Sitzungsunterlagen nicht zugestellt

Auch in Brilon haben Postangestellte ihre Arbeit niedergelegt.
Auch in Brilon haben Postangestellte ihre Arbeit niedergelegt.
Foto: dpa
Seit Freitag befinden sich auch die Zusteller der Post in Brilon im unbefristeten Streik.

Brilon..  Die Streiks bei der Deutschen Post AG weiten sich aus. In Nordrhein-Westfalen nehmen inzwischen über 5500 Brief- und Paketzusteller an der Arbeitsniederlegung teil. Seit Freitag befinden sich auch die Kollegen der Post in Brilon im unbefristeten Streik. „Dort sind im Zustelldienst 35 Mitarbeiter beschäftigt“, berichtet Christoph Stein, ver.di-Bezirksfachbereichsvorsitzender Hellweg-Hochsauerland. Etwa die Hälfte von ihnen ist im Angestelltenverhältnis und hat die Arbeit niedergelegt. Die Beamten, die bekanntlich nicht streiken dürfen, zeigen sich zumindest solidarisch.

Den Streik haben viele Briloner schon hautnah zu spüren bekommen. „In der Stadt sind alle Postfachkunden außen vor“, bestätigt Stein. Mehr läuft noch in den Ortschaften, weil hier vermehrt Beamte im Einsatz sind.

Im Hochsauerland sind übrigens derzeit nur Brilon und Sundern betroffen. Doch das kann sich täglich ändern. „Die Marschrichtung lautet, nach und nach weitere Standorte zu bestreiken“, betont der Bezirksfachbereichsvorsitzende. „Wir erfahren auch erst am Abend vorher von der Landesstreikleitung in Düsseldorf, um welche Städte es sich handelt.“ In einigen Zustellpunkten sieht es laut ver.di inzwischen „chaotisch“ aus, weil Sendungen nicht bearbeitet werden.

Bezahlung und Arbeitszeit

Hintergrund: In dem Tarifkonflikt, der am 8. Juni mit unbefristeten Streiks begonnen hatte, geht es um Bezahlung und Arbeitszeit für rund 140 000 Beschäftigte bundesweit. Hauptstreitpunkt ist der Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung, bei denen bislang rund 6000 Paketboten nicht nach dem Haustarif der Post, sondern nach oft niedrigeren, regionalen Tarifverträgen der Logistikbranche bezahlt werden.

Ver.di hatte der Post AG in der vergangenen Woche ein umfassendes Angebot vorgelegt, um den Konflikt zu bereinigen. „Dabei sind wir an die Schmerzgrenze gegangen“, so Christoph Stein. Das Angebot sah einen Verzicht auf lineare Lohnerhöhungen und eine Änderung der Entgelttabelle vor. Im Gegenzug sollten die 49 Regionalgesellschaften (DHL Delivery GmbHs) unter den Haustarifvertrag der Deutschen Post AG fallen und Schutzregelungen zu Kündigungen und Fremdvergabe weiter bestehen. Dies hatte der Vorstand der Deutschen Post AG abgelehnt.

Für Stein ist dies unverständlich. „Dem Unternehmen geht es doch besser denn je. Ein solches Geschäftsgebaren ist völlig unpassend.“ Laut ver.di wird das gute Image des milliardenschweren Unternehmens leichtfertig aufs Spiel gesetzt, um den Aktionären eine noch höhere Gewinnausschüttung zu verschaffen.

Die Post, die von zu hohen Gehältern im Vergleich zur Konkurrenz spricht und das Kostenniveau senken möchte, ließ jetzt ein letztes Ultimatum der Gewerkschaft verstreichen. Somit werden Millionen Briefe auch in den kommenden Tagen liegenbleiben.

Finanzamt schnell reagiert

Wie macht sich der Streik nun bei Bürgern, Firmen und Einrichtungen in Brilon bemerkbar? Bleiben wichtige Verträge und Dokumente, die zeitgebunden sind, womöglich auf der Strecke? „Bei uns haben sich Ratsmitglieder gemeldet, die ihre Sitzungsunterlagen nicht bekommen haben“, berichtet Wolfgang Pack, Hauptamtsleiter in der Briloner Verwaltung. „Ob sich wichtige Papiere unter den Postsendungen befinden, wird sich wohl erst nach und nach zeigen.“ Auch Briloner Firmen schließen nicht aus, dass es zu Verzögerungen im Geschäftsablauf kommen kann.

Das Finanzamt Brilon hat schnell reagiert und beantwortet im Netz (www.finanzamt-brilon.de) die wichtigsten Fragen, die Steuerzahler in Sachen Poststreik unter den Nägeln brennen.

EURE FAVORITEN