Spanier gehen in Willingen in die Lehre

Diese Gruppe junger Spanier absolvieren derzeit ein Praktikum in Willingen und wollen eine Lehre anfangen.
Diese Gruppe junger Spanier absolvieren derzeit ein Praktikum in Willingen und wollen eine Lehre anfangen.
Foto: WP

Willingen..  Die Nachbargemeinde Willingen begegnet dem Fachkräftemangel in der Hotellerie und Gastronomie mit einem innovativen Programm. Unter dem Motto „Job of my Life“ werden derzeit acht Willinger Hotels dabei unterstützt, junge Spanierinnen und Spanier als Auszubildende anzuwerben. Begleitet wird das Projekt u.a. von der Wirtschaftsförderung der Gemeinde Willingen. Wir sprachen mit Dieter Pollack.

„Job of my Life“ - was genau verbirgt sich hinter diesem Motto?

Dieter Pollack: „Job of my Life“ ist der Name des Förderprogramms, mit dem das Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanzielle Mittel für ausbildungswillige EU-Bürger für eine Ausbildung in Deutschland zur Verfügung stellt. „Job of my Life“ ist aber auch das Motto, das gut die Möglichkeit für von einer hohen Jugendarbeitslosigkeit betroffenen jungen Menschen z.B. in Südeuropa beschreibt, eine duale Berufsausbildung in Deutschland zu absolvieren und anschließend hier einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Vielen jungen Menschen wird somit vielleicht erstmals eine Perspektive für ein dauerhaftes Erwerbseinkommen geboten.

Wer hat die Kontakte zu den spanischen Bewerbern geknüpft?

Acht Willinger Hotels haben sich bereits Ende Februar um ausbildungswillige Jugendliche in Spanien bemüht. Die freien Ausbildungsplätze wurden dazu über die Agentur für Arbeit in Korbach an spanischen Arbeitsagenturen in ausgesuchten Regionen z.B. in der Region Madrid gemeldet. Die spanischen Agenturen haben dann vor Ort diese Stellen beworben und über das Verfahren, das Anfang Mai mit einem Deutschsprachkurs im Heimatland begann, informiert. Die Zentrale Ausland- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit war dann schließlich in Spanien, um direkt in den Sprachschulen für das Willinger Projekt zu werben. Parallel hat die Wirtschaftsförderung Willingen (Upland) zusammen mit der IHK eine Imageseite für Willingen auf spanisch auf die Homepage gestellt.

Wie viele junge Spanierinnen und Spanier nehmen derzeit an dem Praktikum in Willingen teil? Welche Betriebe machen mit?

Am Praktikum nehmen derzeit 21 junge Spanierinnen und Spanier teil. Folgende acht Ausbildungsbetriebe sind dabei: Hotel Upländer Hof Willingen-Schwalefeld, Posthotel Usseln Willingen-Usseln, Göbel’s Landhotel Willingen, Hotel Bürgerstuben Willingen. Hotel Hochsauerland 2010 Willingen, Romantik-Hotel Stryckhaus Willingen, Rüters Parkhotel Willingen und Sauerland-Stern-Hotel Willingen.

Wie schaut es mit den sprachlichen Kenntnissen der Praktikanten aus?

Die Spanierinnen und Spanier haben in Madrid zwei Monate lang eine Vollzeit-Sprachschule besucht. Während des 5-wöchigen Praktikums nehmen sie jetzt an zwei Tagen in der Woche an einem Deutschunterricht teil. Man kann also allein auf Grund der kurzen Vorlaufzeit keine Wunderdinge erwarten. Die Praktikanten sind unterschiedlich sprachbegabt und auch unterschiedlich emsig beim Erlernen der deutschen Sprache, wobei sie sich nach unserer Einschätzung schon alle Mühe geben. Mit den meisten kann man sich verständigen, wobei es derzeit hilfreich ist, auch einmal einen englischen Satz einfließen lassen zu können.Die Betriebe, die Berufsschule und natürlich auch wir hoffen, dass die Sprachbarriere nach und nach weiter abgebaut wird und in hoffentlich naher Zukunft eine wirklich gute Verständigung in Deutsch möglich sein wird.

Wie geht es nach dem Praktikum weiter? Werden alle Spanier einen Ausbildungsplatz bekommen?

Das Praktikum endet am 23. August; danach fliegen fast alle Praktikanten für einige Tage zurück in ihre spanische Heimat. Die Ausbildung beginnt dann am 1. September. Auf Grund der sehr freundlichen und zuvorkommenden Art sowie ihres großen Engagements können wir zuversichtlich sein, dass beinahe alle Praktikanten die Möglichkeit einer Ausbildung in Willingen erhalten. Ein junger Spanier möchte gerne zurück in die Heimat und wird Ende August nicht im Flieger zurück nach Willingen sitzen. Bei einem weiteren ist sich der Ausbildungsbetrieb noch nicht ganz sicher, ob seine Fähigkeiten einer angestrebten Ausbildung zum Koch genügen. Alle anderen werden nach jetzigem Wissensstand eine Lehre in Willingen beginnen; das sind dann 19 oder hoffentlich sogar 20 Spanierinnen und Spanier.

Wie bewältigen die Beruflichen Schulen diese Herausforderung?

Die Beruflichen Schulen sind von Anfang an in das Projekt eingebunden worden. Natürlich stellt die Aufgabe, künftig vielleicht 20 spanischen Auszubildenden das theoretische Rüstzeug für eine Berufsausbildung trotz noch geringer Deutschsprachkenntnisse mit auf den Weg geben zu müssen, auch die Berufsschule vor besondere Herausforderungen. Der zuständige Abteilungsleiter hat zusammen mit den Lehrkräften und der Schulleitung aber sehr intelligente Lösungsansätze gefunden, um sowohl bei der Stoffvermittlung als auch bei der Integration der Spanier erfolgreich wirken zu können. Es ist vorgesehen, in zwei der drei Berufsschulklassen jeweils 10 Spanier zu integrieren. Die an dem Projekt Beteiligten sind sich aber sicher, alle Schwierigkeiten lösen zu können, wenn wir wie bisher alle an einem Strang ziehen und die Möglichkeiten, die uns das Förderprogramm „Job of my Life“ bietet, für die Ausbildung unserer spanischen Jugendlichen in Anspruch nehmen. Ich denke, das war auch schon in den vergangenen Wochen und Monaten der Schlüssel dafür, dass „Job of my Life“ für die Willinger Hotelbetriebe zu einem im Vorfeld von keinem zu erwartendem Erfolg werden konnte.

 
 

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