Schüler aus Texas drücken DFB-Elf die Daumen

Rita Maurer
22 Austauschschüler und drei Begleiterinnen der Boswell High School aus Texas sind zu Gast in Winterberg.
22 Austauschschüler und drei Begleiterinnen der Boswell High School aus Texas sind zu Gast in Winterberg.
Foto: Rita Maurer
22 Austauschschüler und drei Begleiterinnen der Boswell High School aus Texas sind derzeit zu Gast in Winterberg. Der zweiwöchige Besuch endet heute Abend mit dem gemeinsamen Public Viewing des WM-Spiels der USA gegen Deutschland.

Winterberg.  Im gut gefüllten Atrium des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Winterberg liegt gespannte Erwartung in der Luft, aus dem Musikraum ist eine Geige zu hören, die abwechselnd die amerikanische und die deutsche Nationalhymne intoniert – dann fährt endlich der ersehnte Bus mit den 22 Austauschschülern und drei Begleiterinnen der Boswell High School aus Texas vor.

Dieser Austausch findet seit über zehn Jahren unter Federführung von Lehrerin Barbara Ortwein im Rahmen des GAPP (German-American-PartnershipProgram) statt, dem bundesweit größten Partnerschaftsprogramm für deutsche und amerikanische Schulen. Die Winterberger Schüler waren bereits in den Osterferien 2013 in Texas. Der zweiwöchige Besuch in Winterberg endet heute Abend mit dem gemeinsamen Public Viewing des WM-Spiels der USA gegen Deutschland. Gleich 25 amerikanische Landsleute – das klingt nach einem starken Fanblock für die USA. Stattdessen werden jedoch im letzten und nach dem Unentschieden gegen Ghana unerwartet wichtig gewordenen Vorrundenspiel 50 Daumen mehr für das deutsche Team gedrückt!

Die Fußball-WM ist zwar auch Thema in Texas, berichtet Charlie, aber mehr bei den aus Mittel- und Südamerika stammenden Bewohnern.

Das, was in Deutschland als „Fußball“ beliebt ist, heißt in Nordamerika „Soccer“ und gehört zu den Randsportarten. Die Nordamerikaner interessieren sich eher für „American Football“, ein Ballsport, der vom Rugby abstammt und mit viel Körpereinsatz gespielt wird. Jürgen Klinsmann ist vom Namen her bekannt, außerdem David Beckham, aber richtige Lieblingsspieler haben die texanischen Schüler alle nicht.

So wenig sie die Fußball-WM zuhause interessiert, so gut gefällt ihnen dagegen das Fußballfieber der Deutschen. Deshalb haben sie sich beim Besuch des Kiliansmarktes in Korbach fleißig mit schwarzrotgoldenen Fan-Artikeln eingedeckt. Neben normalem Schulunterricht stehen auch Ausflüge nach Bad Berleburg und Marburg, zur Wetterstation am Kahlen Asten und zur Bobbahn in Winterberg auf dem Plan. Schützenfeste als typische Sauerländer Kultur finden die Amerikaner „a little bit crazy with so much alcohol“ (ein bisschen verrückt mit sehr viel Alkohol).

Herzliche Aufnahme

Am besten gefällt den Amerikanern die schöne grüne hügelige Landschaft um Winterberg, die im starken Kontrast zum sonnenverbrannten Texas steht, und die herzliche Aufnahme in ihren Gastfamilien. Und das klingt nicht nach auswendig gelernter Höflichkeit, sondern nach ehrlicher Überzeugung.

Alex Strittmatter hat nachgeforscht, woher sein Name stammt. In gutem Deutsch erzählt er, dass seine Urahnen 1844 aus dem Dorf Strittmatt im Schwarzwald nach Amerika ausgewandert sind und er jetzt zum ersten, aber hoffentlich nicht zum letzten Mal in Deutschland ist. Den Ausgang des Spiels heute Abend tippt er 2:1 für Deutschland.

„Hier ist alles schön grün“

Die 17-jährige Jessica lernt seit erst zwei Jahren Deutsch, wohnt momentan in Züschen und hat ihre Eindrücke extra für die WP aufgeschrieben:„Eines der ersten Dinge, die ich bemerkt hatte, als wir durch Deutschland fuhren, war, wie schön grün hier alles ist. Die Dörfer sind sehr prächtig und hinterlassen einen persönlichen Eindruck. Ich liebe hier die Geschäfte. Das Essen ist hier auf jeden Fall besser als in Amerika. Hier gibt es immer irgendetwas zu tun und die Deutschen wissen, wie man Spaß haben kann. Das Winterberger Schützenfest war einfach genial. Ich habe meinen Besuch voll und ganz genossen und ich kann es nicht erwarten, was die nächsten Tage noch bringen werden.“ Ihr Tipp lautet 3:1 für Deutschland. Kann man sich sympathischere Gegner wünschen?