„Skippy Zwo“ verschlägt es ins kalte Sauerland – Hintergrund

Thomas Winterberg
Das ist „Skippy Eins“ oder doch vielleicht „Skippy Zwo“? Wer weiß schon, ob das Tier, das im Sommer am Diemelsee eingefangen wurde, tatsächlich das ist, welches im Raum Olsberg unterwegs war. Foto: Wilhelm Figge
Das ist „Skippy Eins“ oder doch vielleicht „Skippy Zwo“? Wer weiß schon, ob das Tier, das im Sommer am Diemelsee eingefangen wurde, tatsächlich das ist, welches im Raum Olsberg unterwegs war. Foto: Wilhelm Figge
Foto: dpa
Das Sauerlandkänguru „Skippy Zwo“ ist erneut in Elpe gesichtet worden. Fachleute fordern inzwischen eine Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht für die Streuner, die z.B. in Mecklenburg-Vorpommern fast schon eingebürgert sind.

Olsberg. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Das gilt auch für Tiere, die originär zwischen Eichenlaub und Fichtengrün gar nicht heimisch sind, sich aber hier durchaus wohl fühlen. „Skippy“, das Sauerland-Känguru, ist so ein Fall. Sechs Wochen lang hoppelte das Bennett-Wallaby-Böckchen durch das Sauerland, bevor es eingefangen und zu einer Pflegefamilie nach Medebach gebracht wurde. Nun gibt es wieder ein Känguru im Land der tausend Berge.

Der frühere Landtagsabgeordnete Hubert Kleff hatte es zwischen Olsberg-Elpe und Brunskappel an einer Wildschweinsuhle entdeckt. Vergangene Woche gelang es dem Olsberger Stadtbrandmeister Helmut Kreutzmann und seinem Sohn, „Skippy Zwo“ in Elpe zu filmen.„Das Video ist leider nicht so gut, um die Art eindeutig bestimmen zu können. Allein die Größe des Tieres lässt aber vermuten, dass es sich wieder um ein Wallaby handelt. Manche männlichen Vertreter können bis zu 20 Kilo schwer werden“, sagt der Tierarzt des Zoologischen Gartens Berlin, Dr. André Schüle. Er stammt aus Brilon und ist sich sicher, dass der nachtaktive Gast aus Australien dem Sauerländer Winter gewachsen ist. „Der findet Unterschlupf in Scheunen, ernährt sich von Rinden, Wurzeln und Futterrüben.“

Keine Meldepflicht für Wallabys

Die Österreicherin Brigitte Piso teilt Schüles Ansicht. Sie selbst hat eine kleine Känguru-Herde und betreibt im Internet eine ausgesprochen informative Homepage mit viel Wissenswertem rund um Bennett-Wallabys und deren Haltung (www.roobiator.com). Während die Tiere in Österreich binnen zwei Wochen behördlich registriert werden müssen, gelten in Deutschland nur die sogenannten Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren. „Für geschützte Känguruarten besteht eine Meldepflicht“, erklärt Stephan Gabriel Haufe, Pressesprecher des Bundesumweltministeriums auf Anfrage. Wallabys gehören nicht dazu.

Bleibt die Frage, warum weder „Skippy“ noch „Skippy Zwo“ vermisst werden? Brigitte Piso hat da eine Theorie: „Das ist sicherlich eine Haftungsfrage. Viele Halter versuchen ihre Tiere zu versichern. Das ist aber nicht ganz einfach. Manche haben dann auch Erfolg und ein Versicherungsmakler meint, man könne zum Beispiel eine Pferdeversicherung auf die Kängurus anwenden. Letztlich gehe ich aber davon aus, dass es sich um einen rechtlichen Graubereich handelt.“

In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob eine Autoversicherung in Deutschland bei einer Kollision mit einem Känguru den Schaden übernehmen würde. „Ein klassischer Wildschaden wäre das nicht. Was Wild ist und was nicht, regelt das Bundesjagdgesetz. Und da kommt das Känguru nicht vor“, erklärt Katharina Fiegl, Sprecherin der LVM-Versicherung in Münster.

Über die Teilkasko sind Unfälle mit allen Tierarten versichert  

Über die Teilkasko seien aber Unfälle mit allen Tierarten versichert - auch mit Beuteltieren. Das müsse aber nicht für alle Versicherungen gelten. Hat ein Landwirt seine Nutztiere versichert, gilt diese auch für Kängurus. Andere Länder sind in der Registrierung von tierischen Einwanderern schon weiter. In Frankreich ist das Chippen Pflicht, so dass die Herkunft nachverfolgt werden kann.

Piso: „Wir haben drei von unseren fünf Wallabys freiwillig gechippt, jedoch können wir sie in der europäischen Datenbank nicht eintragen, da die Tierart nicht auszuwählen ist.“ Daher wünscht sich die Österreicherin auch für Deutschland, dass Känguru-Besitzer – wie in der Schweiz – vor dem Kauf eines Wallabys einen Sachkundenachweis erbringen müssen, damit sie sich mit Haltung und Zaunbeschaffenheit auskennen. „Zudem wäre es gut, wenn alle Tiere gechippt würden und es in punkto Versicherung eine einheitliche Lösung gäbe.“

Dann würde sich vielleicht auch das Känguru-Streunertum erledigen. In Mecklenburg-Vorpommern steht ein kleines Rudel nach zehn Jahren Freiheit kurz vor der offiziellen Einbürgerung in die heimische Tierwelt. Die erfolgt, wenn sich drei Generationen erfolgreich fortgepflanzt haben. Aber dafür gibt es im Sauerland erstmal noch keine Anzeichen. Obwohl „Skippy Zwo“ auf dem Video bei näherem Hinsehen durchaus recht rundlich und wohlgenährt aussieht...

Zwei verschiedene Kängurus?

Wer weiß, vielleicht ist das Känguru, das übrigens gestern Morgen um 6.30 Uhr erneut von Altenfeld kommend am Ortseingang von Elpe gesichtet wurde, aber auch das Känguru, das im Sommer im Raum Olsberg unterwegs war. Und „Skippy Eins“, das im August am Diemelsee eingefangen wurde, ist ein ganz anderes Tier. Wie sagte Polizeisprecher Ludger Rath: „Kängurus haben nun mal keine Seriennummer.“ Noch nicht!

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