Professioneller Gesangstrainer gibt Tipps

Markus Pol und Birgit Simmler
Markus Pol und Birgit Simmler
Foto: WP
Der österreichische Schauspieler, Sänger und Musicaldarsteller Markus Pol probt auf der Freilichtbühne Hallenberg mit den Darstellern für das Musical „Maria Magdalena“.

Hallenberg.  Stimme ist mehr als in Mund, Nase, Rachen und Brustkorb produzierter Schall. Stimme ist Seele und Seele ist Mensch. Viermal für jeweils eine Woche kommt der österreichische Schauspieler, Sänger und Musicaldarsteller Markus Pol zur Freilichtbühne nach Hallenberg. In sehr intensiven und effektiven Proben studiert er mit den Darstellern die Solo-Partien für das Musical „Maria Magdalena“ ein; am 12. Juni ist die Premiere. Was er dort genau macht? „Ich stelle die Maschinerie des Körpers, die die Töne produziert, richtig ein“, sagt er und schmunzelt dabei. Ein Schrauber an der Stimmritze? Markus Pol ist mehr...

Im Heimstudio der Bühne ist es muckelig warm, draußen schneit es. Manuela Winter und Stefan Pippel sind zur Probe gekommen und werden von einem „Na sowas?!“ empfangen. Markus Pol ruft ihnen die zwei Worte mit Erstaunen und Verwunderung zu. Dabei lässt er die Zunge zwischen Gaumen und Schneidezähnen schnalzen, als würde er einen mümmelnden Hasen nachahmen. Was tun die da? „Mach es doch selbst mal und sag mir, wo du etwas spürst!“ Der Reporter braucht zwei Anläufe um festzustellen, dass es im Mund kribbelt und dass sich die Bauchmuskulatur beim „Schnuckeln“ ganz leicht anspannt. Außerdem richten sich Kopf und Oberkörper beim „Na sowas?!“ merklich auf. „Siehst du. Beim Singen musst du den ganzen Körper mitnehmen. Nicht aus voller Brust, aber doch gezielt. Das ist ein ganzheitlicher Akt. Alles hängt irgendwie zusammen.“

Es geht ums sinnhafte Sprechen

Ein Musical singen – das hat nichts mit geknödelten Koloraturen, künstlich-verstelltem Ausdruck und halsbrecherischen Oktavsprüngen zu tun. „Es geht mir hier erstmal ums sinnhafte Sprechen. Zunächst muss der Schauspieler selber verstehen, was er sagt, welche Botschaft er rüberbringen will.“ Den richtigen Ton zu treffen, sei in der Anfangsphase nebensächlich. „Wenn du weißt, was du sagst, hast du auch Zugang zu allen Tönen. Ich muss die Stimme als Werkzeug erkennen, muss die Gewissheit haben, dass ich dieses Werkzeug bedienen kann“, verrät Pol und hat dafür einfache, aber sehr wirkungsvolle Tricks parat. Über das Sprechen komme man ganz automatisch zum Singen. „Hier in Hallenberg habe ich einige sehr schöne Naturstimmen. Und manchmal muss ich sie sogar dazu bringen, etwas weniger zu singen“.

Grundsatzarbeiten

Wie man eine Maschine nicht gleich von Null auf hundert hochfährt, werden auch die Stimmen erstmal angewärmt. Auf der Keyboardtastatur spielt Markus Pol kleine auf- und absteigende Tonintervalle an, die die beiden Akteure mit prustend-vibrierenden Lippen nachsingen. „Mach mal mit!“, animiert Pol den Reporter, der feststellen muss, dass das eigene Mundwerkzeug erstaunlich träge und schwergängig ist. Stefan Pippel und Manuela Winter machen das besser. Nach Lippen-Vibrato und „Na-sowas-Schnuckeln“ haben die beiden sehr schnell eine Haltung eingenommen, aus der sie gut gestützt singen und sprechen können. „Mir hilft das ungemein, es bringt viel und es macht auch noch Spaß“, sagt Stefan Pippel und setzt noch einmal neu zum Singen an. Zwar sitzt noch nicht jeder Ton astrein, aber die beiden wirken trotzdem schon sehr selbstbewusst und sicher.

„Ich mache hier Grundsatzarbeiten, für die man normalerweise einige Jahre braucht. Aber alle Spieler der Bühne bringen ungemein viel mit – vor allem viel Begeisterung. Das ist der Wahnsinn! Ich möchte ihnen in kurzer Zeit die Angst vorm Singen nehmen, ihnen Mut machen. Denn nur wer angstfrei und selbstsicher auf der Bühne steht, kann auch gestalterisch frei sein und kommt authentisch ‘rüber“, sagt der Fachmann.

Stichwort Sehnsucht

Mittlerweile ist die Probe nach außen verlegt worden. Es ist klirrend kalt. Nur vier Personen auf dem riesigen Areal. Es schneit gerade mal nicht und während aus einem Ghettoblaster das Musik-Playback läuft, nehmen Stefan und Manuela schon mal ihre Positionen auf dem großen Bühnenareal ein. „Du kommst von hier oben runter, bleibst dort stehen und berührst sie bei dem Stichwort Sehnsucht“, schlägt Regisseurin und Autorin Birgit Simmler vor. Sie hat Markus Pol in Wien kennengelernt und zuletzt in Biedenkopf bei den dortigen Festspielen mit ihm zusammengearbeitet. Solche Trainingseinheiten von außen geben dem Ensemble innen wichtige Impulse.

Noch einmal erklärt Markus Pol, worauf es ankommt, welche Worte besonders betont werden. Und von Mal zu Mal läuft die Maschinerie Stimme wie geschmiert. „Der Körper hat ein großartiges Gedächtnis. Die Spieler werden manchen Kniff während ihrer langen Saison abrufen. Sie werden nach und nach verstehen, begreifen und den Dreh dann raushaben. Dann sind sie frei und dann erschließt sich oft ein ganz neues Universum.“ Na sowas?!

 
 

EURE FAVORITEN