Staatsanwaltschaft ermittelt nach Explosion in Brilon

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Brilon. Bei einer Explosion in einem Heizkessel des Spanplattenherstellers Egger sind am Freitag drei Männer ums Leben gekommen. Vier wurden verletzt. Weitere Kollegen standen nach dem Unfall unter Schock. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hat die Ermittlungen übernommen.

Es ist genau 14.14 Uhr, als Turgay Tirasoglu von einem lauten Knall aufgeschreckt wird. In etwa 400 Meter Luftlinie zur Firma Egger befreit der 36-jährige Dachdecker ein Firmendach von Schneemassen. „Es war ein Knall wie bei einer Verpuffung. Wenig später sah ich eine schwarze Rauchwolke und in der Luft hingen Fetzen von Dämmmaterial, wie man es aus Schornsteinen kennt. Die Rauchwolke zog bis ins fünf Kilometer entfernte Wülfte. Dann war die Luft aber auch schnell wieder klar.” Mit seinem Handy hat er das Ganze gefilmt.

Rettungskräfte brauchen sechs Minuten

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Thomas Winterberg

Sechs Minuten später treffen die ersten Rettungskräfte auf dem riesigen Gelände der Firma ein. „Explosion, hieß es für uns. Unterwegs wurde die Alarmstufe für alle Kräfte erhöht. Feuerwehrleute aus Brilon, Altenbüren, Thülen, Scharfenberg und Alme rückten aus”, erklärt der Sprecher der Briloner Feuerwehr, Marc Heines. 120 Einsatzkräfte sind vor Ort, aber nicht alle kommen zum Einsatz. Höchste Alarmstufe.

Vor der Kesselanlange finden die Feuerwehrmänner zwei Personen. Beide sind bereits tot. Mit Schaum und Wasser gehen die Wehrleute gegen das Feuer vor. Um 15.26 Uhr heißt es: Brand unter Kontrolle! Um 15.47 Uhr: Brand gelöscht! Doch in dem Heizkessel machen die Helfer einen weiteren schrecklichen Fund: Noch ein Todesopfer.

Notfallseelsorger im Einsatz

Zwei Elektriker, und ein Schlosser - 21, 59 und 62 Jahre alt, alle Angestellte der Firma Egger, alle aus Brilon - haben bei diesem Unfall den Tod gefunden. Notfallseelsorger kümmern sich um die 35 Arbeitskollegen der Schicht und um die Angehörigen.

Über dem Firmengelände des Holzwerkstoff-Herstellers kreisen zwei Hubschrauber. Die Polizei-Libelle verfolgt das Geschehen aus der Luft und koordiniert die Polizeikräfte am Boden. Der andere Helikopter ist ein Rettungshubschrauber. Er wird wenig später unverrichteter Dinge den Rückflug antreten.

Explosionsursache unklar

Polizeisprecher Udo Heppe kann keine Angaben zum Unfallhergang machen. Aber zwei Sachverständige seien bereits vor Ort. Sobald die Feuerwehr grünes Licht gebe, werde ermittelt.

Rüdiger Börnke, Technischer Betriebsleiter des rund 1000 Mitarbeiter großen Betriebs, kann sich die Explosion nicht erklären. Der Thermo-Ölkessel komme nur dann zum Einsatz, wenn die beiden anderen großen Heizanlagen außer Betrieb seien - höchstens 1000 Stunden Laufzeit im Jahr. „Einmal jährlich muss dieser Ersatz-Heizkessel überprüft werden. Das haben wir gerade gemacht. Das Ganze ist bei Inbetriebnahme nach der Wartung passiert”, so Börnke. Bei der Explosion wurde der Kessel komplett zerstört. Laut Polizei des Hochsauerlandkreises entstand nach ersten Schätzungen ein Sachschaden von rund 500.000 Euro.

Familienbetrieb unter Schock

Der Schock sitzt allen Beschäftigten der Firma in den Knochen. „Wir sind trotz unserer Größe ein Familienbetrieb und haben es den Mitarbeitern freigestellt, für heute nicht mehr weiterzuarbeiten. Davon haben viele Gebrauch gemacht”, sagt Mattias Keuthen, Sprecher des Unternehmens. Er bedankt sich ausdrücklich bei den Helfern und spricht den Familienangehörigen sein tiefes Beileid aus. Am Samstagvormittag will NRW-Umweltschutzminister Eckhard Uhlenberg die Unfallstelle besuchen.

Die Explosion bei Egger sorgt für ein riesiges Medien-Echo. In unzählige Kameras und Mikrofone müssen Börnke und Keuthen über den Unfallhergang sprechen. Die drei Männer macht das leider nicht wieder lebendig.

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