Motorradlärm - Sauerländer Hoteliers beklagen „Hexenjagd“

Einige Hoteliers im HSK sind erbost über das Echo, welches das Aktionsbündnis „Ordnungspartnerschaft Motorradlärm“ hervorgerufen hat.
Einige Hoteliers im HSK sind erbost über das Echo, welches das Aktionsbündnis „Ordnungspartnerschaft Motorradlärm“ hervorgerufen hat.
Foto: DPA,GETTY, Fotopool
Nach einer Schätzung haben sich 100 Hoteliers im Sauerland auf Motorradfahrer spezialisiert. Sie sind erbost über das Echo, dass das Aktionsbündnis „Ordnungspartnerschaft Motorradlärm“ hervorgerufen hat. Hoteliers fürchten um ihre Existenz, schließlich würden Biker gutes Geld in die Region bringen.

Hallenberg/Olsberg. Die rund 100 Hoteliers im Hochsauerlandkreis (Schätzung Sauerland-Tourismus), die sich auf Motorradfahrer spezialisiert haben, fürchten um ihre Existenz. Sie sind erbost über das Echo, welches das Aktionsbündnis „Ordnungspartnerschaft Motorradlärm“ hervorgerufen hat. Die Medien, so lautet ihr negatives Fazit, hätten alle Biker als Lärmterroristen dargestellt.

In den Sozialen Netzwerken mehren sich tatsächlich die Einträge von Motorradfahrern jenseits der Landesgrenze, die zukünftig das Sauerland weit umfahren wollen. „Wenn es sein muss bis nach Thüringen“, wie es in einem Beitrag heißt.

Die Beiträge beziehen sich auf die Ankündigung des aus den Städten Meschede, Schmallenberg, Arnsberg und Sundern sowie der Kreisverwaltung und -Polizei bestehenden Aktionsbündnisses, an 17 besonders betroffenen Stellen verstärkt Lärmkontrollen mit neuen Schallmessgeräten durchführen zu lassen. Damit, so heißt es, habe man auf eine Vielzahl von Beschwerden reagiert.

Zahlreiche Leserbriefe

Zahlreiche Leserbriefe, die diese Zeitung erreicht haben, bestätigen: Während so manche Einheimische und Urlauber im Sauerland hoffen, demnächst beim Sonnenbad am Möhnesee oder an der Sorpe auf Ohropax verzichten zu können, ärgern sich die Hoteliers, die sich auf Biker spezialisiert haben.

„Da machen Städte Politik auf unserem Rücken“, echauffiert sich Wilhelm Meschede über das Vorhaben. Der 58 Jahre alte Inhaber des Hotels Bigger Hof in Olsberg spart nicht mit Kritik, auch nicht an seiner Heimatzeitung: „Die Berichterstattung war zu einseitig“, ärgert sich der passionierte Biker. Seine Gäste seien verschreckt worden, sagt er und präsentiert gleich eine Rechnung: „300 bis 350 Euro geben die Biker mit allem Drum und Dran an einem Wochenende im Sauerland aus.“

Stillstand auf Lieblingsrouten

Mit Drum und Dran meint der stolze Besitzer einer Kawasaki CX 10 R Ninja nicht nur die Ausgaben in seinem Hotel, sondern auch „Tanken und sonstige Einkäufe“. „Mir entgehen pro Fahrer, der an zwei Tagen ausbleibt, bis zu 200 Euro“, sagt Meschede. Tausende Motorradfahrer seien in den Sommermonaten im Sauerland unterwegs. „Da können Sie sich ausrechnen, welchen Verlust die Region erleidet, wenn ein Drittel der Biker aus Angst vor ausufernden Polizeikontrollen nicht mehr kommt.“

Wilhelm Meschede sieht die verärgerten Biker schon vor sich stehen: „Mit dickem Hals, wenn die Polizei auf ihren Lieblingsrouten mit den neuen Schallmessgeräten für Stillstand sorgt, weil sie ständig einen aus der Gruppe wegen ein paar Dezibel zu viel rauswinkt.“ Er bricht eine Lanze für die Motorradfahrer im Sauerland, die nun mal keine Rocker, sondern zu 95 Prozent wohlhabende Anwälte, Fachärzte oder Studienräte seien. „Eben gut situierte Frauen und Männer, deren Kinder aus dem abbezahlten Haus ausgezogen sind und die bei einem Cappuccino im Grünen ihre Maschinen bewundern wollen.“ Und die, so Meschede, seien untertourig unterwegs.

Von Hexenjagd Abstand nehmen

Natürlich, gibt der Hotelier aus Olsberg zu, gebe es schwarze Schafe. Und die müsse man auch zur Rechenschaft ziehen, wenn sie die Verkehrssicherheit gefährden. Aber das betreffe einen von tausend Bikern. Von „der geplanten Hexenjagd“ sollte man Abstand nehmen. Motorradfahrer, die bei ihm unterkämen, würden nach „einem Bierchen am Abend, früh zu Bett gehen“, damit sie am nächsten Tag ihre Tour genießen könnten. „Die sind mir lieber als Kegelclub-Horden, die sich bereits bei der Anreise betrunken vorstellen.“

Wilhelm Meschede empfiehlt der Polizei, sich doch um ­„Dringenderes als die paar Motorradrowdys“ zu kümmern. „Zum Beispiel um Metalldiebe, Schockanrufer . . .“

32 Zimmer, 64 Betten, Bikerpauschale 132 Euro

Dirk Knecht (45), Inhaber des Hotels „Haus Wiesengrund“ in Hallenberg, übt sich in Sarkasmus: Die polizeilichen Methoden und die Rhetorik von Beamten wie „Wir haben unsere Waffen geschärft“ findet er nicht angebracht. Und er fügt hinzu: „So etwas erwartet man eher in einem totalitären Staat.“

32 Zimmer, 64 Betten, Bikerpauschale 132 Euro - so lauten die wichtigsten Zahlen für Knechts Hotel. Er erinnere sich daran, dass es vor einigen Jahren eine ähnliche Aktion in der Eifel gab. „Mit dem Resultat für die Hoteliers, dass viele niederländische Biker die Eifel nicht mehr auf ihrer Karte hatten.“ Da sei gutes Geld verbrannt worden. So etwas dürfe sich im Sauerland nicht wiederholen.

Wirtschaftliche Bedeutung der Motorradfahrer

Eckhard Henseling von Sauerland-Tourismus: „Die wirtschaftliche Bedeutung der Motorradfahrer hat im Sauerland in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Darauf zählen die Hoteliers weiterhin.“ Leider würden weniger als fünf Prozent der Motorradfahrer rücksichtslos mit ihren Lärmbüchsen durch die Ortschaften knattern. „Die sind es, die uns in Verruf bringen.“

Henseling, selbst immer wieder begeistert auf zwei Rädern im Sauerland unterwegs, begrüßt letztlich aber die Maßnahmen des Aktionsbündnisses: „Wer sich an Verkehrsregeln hält und keine aufgemotzte Auspuffanlage an seine Maschine geschraubt hat, braucht auch nichts zu befürchten.“