Motion Control – virtuelles Klonen im BKBB

Eileen Segatz

Einblick in die Trickkiste der Film-Industrie gab es beim Tag der offenen Tür des Berufskollegs Bergkloster Bestwig. Im November bietet die Schule alljährlich Interessierten die Möglichkeit, sich über die Bildungsgänge und Lerninhalte zu informieren. Besonders der Fachbereich der Gestaltungstechnischen Assistenten für Medien und Kommunikation konnte einige ausgefallene Projekte vorstellen.

„Irgendwas mit Medien“

Gestaltungslehre, Medientechnik, Fotografie und Audiovision – das sind die Schwerpunkte unserer Ausbildung. Und gerade in der heutigen Zeit, in der jeder zweite Jugendliche „Irgendwas mit Medien“ machen will, ist es gut, sich einen Überblick über die Vielfalt von Medien und deren Techniken zu verschaffen.

Denn ob Logo-Entwicklung, Portrait-Fotografie oder Werbespot-Dreh: Jeder Schritt muss vorher durchdacht, aufgeschrieben und gut geplant sein.

Um „mal eben“ ein kurzes Video von nicht einmal 90 Sekunden auf zunehmen, kann es gerne mehrere Stunden dauern, bis Storyboard, Konzept und Zeitplan aufgestellt sind.

Am Tag der offenen Tür zeigten wir, die Oberstufe, wie man mit der richtigen Ausbildung und ein paar Tricks eine Hollywood-Filmtechnik nachstellen kann.

Dieses Mal stellten wir „Motion Control“ vor. Wer den siebten Harry Potter-Teil gesehen hat oder schon einmal Kylie Minogues Musikvideo zu „Come into my world“ gesehen hat, kann sich sicher an die Szene erinnern, in der dieselbe Person gleich mehrfach im Bild zu sehen ist. Um so einen „Klon-Effekt“ hinzubekommen braucht man entweder mehrere eineiige Zwillingspaare oder man nutzt die Techniken der Profis.

Zusammen mit Marco Rentrop, unserem Fachlehrer für Audio Vision-Praxis und einigen Besuchern als Schauspieler, konnten wir so die Motion Control-Technik anwenden und das „Doppelte Lottchen“ im Klassenraum nachstellen. Felix aus der Oberstufe erklärt uns sein Vorgehen: „Also, wir haben einen motorisierten Slider benutzt“ – sozusagen einen Rollwagen für die Kamera – „an dem Motor ist eine Kontrolleinheit angeschlossen, mit der ich die Bewegungsgeschwindigkeit nach links oder rechts einstellen kann und so können wir eine Kamerafahrt mehrmals mit exakt derselben Geschwindigkeit aufnehmen“. So lässt sich Motion Control (Bewegungskontrolle) für Laien erklären.

Doch davon alleine ist noch kein doppeltes Lottchen zu sehen. Der nächste und mindestens genauso zeitaufwändige Schritt ist die Nachbearbeitung, auch Postproduktion genannt.

Mit professioneller Software wie zum Beispiel Adobe Premiere wird unser Schauspieler jetzt gedoppelt.

Nicht nur Theorie und Bücher

„Bei der Aufnahme haben wir zwei Takes, also zweimal die gleiche Szene, gemacht, wobei unser Schauspieler jeweils an einer anderen Position saß. Jetzt können wir die Aufnahmen übereinander legen, durch die Motion Control ist der Hintergrund statisch, bleibt also gleich und nur die Person und ihr virtueller Klon bewegen sich.“

Was kompliziert klingt, ist während der Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten schnell verstanden und außerdem ein gutes Beispiel dafür, dass eine schulische Ausbildung nicht nur aus Theorie und Büchern bestehen muss.

Du willst auch „irgendwas mit Medien“ machen? Dann schau’ doch beim nächsten Tag der offenen Tür einmal vorbei.