„Rein oder nicht rein?“ – das war hier die Frage

Dirk Wiese am Wahlabend im Mescheder Kreishaus.
Dirk Wiese am Wahlabend im Mescheder Kreishaus.
Foto: WP

Altkreis..  „Sein oder Nichtsein“ lief am Sonntagabend in einer modernen Fassung im Briloner Besucherring. Nur einen Steinwurf entfernt im „Kump“ war es aber jemandem so gar nicht nach Komödie zu Mute. „Rein oder nicht rein“ lautete die bange Frage für den SPD-Bundestagskandidaten Dirk Wiese. Die erlösende Antwort kam dann erst gestern Morgen: Um 5.50 Uhr trudelte die erste Glückwunsch-SMS ein. Bis Listenplatz 29 rückten Kandidaten der SPD nach, Wiese stand auf Rang 25.

Und so war er nur wenige Stunden später bereits mit dem Zug unterwegs in Richtung Bundeshauptstadt, wo die ersten Sitzungstermine auf dem Programm standen. „Ich freue mich sehr auf die Woche. Es ist natürlich alles noch sehr neu und aufregend. Mir ist schon klar, dass ich mich als junger Kandidat erstmal hinten anstellen muss, aber ich hoffe, dass ich hier für das Sauerland etwas bewegen kann“, so der 30-jährige Briloner. Den Sitz im Rat der Stadt will Wiese „definitv“ behalten. Und auch zur Kommunalwahl 2014 will Wiese erneut in seiner Heimatstadt antreten.

29,8 Prozent der Wähler im HSK haben Dirk Wiese ihre Stimmen geben. Das sind 3,2 Prozent mehr als sein Vorgänger Karsten Rudolph vor vier Jahren erreicht hatte. Einen einzigen Stimmbezirk im gesamten Altkreis Brilon hat der 30-Jährige sogar direkt gewonnen, und zwar in Padberg. 143 Erststimmen für ihn, 117 für Sensburg. „Ein Ergebnis, das uns freut“, sagt Detlev Göbel, der dem Vier-Dörfer-Ortsverband Beringhausen, Bredelar, Padberg, Helminghausen mit 22 Mitgliedern vorsteht. „Die SPD ist hier traditionell sehr stark; das ist so gewachsen. Vielleicht hängt das auch noch mit der Bergbautradition zusammen. Wir versuchen auf jeden Fall, die Leute politisch mitzunehmen.“

Inhalte statt betteln

Die Frage „Rein oder nicht rein“ stellte sich für Patrick Sensburg erst gar nicht. Für ihn persönlich mag es eher spannend gewesen sein, ob er die 1995-er Messlatte von Friedrich Merz (57,7 Prozent) überspringen würde. Nicht ganz: Mit einem Zuwachs von 4,4 Prozent kam der Briloner jetzt auf stolze 56,1 Prozent. „Ein gutes Ergebnis, mit dem ich sehr zufrieden bin.“ Die FDP habe sich mit ihrer Zweitstimmen-Kampagne selbst runtergedrückt. Sie hätte auf Inhalte, statt aufs Betteln setzen sollen, so Sensburg. Bei den Koalitionsverhandlungen sollte sich die Union seiner Meinung nach nicht unter Druck setzen lassen. „Alle Beteiligten sind gut beraten, nicht nur auf Taktik, sondern auf gemeinsame Lösungen zu setzen. Wenn Rot oder Grün uns nur zappeln lassen wollen, werden wir uns nicht verbiegen. Das größte Problem bei den Grünen ist das Personal in vorderster Front. Uns fehlen letztlich nur drei Sitze zu einer absoluten Mehrheit. Zur Not müsse man auch über eine Minderheitsregierung nachdenken oder ausloten, ob nicht der eine oder andere Abgeordnete in der CDU eine neue Heimat finden könnte.

Selbst in der CDU-Hochburg Hallenberg (62,6 Prozent bei den Zweitstimmen) hat das deutliche Ergebnis der Union überrascht. „Dass es sogar fast noch eine absolute Mehrheit geworden wäre, hätte ich nicht geglaubt. Für die FDP hatte ich Verluste erwartet, sie aber noch im Bundestag gesehen. Vielleicht war es schwer sich als Juniorpartner zu profilieren, vielleicht lag es am nicht gerade vertrauensvoll wirkenden Spitzenkandidaten“, sagte Hallenbergs Bürgermeister Michael Kronauge. Dass mit Dirk Wiese und Patrick Sensburg künftig zwei Hochsauerländer im Bundestag sitzen, begrüßt Kronauge. „Ich habe heute beiden gratuliert; wir hatten auch damals mit Dagmar Schmidt eine gute Ansprechpartnerin und ich hoffe sehr, dass wir diese Zusammenarbeit fortsetzen können.“

Doppelten Grund zur Freude

Besonderen - weil doppelten - Grund zur Freude über die beiden HSK-Abgeordneten hat Brilons Bürgermeister Franz Schrewe. „Die SPD Brilon“, so Schrewe in seiner Eigenschaft als Genosse zur WP, „ist natürlich stolz, dass ihr Vorsitzender es geschafft hat.“ Und als erster Bürger der Stadt des Waldes hofft Schrewe, dass sich die beiden gemeinsam für das Sauerland - „Zum Beispiel bei den Verkehrsprojekten“ einsetzen.

In Winterberg konnte die SPD ihr Bundestagswahl-Ergebnis von 2009 um fünf Prozent steigern. SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Walter Schneider zeigte sich sowohl mit dem kreisweiten als auch mit dem Winterberger Ergebnis zufrieden. Er hoffe, dass es Schwung für die Kommunalwahl bringe. Das Bundesergebnis aber sei „eher enttäuschend“. Eine große Koalition wäre aus seiner Sicht für die wirtschaftiche Entwicklung und für Europa gut, aber ob sie auch für die SPD gut wäre, bezweifelte er.

Die FDP hatte noch am Samstag ein Flugzeug mit einem Werbebanner fliegen lassen. Es nutzte nichts. Hans-Werner Ehrenberg wird dem Bundestag nicht mehr angehören. Ehrenberg wurde von Linken, Grünen und Piraten überrundet, er landete mit 1,9 Prozent kurz vor der NPD-Kandidatin. Sein Kommentar: „In dieser Deutlichkeit habe ich das Ergebnis nicht erwartet.“

Herbe Verluste gab es für die Liberalen in Medebach: Mit einem Stimmenanteil von 4,82 Prozent lag das Ergebnis mehr als 14 Prozent unter dem der Bundestagswahl 2009. Der Medebacher FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Papenheim zeigte sich sehr enttäuscht über den Wahlausgang: „Das bundesweite, aber auch das Medebacher Ergebnis hat mich persönlich getroffen.“ Gründe dafür sieht er darin, dass „die FDP zu Beginn der letzten Legislatur-Periode „gravierende Fehler“ gemacht habe. „Die Bürger vergessen das nicht. Das weiß ich aus vielen persönlichen Gesprächen. Dennoch glaube ich, dass wir in Medebach für die Projekte und Ideen, die wir aktiv begleiten, gute Arbeit leisten und vor diesem Hintergrund bin ich optimistisch für die Kommunalwahl 2014. Auch wenn wir uns natürlich durch die Bundestagswahl mehr Rückenwind erhofft hatten.“

„Damit können wir nicht zufrieden sein“, meinte auch Antonius Becker über das schlechte Ergebnis der Grünen: Als Ursache sieht er die Steuerpläne der Grünen, „die nicht genug kommuniziert worden sind“, und wohl Wähler aus der Mitte verschreckt habe, außerdem die Pädophilie-Debatte kurz vor der Wahl.

 
 

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