Moderner Bau in historischer Hülle

Das Rathaus Hallenberg ist wieder fertig.
Das Rathaus Hallenberg ist wieder fertig.
Foto: WP
Das Rathaus ist fertig. Am Samstag um 11 Uhr wird Architekt Jörg Arlt dem Hallenberger Bürgermeister Michael Kronauge das Haus wieder übergeben. Nach dem Brand vor eineinhalb Jahren und den aufwändigen Umbauarbeiten bekommen die Bürger ein modernes Verwaltungsgebäude in historischer Hülle.

Hallenberg..  Eineinhalb Jahre war die Stadtverwaltung in der Stadthalle untergebracht. Diese Übergangslösung hat nun ein Ende.

Rückblick: Freitag, 25. Januar 2013, 17 Uhr. Fast jeder Hallenberger weiß heute noch, was er zu der Zeit an diesem bitterkalten Nachmittag gemacht hat. „Ich war zu Hause bei einem Kunden. Als ich den Alarm bekam, habe ich mich umgedreht und den Rauch über der Stadt gesehen“, sagt Stadtbrandinspektor Albert Winter.

Seit 30 Jahren ist er Feuerwehrchef, doch dieser Tag hat sich ihm besonders eingeprägt. Allein durch den schwarzen Qualm kommen für den Fachmann nur zwei Möglichkeiten in Frage. Winter: „Dachpappe und Schiefer – entweder ist es die Kirche oder das Rathaus.“

Auch er ist in dem Bruchsteingebäude neun Jahre lang als Kind zur Schule gegangen, kennt alle Räume und Dachluken, weiß um die Holzspalierwände, die – einmal mit Löschwasser vollgesogen – zu einer zentnerschweren Gefahr werden können. 120 Feuerwehrleute auch aus den Nachbarstädten sind die ganze Nacht durch im Einsatz und arbeiten Hand in Hand. Firmen räumen ihre beheizten Hallen, damit sich die Feuerwehrdrehleitern „aufwärmen“ können und die Hydraulik nicht einfriert. Tonnenweise Salz muss der Bauhof streuen, weil die Fläche um den Brandherd durch das Löschwasser im Nu zur Eisbahn wird. „Ein Feuerwehrkamerad hat sich Erfrierungen am Fuß geholt, die heute noch nicht ausgeheilt sind“, sagt Winter. Nachbarn räumen ihre Garagen, kochen Tee und Kaffee. Auch wenn das Verwaltungsgebäude brennt, Hallenberg und die Hallenberger funktionieren.

Als das Feuer ausbricht, ist der Bürgermeister bei einem Termin in Winterberg. Durch einen Anruf der WP erfährt er von dem Brand und lässt alles liegen und stehen. „Anfangs haben wir gedacht, der Schaden sei überschaubar. Aber dann kam vieles hinzu, was nicht kalkulierbar war“, sagt Kronauge.

Auf dem neuesten Stand

Das Gebäude war nicht behindertengerecht, es gab keinen Aufzug, keinen zweiten Fluchtweg. Nicht alle Fenster waren zerstört. Die, die heil geblieben waren, entsprachen nicht mehr der neuesten Wärmeschutzverordnung. Kommt die Versicherung für die Mehrkosten auf? Die Brandursache ist schnell geklärt. Bauhofmitarbeiter hatten versucht, die zugefrorenen Dachrinnen mit offener Flamme aufzutauen. Ein durchaus übliches Procedere. Dabei ist das Malheur passiert. Viele Fragen müssen in vielen Sitzungen geklärt werden. „Ein Neubau wäre einfacher zu realisieren und finanziell genauer zu planen gewesen. Streng genommen haben wir jetzt in der 170 Jahre alten, denkmalgeschützten Hülle ein neues Haus gebaut, das energetisch und auch brandschutztechnisch auf dem neuesten Stand ist“, so der Bürgermeister. Jedem seiner Amtskollegen könne er nur raten, in einem Brandfall niemals zwei Tage später eine Kostenschätzung abzugeben oder einen Termin für den Wiedereinzug zu nennen.

Von einer Renovierung und von rund einer Million Euro Schaden war anfangs die Rede. Anderthalb Jahre hat die Verwaltung nun in der Stadthalle residiert. Und 1,6 Mio. Euro sind die reinen Baukosten. Die Schlussrechnungen stehen noch aus; 100 000 Euro muss die Stadt außerdem an Kosten für Planer und Architekten zahlen. Aber es hat sich gelohnt.

 
 

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