Paradiesvogel, Stimmwunder und Träumer

Dirk Bergmann aus Siedlinghausen mit Gabriela Markwald.
Dirk Bergmann aus Siedlinghausen mit Gabriela Markwald.
Foto: WP

Siedlinghausen..  5000 E-Mails in vier Tagen. 5000 Menschen, die Dirk Bergmann sagen wollten, dass er ein faszinierender Typ ist. Ihm, der so ganz anders ist als die meisten seiner Zunft.

Dem schwulen Bordellbesitzer aus Siedlinghausen, der nie im Stimmbruch war und dessen Stern in der RTL-Show „Das Supertalent“ vor einer Woche aufgegangen ist.

Keine Corvette. Keine Goldkettchen. Kein Pelzmantel. Dirk Bergmann bricht mit allen Klischees eines Bordellbetreibers. Die Damen in seinem Etablissement in Siedlinghausen behandelt er mit Respekt. Nicht tuntig, aber so wie er auch behandelt werden möchte.

Bergmann kommt nicht aus dem Hochsauerland, sondern aus der Ruhrpottmetropole Essen. Nach der Hauptschule ließ er sich zum Tontechniker bei Radio Essen ausbilden. Doch Umwälzungen in der Medienbranche machten eine Übernahme damals unmöglich.

„Und dann kam dieser Flug“, erinnert sich der 33-Jährige. Er verreiste mit einem Freund. An Bord eines Flugzeuges lernten die beiden zwei Prostituierte kennen, die unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation waren. „Da habe ich mir gedacht: Versuch es doch auch mal in der Erotikbranche“, sagt Bergmann. Er betrieb viele Privatclubs, aber die Konkurrenz im Ruhrgebiet war groß. Also wagte er den Schritt ins Sauerland, wo er nach einigen Startschwierigkeen in seinem Wohn- und Arbeitsumfeld mit den Dorfbewohnern warm geworden ist.

„Musik war auch schon immer mein Ding“, sagt Bergmann. Seit er sechs Jahre alt war, lernte er Gesang. Weil er nie in den Stimmbruch kam, ist er heute fähig, in den Tonlagen Alt und Sopran zu singen. So hoch wie eine Frau.

„Das hat mir beim Supertalent geholfen“, erzählt der Bordellbetreiber. In Wiesbaden stellte er sich nach zwei Vorcastings vor Dieter Bohlen, Bruce Darnell und Sylvie van der Vaart und trällerte Michael Wendlers „Sie liebt den DJ“. Ganz in Ordnung. Aber nicht Supertalent verdächtig. Doch an Ort und Stelle legte er nach und sang das „Ave Maria“ so hoch wie eine Sopranistin. „Drei mal ja“, rief Dieter Bohlen ihm zu. Die Fahrkarte ins Halbfinale.

Doch trotz seiner Geschichte, die für die Medien ein gefundenes Fressen ist und die auch RTL in sämtlichen Ableger-Formaten wie „Exclusiv“ und „Backstage“ rauf und runter spielte, wird Bergmann dort nicht wieder zu sehen sein. „In einem Zwischencasting in Berlin haben sie mich aussortiert“, sagt er. So läuft das beim Supertalent.

Doch der Abschied aus der Show könnte der Anfang einer großen Karriere sein. Eine Kölner Event-Agentur vermarktet Bergmann mittlerweile. Am 8. Dezember tritt er in der ZDF-Show „Markus Lanz“ auf und seine erste Single „Himbeereis zum Frühstück“ ist auch schon downloadbar. „Jetzt kommt noch ein Weihnachtsalbum mit klassischen Songs“, sagt Bergmann. Seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Seine Angestellten sind ganz stolz auf ihren Chef. „Er ist ein guter Mensch, wir kennen uns seit zehn Jahren“, sagt Gabriele Markwald.

 
 

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