Olsberger Jan Krüger erhält Grimmepreis

The Green Wave hat einen Grimme-Preis gewonnen.
The Green Wave hat einen Grimme-Preis gewonnen.
Foto: WP
Wenn am 1. April im Theater der Stadt Marl zum 47. Mal der Grimmepreis für ervorragende Film- und Fernsehproduktionen verliehen wird, dann ist ein Olsberger dabei.

Olsberg/Marl.. In der Kategorie „Information und Kultur“ wird der Dokumentarfilm „The Green Wave“ ausgezeichnet. Produzent ist Jan Krüger, 1981 in Oldenburg geboren und in Olsberg aufgewachsen. Mittwochmorgen wurden die Grimme-Preisträger offiziell bekannt gegeben. Aus 599 Vorschlägen kamen 61 in die finale Preisermittlung. Die WAZ-Mediengruppe erreichte Jan Krüger am Nachmittag in Berlin - mitten bei der Arbeit und kurz vorm Kofferpacken: „Wir waren nach Marl eingeladen und wussten im Vorfeld, dass wir unter den Preisträgern sein würden. Daher haben wir auch schon seit drei Wochen ein Dauergrinsen im Gesicht.“

„Mit vier Jahren ins Sauerland verschleppt“

Als Knirps ist der heute 29-Jährige mit seinen Eltern nach Olsberg gekommen. „Ich sage immer spaßeshalber: Mit vier Jahren ins Sauerland ,verschleppt’. Ich bin in Bigge, Meschede und Brilon zur Schule gegangen. Heute liebe ich die Gegend, habe meine Freunde dort. Ich musste aber auch immer wieder mal Stadtluft haben.“

USA-Aufenthalt, Spanisch gelernt in Guatemala und Honduras, knapp zwei Jahre Studium der Volkswirtschaftslehre in Hamburg, dann Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam – so lässt sich der berufliche Werdegang des erfolgreichen Filmemachers skizzieren. Parallel zum Studium hat Jan Krüger seit 2003 als freier Producer gearbeitet und mit seiner Firma „K’Summer prod.“ diverse Musik- und Kurzfilme gemacht. Sein Abschlussfilm „Leroy“, für den er 2007 als sogenannter Associate Producer tätig war, gewann 2008 u. a. den Deutschen Filmpreis als bester Kinder- und Jugendfilm. Heute hat er mit drei Partnern die Film- und Kultur Produktions GmbH „Port-au-Prince“.

„Die grüne Welle“

Die Produktion „Salami Aleikum“ u.a. mit dem Schauspieler Wolfgang Stumph war einer der Überraschungserfolge im Kino 2009. „Nie war der Zusammenprall der Kulturen komischer“, schrieb die Zeitschrift „Cinema“ über diese Geschichte eines Deutsch-Iraners, der kein Blut sehen kann, in einer Kölner Metzgerfamilie arbeitet und in der tiefsten ostdeutschen Provinz versucht, den elterlichen Betrieb zu retten. Hier war Jan Krüger Producer. „Man muss unterscheiden zwischen einem Producer, der in der Regel für eine andere Firma oder einen Produzenten einen Film produziert. Und einem Produzenten, der einen Film eigenständig auf die Beine stellt und neben vielen anderen Tätigkeiten auch mit Hilfe von Fördermittel und TV-Sendern die Finanzierung eines Projektes sichert. Ich bin ein Teamplayer und mag es, mit vielen Leuten zusammenzuarbeiten.“

Verantwortlich für Regie und Drehbuch bei „Salami Aleikum“ war Ali Samadi Ahadi. Mit ihm hat Jan Krüger nun auch den Dokumentarfilm „The Green Wave“ – „Die grüne Welle“ gemacht. Grün ist Hoffnung. Grün war auch das Erkennungszeichen der Anhänger von Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mussawi, der zur Symbolfigur der „grünen Revolution“ im Iran aufstieg. Die Wahl sollte einen politischen Wechsel bringen, aber entgegen aller Erwartungen wurde Mahmud Ahmadineschad im Amt bestätigt. Das Volk fühlte sich betrogen. Anhaltende „Wo ist meine Stimme?“-Proteste lösten staatliche Milizen mit brutalen Übergriffen auf.

„Ein sehr spannendes Projekt“

Der Film ist eine ungewöhnliche Collage aus realen Bildern, Interviews und Spielszenen, die als bewegte Comics animiert wurden. „Wir haben tausend Blog-Einträge im Internet gesammelt und 15 davon auf zwei fiktive Charaktere übertragen. Ein sehr spannendes Projekt.“ Die gekürzte Version war bereits unter dem Titel „Iran Elections 2009“ auf „arte“ zu sehen, die 82-minütige Kinofassung läuft seit 22. Februar in den Filmtheatern.

Heute (Donnerstag) schon geht es für Jan Krüger nach Prag. Dort wird „The Green Wave“ beim One-World-Festival gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet, bevor er und Regisseur Ahadi in Marl jeweils einen Grimme-Preis entgegennehmen. Für den gibt’s zwar kein Geld, aber jede Menge Ruhm.

 
 

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