Schülervertreter aus NRW für Laptops und gegen Noten

Rita Maurer
Rund 120 Schülervertreter stimmen auf der Landesdelegiertenkonferenz in Neuastenberg über ihre Anträge an die Landesregierung ab.
Rund 120 Schülervertreter stimmen auf der Landesdelegiertenkonferenz in Neuastenberg über ihre Anträge an die Landesregierung ab.
Foto: Maurer
Themen wie Integration, Mediennutzung oder Selektion wurden auf der Delegiertenkonferenz von Schülervertretern aus NRW in Neuastenberg diskutiert.

Neuastenberg. Zu Beginn des Workshops über Selektion werden Text-Zettel an die 20 Schülerdelegierten verteilt. Doch nicht jeder bekommt einen ab - darunter z.B. ein 14-jähriges Mädchen oder ein 18-jähriger mit asiatischen Gesichtszügen. Die Zeit zum Durchlesen ist so kurz bemessen, dass einige Schüler noch gar nicht fertig sind. Auch beim anschließenden Kennenlern-Spiel „Wahrheit oder Lüge“ werden bewusst einige Teilnehmer übersprungen.

Was auf den ersten Blick wirkt wie ein etwas unkontrollierter Kindergeburtstag, soll die Selektion an Schulen versinnbildlichen, erklären die beiden Moderatoren Jurek Macher und Michel Spitz. Im heutigen Schulsystem würden immer noch zu viele Schüler aufgrund ihres Geschlechts, der sozialen Stellung der Eltern oder ihres Migrationshintergrundes benachteiligt. Deshalb haben die Workshop-Teilnehmer gemeinsam Forderungen formuliert, die weg vom dreigliedrigen Schulsystem und hin zur Inklusiven Ganztags-Gesamtschule gehen - ohne Frontal-Unterricht und Notenbewertung, sondern mit individueller Förderung für jeden einzelnen Schüler, um Chancengleichheit für alle zu geben.

Acht Workshops auf der 115. LDK

Insgesamt 120 Schülervertreter haben auf der 115. Landesdelegiertenkonferenz (LDK) von Freitag bis Sonntag in der Jugendherberge Neuastenberg getagt, um in acht verschiedenen Arbeitsgruppen über Themen zur Organisation einer Schülervertretung zu diskutieren, aber auch über Integration von Flüchtlingen und eben die Selektion:

Ein weiteres Thema, das zum ersten Mal auf der Tagesordnung einer Landesschülerkonferenz stand, war die Nutzung von modernen Medien im Unterricht. Hier debattierten 12 Schülervertreter darüber, inwiefern Smartphone-Apps für Stundenpläne und Vertretungsstunden eingeführt werden könnten und forderten die Beschränkung des an den meisten Schulen üblichen generellen Handy-Verbots auf den reinen Unterricht sowie eine Freigabe in den Pausen. Wegen Nichtbefolgung einkassierte Handys sollten direkt nach Schulschluss wieder ausgehändigt werden.

Breiten Raum nahmen die Überlegungen zur Einführung von „Tablet-Klassen“ ein, in denen der Schulstoff ab der Sekundarstufe II nicht mehr konventionell über Arbeitsblätter und Bücher vermittelt werden soll, sondern digital über Tablets und Laptops. Um eine Zweiklassen-Gesellschaft zu vermeiden, sollen die Tablets von Land und Bund finanziert werden, schlugen einige Schüler vor.

Unterricht an Medientechnik anpassen

Auch solle die Unterrichtsgestaltung, die in vielen Schulen noch über Tafeln und Overheadprojektoren erfolge, an die Möglichkeiten der vorhandenen Medientechnik angepasst werden, indem Klassenräume mit Whiteboards, Beamern und Dokumentenkameras - und das landesweit, um keine Schüler zu benachteiligen.

Die in den verschiedenen Workshops erarbeiteten Ideen und weitere Vorschläge, wie z.B. die Abschaffung der Bundesjugendspiele, wurden anschließend der gesamten Konferenz vorgestellt, die daraus Anträge formulierte. Diese Anträge gehen in das Grundsatzprogramm der LDK ein. Die am Sonntag verabschiedeten Anträge für das Grundsatzprogramm werden derzeit ausformuliert. Voraussichtlich gegen Ende der Woche sind sie unter lsvnrw.de einzusehen.

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