Rüdiger Buschfort verlässt Klinik am Stein in Richtung Bad Oeynhausen

Thomas Winterberg
Dr. Rüdiger Buschfort verlässt die Klinik am Stein.
Dr. Rüdiger Buschfort verlässt die Klinik am Stein.
Foto: WP
Er selbst wird das nicht gerne hören. Dafür ist er zu ruhig und zu bescheiden. Aber wenn Doktor Rüdiger Buschfort am 29. Mai zum letzten Mal seine Bürotür in der Klinik am Stein abschließt, dann geht dort nicht nur die 14-jährige Ära eines Ärztlichen Leiters zu Ende. Dann verliert die Reha-Einrichtung, die sich bei der Behandlung von Patienten mit Schlaganfällen und Demenz einen Namen gemacht hat, auch ein Stück weit ihre Galionsfigur. Der 49-jährige Facharzt für Neurologie, Geriatrie und Rehabilitationswesen wird zum 1. Juli Ärztlicher Direktor der Maternus-Klinik in Bad Oeynhausen mit 600 Betten.

Olsberg. Noch stapeln sich Papiere und Akten auf seinem Schreibtisch. Und doch weht ein untrüglicher Hauch von Aufbruchstimmung durch das Büro. Das große Poster „Der Mensch als Industriepalast“ hat er schon mit nach Hause genommen. Es ist eine Schautafel, auf der der Mediziner Fritz Kahn 1926 den Menschen als komplizierte Maschine erklärte. Für Dr. Buschfort ist der Mensch alles andere als ein Gerät. Aber es ist ein anschauliches Bild, ein Bild mit Symbolkraft auch für den Olsberger Arzt. Denn der gebürtige Bocholter entwickelt immer wieder Ideen, die älteren Menschen das Leben erleichtern, ihnen den Weg zurück in den Alltag ermöglichen. Und dazu bedient er sich auch der Maschine. Doch dazu später.

Im Januar 1998 wird der Mediziner im Alter von nur 35 Jahren Ärztlicher Leiter in Olsberg. „Medizin oder Musik“ – diese beiden Steckenpferde stehen nach dem Abitur für den begeisterten Schlagzeuger und Motorradfahrer zur Wahl. Vielleicht gibt der Beruf des Vaters den Ausschlag? Der Feinmechaniker war lange Zeit SPD-Bundestagsabgeordneter, Staatssekretär und Bundesbeauftragter für die Belange von Behinderten. Es wird die Humanmedizin, die Rüdiger Buschfort in Bonn studiert. Als er später nach Olsberg kommt, hat die „Klinik am Stein“ 134 Betten, von denen 54 belegt sind. Die stationäre Kapazität ist heute nicht größer. Aber das Haus ist ausgelastet, ist mittlerweile akademisches Lehrkrankenhaus, kooperiert mit internationalen Instituten und Einrichtungen, hat einen Ruf - auch wenn die räumlichen Verhältnisse längst nicht mehr dem gängigen Standard entsprechen. Neubauten bzw. Erweiterungen am jetzigen Standort sind geplant.

In der Reha-Medizin hat die „Klinik am Stein“ mit Dr. Buschfort ein Stück Geschichte mitgeschrieben. Immer wieder rückte sie bei Aktionstagen die Themen Schlaganfall und Demenz ins öffentliche Bewusstsein. Während diese beiden Krankheitsbilder lange Zeit die Domäne von Internisten waren, setzt man in Olsberg immer mehr auf die Kombination von neurologischer und internistischer Therapie. „Wir waren die Ersten, die nach einem neuro-geriatrischen Konzept gearbeitet haben. Auf dem Sektor haben wir vieles mitentwickelt, angestoßen und bewegt“, sagt Dr. Buschfort nicht ohne Stolz.

Für Demenz, so der Fachmann, habe die Medizin viele Jahre nur eine Einbahnstraßenbehandlung parat gehabt. Sie habe therapiert, Betroffene und Angehörige aber mit ihren Ängsten allein gelassen. Dr. Buschfort: „Wir versuchen, vorhandene Ressourcen zu reaktivieren und Kompetenz zu schulen. Der Verbleib in der häuslichen Umgebung ist das Ziel. Gestützt wir der Patient dabei durch eine Vernetzung ambulanter Dienstleister. Dazu gehören Tageseinrichtungen, Selbsthilfegruppen, Pflegedienste und im Mittelpunkt der Hausarzt. Das hat Betroffenen und Angehörigen ganz neue Perspektiven für ein Zusammenleben eröffnet.“

Das von Dr. Buschfort entwickelte und in Wien mit dem Innovationspreis ausgezeichnete Armlabor ist ein Meilenstein in der Geschichte der Klinik. Buschfort erarbeitet ein apparativ gestütztes Therapieverfahren, mit dem Patienten effektiver und intensiver daran arbeiten, die Beweglichkeit ihrer Arme zum Beispiel nach einem Schlaganfall zurückzuerlangen. „Das macht den Ergotherapeuten nicht überflüssig. Aber das Gerät ist wirkungsvoller.“ Diese Behandlungsform wird vermutlich nicht die letzte maschinell unterstützte sein. Was für die Arme möglich ist, ist für die Beine denkbar. „Wir arbeiten hier an gesamtgesellschaftlichen Projekten, wir müssen Reha-Modelle der nächsten Jahre vordenken“, sagt Dr. Buschfort. Und meint damit zum Beispiel sogenannte Apps, die man sich aufs Smartphone laden kann, mit denen ein Patient zu Hause individuell für ihn geschriebene Trainingsprogramme absolvieren kann. „Noch mal, es geht nicht darum den Therapeuten zu ersetzen. Es ist eine parallele Geschichte. Die apparategesteuerte Therapie ist in anderen Ländern schon viel weiter. Das Arbeitsfeld des Therapeuten wird sich vielleicht etwas verändern, aber er wird dadurch nicht überflüssig werden. Dem Patienten wird auch ein Stück mehr Eigenverantwortung übergeben.“

Wenn Dr. Buschfort erzählt, spürt man, dass ihn die Suche und Weiterentwicklung neuer Behandlungsformen innerlich antreibt. Bei der Frage, warum er das nicht weiterhin in Olsberg tun möchte, hält er sich bedeckt: Dass die Verlagerung der Klinik in die Olsberger Stadtmitte nicht zum Tragen gekommen ist, bedauert er sehr. „Es gab fertige Pläne und Genehmigungen. Wir hätten dort auf einer großen Fläche viel umsetzen und bewegen können. Der jetzige Standortnachteil bleibt. Man kann nun mal die Berge hier oben nicht abtragen.“

Er verlasse ein ganz tolles Team, das stets die Qualität des Hauses ausgemacht habe und eine Einrichtung, die trotz nicht konkurrenzfähiger Räume einen hervorragenden Ruf, auch überregional, genieße. Aber er suche nach Möglichkeiten, seine Ideen fortzuentwickeln. „Ich möchte meine weiteren Überlegungen verwirklicht sehen. Dafür hat sich in einem anderen Umfeld die Möglichkeit ergeben.“ Viel Erfolg dabei!