Private Nutzer stellen Internet zur Verfügung

Brilon..  Freifunk ist ein Projekt, das versucht, ein stadtweites Datennetz auf Basis von WLAN-Routern aufzubauen. Auch in Brilon gibt es eine solche Initiative. Florian Otto aus Brilon-Wald engagiert sich dort. Wir sprachen mit ihm darüber.

Frage: Was ist Freifunk und warum setzen Sie sich dafür ein?

Florian Otto: Freifunk ist die Möglichkeit, jedem Bürger, der sich in der Nähe eines Freifunk-WLAN-Netzwerks befindet, einen kostenfreien Zugang zum Netzwerk zu ermöglichen. Freifunk ist gemeinnützig und wird von ehrenamtlichen Helfern in Eigenregie aufgebaut und gewartet.

Ich setze mich persönlich dafür ein, weil ich auch Menschen, die sich keinen eigenen Internet-Anschluss leisten können, den Zugang zu Informationen bieten möchte. Kaum jemand nutzt seinen Internet-Anschluss wirklich komplett aus. Diese ungenutzte Bandbreite kann mit Freifunk auf sehr einfache Weise anderen zur Verfügung gestellt werden.

Bei einer Info-Veranstaltung in Brilon haben Sie das Konzept vorgestellt. Wie war die Resonanz?

Die Resonanz war sehr positiv. Nicht nur, dass einige Vertreter der Lokalpolitik anwesend waren; es sind auch Gäste aus Winterberg, Olsberg und sogar Meschede gekommen, um sich Freifunk erklären zu lassen. Der Router, den ich als Anschauungsobjekt genutzt hatte, wurde noch an dem gleichen Abend angeschlossen und bildet nun den ersten Freifunk-Knoten in Petersborn. Mit der Musikkneipe Lokomotive gibt es schon den ersten Interessenten aus der Gastronomie und auch andere Plätze wurden uns schon angeboten.

In Arnsberg gibt es eine Freifunk-Zone. Könnte das für Brilon ein Vorbild sein?

In Arnsberg konnten wir in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Verkehrsverein den Steinweg mit insgesamt 75 Routern bestücken. Die Stadt stellt einige Plätze zur Verfügung und speist wo möglich auch Internet ein, der Verkehrsverein hat die Router gestiftet und auch viele Geschäfte haben uns erlaubt, die Router bei ihnen aufzustellen. Auch in Brilon sehe ich diese Möglichkeit. Mit dem Marktplatz und der Fußgängerzone haben wir ein vergleichbares Gebiet und vor allem durch den touristischen Charakter dürfte es viele Menschen geben, die Interesse an einem möglichst leicht zugänglichen Internet haben. Zudem steigert sich die Lebensqualität für die Briloner selbst, da natürlich auch sie Freifunk nutzen können.

Das Freifunk-Prinzip setzt auf möglichst viele Teilnehmer, die ihren Internet-Anschluss zur Verfügung stellen. Wie sieht das rechtlich aus?

Da es in Deutschland leider die Störerhaftung gibt, mussten die Freifunker sich etwas einfallen lassen: Der Freifunk-Router verschlüsselt alle Daten, schickt diese an einen unserer Server in den Niederlanden und gibt sie erst da ans Internet weiter. Sollte jemand also einen Anschluss zurückverfolgen wollen, wird er nur die niederländische IP (Internet-Adresse) sehen und als „Nutzer“ den Freifunk Rheinland e.V. Zum einen gibt es in den Niederlanden keine Störerhaftung, zum anderen kann aber auch nur der Freifunk-Verein als Nutzer ausfindig gemacht werden. Wer sein Internet spendet, braucht als rein gar nichts zu befürchten.

Wie kann ich als Privatperson oder Gastronomiebetrieb beim Freifunk mitmachen?

Ganz einfach: Auf freifunk-brilon.net haben wir eine Anleitung gestellt, wie man aus einem handelsüblichen Router, der gerade mal 15 bis 20 Euro kostet, einen Freifunk-Router machen kann. Wer sich das nicht selber zutraut, kann sich jederzeit bei uns melden. Ganz besonders würden wir uns über Spenden freuen, damit wir möglichst viele Router anschaffen und verteilen können.

Freifunk ist übrigens nicht nur allein für die Internet-Nutzung interessant ist. So können innerhalb des Freifunk-Netzes auch eigene Dienste, wie zum Beispiel ein Bürgerradio, Spiele oder auch Live-Streams in Altenheime angeboten werden. Hier werden immer neue Dienste und Möglichkeiten entwickelt.

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