Oversum-Badgesellschaft droht Insolvenz

Das Oversum Vital Resort in Winterberg.
Das Oversum Vital Resort in Winterberg.
Foto: www.blossey.eu
Eine wichtige Säule des Oversum Vital Resort Winterberg wackelt bedrohlich: Der Rat Winterberg hat am Donnerstagabend in nichtöffentlicher Sitzung die Situation des Bäderbereichs (wir berichteten) unter dem Dach der Vital Resort Winterberg GmbH unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Stadt wird derzeit kein zusätzliches Geld in das Bad stecken. Vielmehr werde die Vital Resort Winterberg GmbH ein Insolvenzverfahren durchlaufen müssen, heißt es in einer Presse-Info von Rat und Stadt. Auch eine vorübergehende Schließung des Bades sei möglich.

Winterberg..  Eine wichtige Säule des Oversum Vital Resort Winterberg wackelt bedrohlich: Der Rat Winterberg hat am Donnerstagabend in nichtöffentlicher Sitzung die Situation des Bäderbereichs (wir berichteten) unter dem Dach der Vital Resort Winterberg GmbH unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Stadt wird derzeit kein zusätzliches Geld in das Bad stecken. Vielmehr werde die Vital Resort Winterberg GmbH ein Insolvenzverfahren durchlaufen müssen, heißt es in einer Presse-Info von Rat und Stadt. Auch eine vorübergehende Schließung des Bades sei möglich.

Sowohl Bürgermeister Werner Eickler als auch die Fraktionsvorsitzenden der drei Parteien im Stadtrat hielten sich gestern auf Anfrage unserer Zeitung sehr bedeckt mit Informationen über die Presseerklärung hinaus bzw. sagten überhaupt nichts. Aus dem Rathaus war es die Koordinatorin für Presse und Projekte, Gerda Schütte, die auf WP-Nachfrage mitteilte, dass „die Verwaltung die Presseerklärung des Rates heute nicht weiter ergänzen könne und werde“. Auch Winterbergs Tourismus-Direktor Michael Beckmann, der zurzeit im Urlaub weilt, wollte sich gestern nicht über die Presseinfo hinaus äußern.

Keine Überraschung

FDP-Fraktionschef Bernd Kräling betonte lediglich, dass er und seine Fraktion „voll hinter der Entscheidung des Rates und der Pressemitteilung stehen“.

„Angesichts der Entwicklung in den letzten Wochen war dies keine Überraschung für uns“, so Kräling. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Fritz Kelm, verwies auf Anfrage an die Stadt: „Wir dürfen nichts sagen.“

Etwas weiter holte da schon CDU-Fraktionschef Andreas Pieper aus. Er kritisierte das Management im Badbereich. Businessplan und Konzepte hätten nicht gepasst. „Ich habe schon kurz vor Abschluss der Projektierungsphase gesagt, dass es finanziell eng ist und alles passen muss. Wenn etwas schief geht, ist es aber kein Problem wegen der vereinbarten Sicherungsinstrumente.“ Die Stadt habe bisher keinen Cent mehr als vereinbart gezahlt. „Es steht ein sehr gutes Projekt da. Jetzt muss sich das Management ändern, damit wir den Laden ans Laufen kriegen. Wenn das gute Konzept wirklich gelebt wird, bin ich der Meinung, dass das auch finanziell unter den vereinbarten Bedingungen funktionieren kann“, so Andreas Pieper weiter. In der CDU-Fraktion habe es kein großes Entsetzen gegeben, da seit Oktober klar gewesen sei, dass bestimmte Dinge nicht funktionieren.

Umstrukturierungen angekündigt

Schon vor einigen Wochen hatten Tourismus-Direktor Michael Beckmann und Gerhard Huber als Gesellschafter der Vital Resort Winterberg GmbH gegenüber unserer Zeitung die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der GmbH, die neben dem Sportbad unter anderem auch den Fitness- und Wellnessbereich verantwortet, eingeräumt und Umstrukturierungen angekündigt. Im Gespräch mit unserer Zeitung wiesen Beckmann und Huber vor einigen Wochen bereits auf mögliche Sicherungsinstrumente hin, um den Badbetrieb im Oversum zu gewährleisten. Eine dieser Optionen sei eine Finanzspritze des Eigentümers des Oversum, der aquasphere Winterberg GmbH, so Beckmann und Huber damals. Diese Option scheint nicht gegriffen zu haben.

In der Presseerklärung jedenfalls heißt es, dass die intensiven Gespräche zwischen Stadt, Betreibergesellschaften und der aquasphere Winterberg GmbH in den letzten Wochen wenig überzeugend gewesen seien. Als Folge dieser Bewertung ging dann auch Option Nummer zwei baden: Eine höhere finanzielle Beteiligung seitens der Stadt. Der Rat hat Donnerstag einstimmig entschieden, das Bad „nicht mit der Übernahme zusätzlicher weitreichender Verpflichtungen zu unterstützen, da diese für die Stadt zu nicht abschätzbaren Risiken geführt hätten“. Wolfram Wäscher, Chef der sab-Gruppe, die das 35-Millionen-Projekt Oversum gemeinsam mit der Stadt gestemmt hat, war gestern bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Sein Sekretariat ließ auf Anfrage dieser Zeitung ausrichten, dass Wäscher geschäftlich unterwegs sei und es nicht sicher sei, dass die von dieser Zeitung per Mail übermittelten Fragen noch im Verlauf des gestrigen Tages beantwortet werden können.

Hart kritisiert wird in der Presse-Information von Stadt und Rat das mangelhafte Management seit Eröffnung des Oversum. Von Schwächen im operativen Alltagsgeschäft der beiden Betreibergesellschaften Vital Resort Winterberg GmbH und Oversum Hotel GmbH (Betreiber Hotel, Stadthalle und Gastronomie) ist die Rede. Zudem habe es an einem guten, offensiven und wahrnehmbaren Marketing gefehlt, Synergie-Potenzial im gesamten Oversum-Objekt sei nicht genutzt worden. Ein anspruchsvolles Projekt wie das Oversum bedürfe einer einheitlichen professionellen Führung, um z. B. die Kostenverläufe und die Erlössituation zu verbessern.

Zur Erinnerung: Bis Anfang des Jahres lag die Geschäftsführung beider Betreibergesellschaften in einer Hand, bei Bernd Rüdiger, mittlerweile nicht mehr im Oversum tätig. Huber und Beckmann äußerten bereits damals im Gespräch mit unserer Zeitung die jetzt wiederholte Kritik am Management zumindest indirekt, in dem sie zugaben, dass der Fokus der Geschäftsführung nach der Eröffnung beim Hotelbetrieb lag und zu wenig beim Bad.

Unzureichende Defizit-Aufarbeitung

Unter dem Strich sind Stadt und Rat nicht zu der Überzeugung gelangt, dass die Defizite im Bereich der Vital Resort Winterberg GmbH genügend aufgearbeitet worden seien und konzeptionell perspektivische Änderungen erarbeitet wurden. Deshalb habe die Stadt abgelehnt, sich in die Pflicht nehmen zu lassen. Vielmehr habe sie entschieden, sich erst dann wesentlich mehr zu engagieren, „wenn die mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Gesellschaften verbundenen Risiken beseitigt sind“. Zudem müsse die Stadt Winterberg Einfluss auf die künftige Konzeption haben.

Diese beiden Voraussetzungen würden mit dem angekündigten Insolvenzverfahren wohl erfüllt werden. Denn denn könnte eine vertraglich fixierte Sicherungsoption Nummer 3 greifen: der so genannte Heimfall des Erbbaurechts. Heißt, die Stadt hätte in diesem Fall das Heft des Handelns bei Bad, Wellness, Fitness und Sauna wieder in der eigenen Hand. Allerdings mit allen Rechten und Verpflichtungen. Dies könnte für die Zukunft bedeuten, dass im Fall der Fälle die Stadt das Bad wieder selbst betreiben oder aber einen neuen Betreiber finden muss.

Bad wichtig für das Hotel

Diese Entwicklung ist auch für die zweite wichtige Säule des Oversum-Gesamtprojekts, die Hotel GmbH, von großer Bedeutung. Schließlich wäre eine vorübergehende Schließung des Bades keine große Hilfe bei der Akquise neuer Hotel-Gäste und keine gute Visitenkarte.

 
 

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