SPD-Antrag zum Winterberger Freibad wird nicht weiterverfolgt

Ralf Hermann
Einer Wiederbelebung des Winterberger Freibades hat der Hauptausschuss eine Absage erteilt.
Einer Wiederbelebung des Winterberger Freibades hat der Hauptausschuss eine Absage erteilt.
Foto: Firley
Das seit drei Jahren geschlossene Winterberger Freibad wird wohl nicht mehr reaktiviert. Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Winterberg hat mit den Stimmen der CDU- und FDP-Fraktion am Dienstagabend mehrheitlich einen diesbezüglichen SPD-Antrag, die Betriebsmöglichkeiten des Freibades zu prüfen, abgelehnt und damit formal die Freigabe für einen möglichen Abriss erteilt.

Winterberg.  Das seit drei Jahren geschlossene Winterberger Freibad wird wohl nicht mehr reaktiviert. Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Winterberg hat mit den Stimmen der CDU- und FDP-Fraktion am Dienstagabend mehrheitlich einen diesbezüglichen SPD-Antrag, die Betriebsmöglichkeiten des Freibades zu prüfen, abgelehnt und damit formal die Freigabe für einen möglichen Abriss erteilt. Entgegen anderslautender Medienberichte liegt die Entscheidung, ob und wann abgerissen wird, allerdings nicht bei der Stadt, sondern bei der Knappschaft-Bahn-See, der das Grundstück gehört.

Schon im Vorfeld der Sitzung hatten SPD und CDU öffentlich ihre konträren Positionen bezüglich des Freibades ausgetauscht (wir berichteten). Insbesondere den SPD-Politikern der Kernstadt um den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Torben Firley und Jörg Hampel war es ein wichtiges Anliegen, mit dem Antrag die wohl letzte Chance zu nutzen, das Freibad zu retten. Torben Firley hatte sogar eine Online-Petition zum Erhalt des Waldfreibades gestartet. 1171 Personen unterstützten seinen Wunsch im Internet.

Die CDU hingegen hatte stets betont, dass ein neuerlicher Betrieb des Freibades schlicht und ergreifend zu teuer und unwirtschaftlich sei und das Geld lieber verwendet werden solle, um das Oversum-Bad attraktiver zu machen. Ein entsprechender Antrag wurde am Dienstag gegen die Stimmen der SPD verabschiedet (siehe Kasten).

Kostenlose Anlagenprüfung

In dem jetzt abgelehnten Antrag hatten die Sozialdemokraten die Stadtverwaltung gebeten, konkrete Energiekosten sowohl für das Freibad als auch für das Hallenbad aus den Jahren 2008 bis 2011 zu nennen. Zudem teilten sie im Antrag mit, dass das Winterberger Unternehmen Santherm eine kostenlose Überprüfung der technischen Anlagen angeboten habe. Ferner soll eine stetig zunehmende Zahl an Winterbergern ihre Bereitschaft erklärt haben, sich ehrenamtlich zu engagieren, um das Freibad in Winterberg zu erhalten. Möglich sei daher auch die Gründung eines Fördervereins, so SPD-Fraktionschef Harald Koch, vorausgesetzt, die Kostenlage und das Pachtverhältnis seien klar.

Die CDU indes sieht keinen Bedarf für eine Prüfung der Anlagen und Kosten: „Für eine kleine Stadt wie Winterberg rechnet sich der Betrieb einfach nicht, so einfach ist das. Wir achten auf die Kosten und sind dafür, im Oversum Geld in die Hand zu nehmen, um das Bad dort auch im Sommer attraktiver zu gestalten. Das Freibad hat immer weniger Umsatz gemacht und immer mehr gekostet“, so der CDU-Fraktionschef Joachim Reuter zur Entscheidung seiner Fraktion. Wirtschaftlicher Unsinn wäre zudem die doppelte Kostenstruktur beim Erhalt des Freibades, da das Oversum-Bad in der Freibad-Saison nicht geschlossen werden könne.

Rein finanziell sieht die SPD aber durchaus Spielraum. So seien für den Erwerb der Freibad-Fläche von der Knappschaft-Bahn-See insgesamt 22 633 Euro zu veranschlagen (1,00 Euro pro Quadratmeter Verkehrswert), sofern ein Wiederaufleben des Pachtverhältnisses Knappschaft-Stadt nicht möglich sei. In ihrer Kalkulation rechnen die Sozialdemokraten zudem Einnahmen von rund 190 000 Euro durch den Verkauf der Schulen in Niedersfeld und Züschen sowie die damit einhergehend wegfallenden Unterhaltskosten von mehr als 50 000 Euro gegen. Das Gelände sei auch ohne Freibad so attraktiv, dass sich ein Erwerb lohne. Die SPD kommt zu dem Schluss, dass selbst ein jährliches Freibad-Defizit von 60 000 bis 80 000 Euro durch die Stadt über Einnahmen u.a. aus Fremdenverkehrsbeiträgen oder Parkraumbewirtschaftung zu kompensieren sei.

Investitionen am Hillebachsee

Gänzlich anders rechnet die CDU. Der von der SPD veranschlagte eine Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche sei „Quatsch“, so Reuter. Seine Fraktion gehe von 50 bis 70 Euro aus. Auf jeden Fall, so Joachim Reuter, sei eine Wiedereröffnung des Freibades zu teuer. Zudem habe man unlängst Geld am Hillebachsee investiert und in Siedlinghausen gebe es bereits ein Freibad. Mit dem Freibad in Winterberg würde wieder eine neue Konkurrenz geschaffen.

Bürgermeister Werner Eickler betonte gestern, dass von der Knappschaft angedacht ist, aus dem Freibad-Gelände wohl Bauland machen. Ein diesbezügliches Exposé sehe Preise von 70 bis 80 Euro pro Quadratmeter vor. Zudem seien im Haushalt keine Finanzmittel für einen Freibad-Betrieb vorhanden. „Ich sehe zurzeit kein Finanzierungskonzept. Auch deshalb wurde der SPD-Antrag nicht weiterverfolgt“, so Eickler.