Neue Verkehrsangebote in Gefahr

Tunnel-Sanierung..  Mit dem Erhalt der Zweigleisigkeit in den Freienohler Tunneln stellt der Präsident der IHK, Ralf Kersting aus Olsberg, vorausschauend fest, dass „Neue Zwangspunkte für den Begegnungsverkehr nicht zementiert [...]“ werden. „Bis in das nächste Jahrhundert hinein [...]“ werden hier die Weichen in die richtige Richtung gestellt. Andernorts, allerdings auf gleicher Bahnstrecke, dominiert der Tunnelblick. Denn wann ist endlich für die Elleringhauser Röhre(n) sprichwörtlich „ein Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen? (...)

An der EU-Vorschrift, zweigleisige Tunnel über 1000 m Länge durch zwei separate Röhren zu führen, führt kein Weg vorbei. Werden die Signale für diese zweifelsohne denkwürdige Mehr-Investition auf „Halt!“ gestellt, droht neuen, attraktiven Verkehrsangeboten auf der Oberen Ruhrtalbahn „bis in das nächste Jahrhundert hinein“ das Abstellgleis. (...) Kann es denn sein, dass von 1,4 km Tunnellänge die Attraktivität einer 140 km langen Bahnstrecke abhängig gemacht wird? (...) Auch der Verkehrsverband Westfalen e. V. hat sich zu diesen Überlegungen mit dem Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) Gedanken gemacht und eine Handreichung entwickelt: „Perspektiven der Oberen Ruhrtalbahn. Anforderungen an die Entwicklung der Infrastruktur vor dem Hintergrund der anstehenden Tunnelsanierungen“ (www.zrl.de/aktuelles/downloads/flyer.pdf.). Dort wird zwar „kurzfristig“ auf eine zweigleisige Sanierung (Bau einer zweiten Röhre) des Elleringhauser Tunnels verzichtet, „langfristig“ fordern aber die Verbände eine zweite Tunnelröhre. Sie ist Ausgangspunkt für die auf Dauer beabsichtigte Wiederherstellung der Zweigleisigkeit zwischen Brilon Wald und Warburg und bildet die Voraussetzung für die Elektrifizierung der Oberen Ruhrtalbahn. (...)

Als Teilstück stellt die Obere Ruhrtalbahn zwischen dem Rheinland und dem mitteldeutschen Wirtschaftsraum (Kassel, Erfurt, Leipzig) die kürzeste Verbindung her. (...) Darauf verwies bereits 1967 die Denkschrift „Die Obere Ruhrtalbahn. Rationalisierung gefährdet Strukturverbesserung“: „Die Obere Ruhrtalbahn – vor der Spaltung Deutschlands Ost-West-Verbindung Berlin/Leipzig – Köln – ist das Rückgrat des Schienenverkehrssystems Südostwestfalens. Sie kann keinesfalls nur aus Rentabilitätsüberlegungen [...] beurteilt werden. Vielmehr muss sie in engem Zusammenhang mit zwei vordringlichen Aufgaben gesehen werden [...], nämlich der Wiedervereinigung des gesamten Deutschlands und der europäischen Integration.“ (S. 16)


Die Wiedervereinigung ist mittlerweile Geschichte; das Zusammenwachsen Europas stellt gegenwärtig auch das System Schiene vor Herausforderungen. (...)
Benedikt Klaucke,
Bredelar

EURE FAVORITEN