Nach 23 Jahren ist der Radweg bald lückenlos

Über zwei Jahrzehnte war Richard Gamm einer der Motoren für den Radweg Hallenberg - Winterberg.
Über zwei Jahrzehnte war Richard Gamm einer der Motoren für den Radweg Hallenberg - Winterberg.
Foto: Ralf Hermann
Es ist fast schon ein historisches Ereignis, diese relativ kurze Radtour vom Winterberger Ortsteil Züschen hinauf nach Winterberg, um eine Verschnaufpause später wieder sanft bergab zum Startpunkt zu rollen. 6,7 Kilometer lang ist eine Wegstrecke, die fast vollständig über eine alte, zum Geh- und Radweg ausgebaute Bahntrasse führt und schon bald den Radweg Hallenberg - Winterberg vervollständigen wird.

Winterberg/Hallenberg..  Es ist fast schon ein historisches Ereignis, diese relativ kurze Radtour vom Winterberger Ortsteil Züschen hinauf nach Winterberg, um eine Verschnaufpause später wieder sanft bergab zum Startpunkt zu rollen. 6,7 Kilometer lang ist eine Wegstrecke, die fast vollständig über eine alte, zum Geh- und Radweg ausgebaute Bahntrasse führt und schon bald den Radweg Hallenberg - Winterberg vervollständigen wird.

Ein Weg von mittlerweile großer touristischer Bedeutung für Winterberg und die Region, denn die Fertigstellung dieses Teilstücks ist nicht nur das Schlusskapitel unter eine 23 Jahre währende Geschichte, es schließt für Radtouristen genau genommen auch eine wichtige Lücke zwischen Edersee und Duisburg. Bisher war Winterberg in Richtung Hessen und Edersee über Radwege kaum erschlossen. Zudem war die Tourismus-Hochburg im Hochsauerland lediglich Startpunkt für den Ruhrtalradweg. Die Radfahrer stiegen in Winterberg aus Bahn und Auto, um wenig später die Stadt wieder radelnd zu verlassen. „Mit dem neuen Teilstück gibt es jetzt nicht nur die Möglichkeit, Richtung Edersee zu radeln, auch umgekehrt ist es nun möglich, aus Richtung Hallenberg und Hessen Winterberg zu erreichen“, sagt Tourismus-Direktor Beckmann. Zudem könne Winterberg nun bald eine attraktive Durchgangsstation für Radtouristen sowohl mit Ziel Edersee, Lahntal als auch Ruhrgebiet sein.

Beschwerlicher Weg

Bis dahin war es aber ein beschwerlicher Weg. Als im September 1989 der damalige Landesminister für Stadt, Wohnen und Verkehr, Dr. Christoph Zöpel (SPD), Winterberg und Züschen besuchte, da schlugen ihm die Vertreter des SPD-Ortsvereins Züschen vor, sich die Vorkaufsrechte für die ungenutzte Bahntrasse, auf der von 1908 bis 1966 die Züge zwischen Bestwig und Frankenberg verkehrten, zu sichern. Im Hinterkopf hatten die Lokalpolitiker damals nicht nur einen Radweg, ihnen schwebte auch eine Umgehungsstraße vor, um die Verkehrsbelastung im Ort zu entlasten und somit auch den Fremdenverkehr zu fördern.

Mit dabei war damals auch Richard Gamm, mittlerweile stellvertretender Bürgermeister der Stadt Winterberg. Sein Name ist eng verbunden mit dem stetigen Bemühen über zwei Jahrzehnte hinweg, den Radweg tatsächlich zu realisieren. Und wer mit Richard Gamm jetzt auf der ehemaligen Bahntrasse in die Pedale tritt, der merkt, dass der SPD-Ratsherr fast jeden Zentimeter Wegstrecke in- und auswendig kennt. Kein Wunder, schließlich war die Umsetzung der Idee alles andere als einfach. Zunächst sah alles ganz gut aus. Am 19. Oktober 1993 berichtete unsere Zeitung, dass der Radweg gebaut werde. 1994 sollte damit begonnen werden. Doch der Baubeginn verzögerte sich. „Grund war im Jahr 1994 die Privatisierung der Bahn, die Verhandlungen mit der neuen Bahnflächenentwicklungsgesellschaft wurden immer schwieriger“, erinnert sich Richard Gamm. Verlangte die Bundesbahn zunächst eine Mark pro Quadratmeter wurden daraus nach der Privatisierung 6,24 DM.

Schier endlose Briefwechsel

Was folgte, waren schier endlose Briefwechsel und ein Besuch des damaligen Bundesverkehrsministers Franz Müntefering im Jahr 1999, den Richard Gamm nutzte, um ihm „die unhaltbaren Zustände zu erklären“. Müntefering versprach sich zu kümmern.

Im August 2001 dann der erste Etappensieg, die Bauphase für das erste Teilstück Hallenberg - Züschen hatte begonnen. Knapp ein Jahr später wurde es eingeweiht. Zügig sollte nun auch in Richtung Winterberg weitergebaut werden und im August 2003 erteilten Bund und Land auch „grünes Licht“.

Was folgte, waren zunächst aber viele Untersuchungen, Grunderwerb und Gutachten, bevor im Jahr 2006 mit der Sanierung der Brücken begonnen werden konnte. „Der nächste Baustopp folgte, als in dem 137 Meter langen Tunnel vor Winterberg eine zu schützende Fledermaus-Art gesichtet wurde“, erzählt Richard Gamm. Der Tunnel wurde sodann für den Radweg gesperrt, eine Umleitung musste her, die wiederum vor Baubeginn lange Grundstücksverhandlungen nach sich zog. Erst im Jahr 2011 wurde weitergebaut. Jetzt ist der Weg schon befahrbar und in wenigen Wochen soll er endgültig fertig sein. Die Einweihungsfeier wird sicher auch ein historisches Ereignis.

 
 

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