Pöhler, Pils und Fußballkrieg

Medebach.  Die Warteliste für die Lesung von Newcomer-Autor Ulrich Drilling war lang und diejenigen, die zu den 100 Gästen zählten, erlebten einen unvergesslichen Abend.

Sich im Vorfeld der Fußball-WM schon auf die schönste Nebensache der Welt einzulassen und in die Fußballwelt des Sauerlandes einzutauchen, das gelang der Hörerschaft leicht, denn Uli Drilling schaffte es ganz schnell, dass sein Publikum in die Welt seines Romans eintauchen und mitfiebern konnte.

Stimmen imitiert

Nur, wer genau hinsah, konnte ein leichtes Zittern und die Schweißtropfen auf der Stirn des Autors, Zeichen seiner geschickt überspielten Nervosität, erkennen. Schon beim Lesen des Prologs war davon jedoch nichts mehr zu merken, denn Ulrich Drilling las routiniert die drei markierten Abschnitte aus seinem Roman, imitierte die verschiedenen Stimmen und die Dynamik seiner dialogreichen Passagen und erklärte seinem gespannt lauschendem Publikum die Zusammenhänge.

Die Sparkasse Medebach hatte mit Getränken, Essen und guter Beleuchtung dafür gesorgt, dass das Ambiente stimmte und Filialleiter Stephan Gerbracht mit seiner Ansprache den stimmungsvollen Abend geschickt einleitete. Mit dem Zitat von Uli Drilling, „Ab und zu muss man die gewohnten Wege verlassen, um eine Spur zu hinterlassen“, weckte der Sparkassenchef bei der Zuhörerschaft die Spannung darauf, diese Spuren gemeinsam zu entdecken. Und das passierte tatsächlich, denn der Autor gab auch zwischen den Lesungen sehr viel von sich preis und zog alle Anwesenden in seinen Bann. Hierbei kam klar zum Ausdruck, welch hohen Stellenwert für Uli Drilling die Freundschaft hat und wie wichtig ihm seine Heimat ist. Auch von der Entstehungsgeschichte seines Debütromans, der eigentlich ein Weihnachtsgeschenk für seine Ehefrau Alexandra war, und der lange Weg bis zur Veröffentlichung beim Woll-Verlag, dessen Verleger Hermann Hoffe auch gespannt der Lesung folgte, erzählte er. Bei Drillings Appell, sich Erinnerungen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass man in zehn Jahren nicht immer noch dieselben alten Geschichten erzählen muss, nickten zahlreiche Anwesende zustimmend. Auch während der geschickt ausgesuchten Lesepassagen hätte man eine Stecknadel fallen hören können, weil alle Gäste mehr über die Protagonisten erfahren wollten.

Signierstunde

Nebenbei erklärte das Buch NachspielZEIT, wie man gute Feten feiert, was die vier Musikphasen eines Partyabends sind, wie der abenteuerliche Protestmarsch der Freunde verläuft und wie wichtig es im Leben ist, nicht aufzugeben und dass man, wenn man es wirklich will, alles erreichen kann.

Ganz sicher hat Ulrich Drilling es auch geschafft, nicht so lesefreudige Zuhörer zum Lesen zu verführen, denn der Büchertisch war im Anschluss an die Lesungen umringt und der Andrang für das Signieren der Bücher groß.

Ein weiteres Highlight der überaus gelungenen Veranstaltung waren die Musiker Paddy Schmidt und Uhu Bender von der Gruppe „Paddy goes to Holyhead“. Sie umrahmten mit ihren gekonnt präsentierten Folkrock- Songs die Vorträge und erfüllten auch spontane Musikwünsche.

So kam beim gesamten Publikum eine großartige Stimmung auf und die dreistündige Lesung verging wie im Flug.

 
 

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