nehmen, die für Verpflegung und verkrampfte Wadenmuskeln zuständig sind.

Am Samstagnachmittag will der Sauerland-Tross in Frankreich ankommen, wo ihm die Städtepartner einen würdigen Empfang bereiten wollen. Bis dahin soll auch ein Bus aus Brilon das Ziel Hesdin erreicht haben. Der nimmt die Radler wieder mit zurück ins Sauerland und bringt aber vorher einige weitere Briloner nach Frankreich, wo abends die hoffentlich geglückte und reibungslose Radtour und die Städtepartnerschaft gefeiert werden können. Hoffentlich auch im Sitzen und ohne geradelten Wolf...

Viele Firmen und Einzelpersonen unterstützen das Brilon-Hesdin-Team – sei es zum Beispiel durch Trikot-Sponsoring oder kostenlose Bereitstellung des Begleitfahrzeugs.

Aber die Radler möchten die öffentliche Aufmerksamkeit auch dazu nutzen, um Spenden zu sammeln. Schon bei der Schnade soll die Sammelbüchse rumgehen. Von jedem Cent bekommt die Hälfte die „Aktion Benni und Co.“, deren Vertreter die 16-köpfige Truppe mit dem Auto auf der ersten Etappe begleiten wird. Unterwegs sollen Flyer und Infos über den Hilfsverein verteilt werden.

Die Radfahrer bitten aber um weitere Spenden, denn neben „Benni und Co.“ soll von der anderen Hälfte der Spenden die Schule an den Ruhrauen in Bigge profitieren. Dort soll ein Sport-Rollstuhl angeschafft werden. Und der kostet rund 3000 Euro.

Wer also als Einzelperson oder als Firma spenden möchte: Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten DE92 4726 1603 7900 4644 00.

 
 

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