Skilifte im Sauerland laufen an - dank reichlich Kunstschnee

Sie haben ihren Spaß: die Snowboarder  Daniel Hilbich, Robin Büscher und Matthias Schlüter (von links) bei der Wintersaison-Eröffnung in Winterberg.
Sie haben ihren Spaß: die Snowboarder Daniel Hilbich, Robin Büscher und Matthias Schlüter (von links) bei der Wintersaison-Eröffnung in Winterberg.
Foto: Jakob Studnar
Schnee bei 7 Grad plus am Skigebiet Ruhrquelle bei Winterberg. Hunderte Skifahrer vergnügen sich bereits im warmen November auf der Piste.

Winterberg.. Grautöne dominieren. Die Wiese grüngrau, die Fichten graugrün, der Himmel schiefergrau. 7 Grad. Mitten in der Landschaft liegt das weiße Band der Sympathie. 250 Meter lang, 25 Meter breit. Schnee im Sauerland. Im wärmsten November fast aller Zeiten. Egal.

Snowboarder, Rodler und Skifahrer haben Glanz in den Augen. Am Ruhrquellenlift gibt es das, was es derzeit nirgendwo in diesen Breiten unter freiem Himmel gibt. Weiße Flocken, die liegen bleiben. Angst vor Temperaturen über Null kennen sie nicht.

Flocken? Na ja, nicht direkt. Es sind Eisscherben, besser gesagt Eisblättchen, die die Beschneiungsanlage besonderer Art ausspuckt. Eine 500.000-Euro-Maschine, die so deutschlandweit nur in Winterberg steht. Mit minus 6 Grad rieselt das weiße Etwas auf den Boden. Einmal mit der Walze platt gemacht, gibt es eine perfekte Piste.

Snowboarder hoch zufrieden

Ist das so? „Auf jeden Fall“, sagt Patrick Logsch, der seinen Hausnamen so erklärt: „Wie logisch nur ohne I.“ Verstanden. Wer sich so beschreibt, denkt groß. Der 24-Jährige gehört zur Snowboard-Clique „Think big“. Etwa 20 Köpfe zählen sie, sind aus Winterberg und Umgebung. Sie haben den Fun Park auf der Strecke gebaut und toben sich mit ihrem Brett aus.

„Es ist einfach geil. Wir sind ja mit Schnee nicht verwöhnt. Und jetzt haben wir ihn im November“, sagt der Auszubildende. „ Die Piste ist schnell und nicht so slushy.“ Slushy? „Ja nicht zu sulzig, wie man es bei wenig Schnee und Wärme kennt. Hier können wir unsere Tricks prima probieren.“

Sagt es und reiht sich in die Schlange am Transportband ein. Lautlos trägt es die Gemeinde der Wintersportler durch die Landschaft. Wohin der Beobachter schaut, die Gesichter strahlen. Ein Hauch Winterwunderland. Die Glückshormone tanzen. „Es ist eine tolle Idee“, sagt Ad Everaars. Der 64-Jährige aus dem niederländischen Barneveld ist eine Stunde Ski gefahren. „Und glänzende Werbung für Winterberg.“

Mehr als 200 Besucher tummeln sich am späten Vormittag am Samstag auf dem Hang. „Die Bedingungen sind für Anfänger ideal“, sagt Raymond Braams von der Skischule Ruhrquelle. „Ab sofort lassen sich hier die Basics für alle die, die Skifahren lernen wollen, vermitteln. Besonders gut ist es für Familien geeignet, weil das Gefälle überschaubar ist.“ Das stört Jürgen Pieper nicht. Der 48-jährige Skilehrer aus Velmede ist mit der Piste zufrieden. „Zum Einstimmen auf die Saison ist es in Ordnung.“ Zweifelsfrei.

Ganz verrückt nach Schnee im Sauerland sind die Holländer

Die Gäste sind auf der Suche nach dem Gespür für Schnee. Schnee, der sich im vergangenen Jahr rar gemacht hat. Ganz verrückt sind die Niederländer. Bert und Marika Leffers aus Stadskanaal, 63 und 64 Jahre alt, fotografieren sich gegenseitig, tanken mit den Augen das Weiß. „Vielleicht ist das ja die Lösung für die Zukunft“, sagt der Rentner.

Pro Tag 230 Kubikmeter Kunstschnee

Rolf Hannappel zweifelt. Der 74-Jährige stammt aus Haan und hat eine Ferienwohnung in Olsberg. Er ist vom Fach, er hat Kältetechniker gelernt. „Wer weiß, wie viel Energie das kostet?“ Florian Leber weiß es genauer. Er ist der Betreiber der Anlage: „Eine Stunde kostet etwa 30 Euro. Pro Tag erzeugt die Maschine 230 Kubikmeter Schnee. In der Energiebilanz liegt sie deutlich unter einer Schneekanone.“

Ob im Sauerland damit die Antwort auf den Klimawandel gefunden worden ist? Der 34-Jährige antwortet eisig: „Welcher Klimawandel?“ Er will davon nichts wissen: „In der Arktis ist mehr Eis denn je.“ Dass die Eisplättchen, die mit minus 6 Grad ausgeblasen werden, den milden Temperaturen so tapfer trotzen, überrascht ihn. „Es schmilzt sehr wenig.“

Die Kältekammer des Sauerlands

Für Julian Pape ist das eine Bestätigung für den richtigen Standort. Die Schneefabrik im Container steht an der richtigen Stelle. „Wir sind hier in der Kältekammer des Sauerlands. In ganz Nordwestdeutschland gibt es keinen kälteren Ort“, sagt der Diplom-Geograf. Wahrscheinlich auch an diesem Tag. Wer sich auf oder an der Piste aufhält, bekommt eine leise Ahnung von kalten Tagen. An einer Stelle im Sauerland ist Winter. Hier. Künstlich. Ein heller Flecken im Allerweltsgrau drum herum.

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