Modellflieger könnten vor Ärger in die Luft gehen

Sonnenuntergang mit Modell-Helikopter. Pläne des Bundes könnten dieses Hobby erschweren. |
Sonnenuntergang mit Modell-Helikopter. Pläne des Bundes könnten dieses Hobby erschweren. |
Foto: picture alliance / dpa
  • Wer als Modellflieger aktiv sein möchte, muss auf jeden Fall eineHaftpflicht-Versicherungabschließen
  • Sorge, dass Luftraum für Paketdienste frei gemacht werden soll
  • Pläne aus Berlin könnten dem Hobby das Ende bescheren

Altkreis.  „Hände weg von meinem Hobby!“ Das fordern zurzeit Modellfliegervereine in ganz Deutschland. Hintergrund für den Protest sind Pläne des Bundesverkehrsministeriums angesichts der zunehmenden „Drohnen“-Nutzung die gesetzlichen Bestimmungen für alle kleinen Flugobjekte zu verschärfen. „Wenn die Pläne so umgesetzt werden, ist das für unseren Verein das Aus“, erklärt dazu Dr. Guido Janzen. Er ist Pressewart beim Modellflugclub Brilon.

In Brilon lassen die Hobbyflieger bereits seit 1972 ihre Flieger in die Lüfte steigen. Dafür haben sie eine etwa 280 mal 60 Meter große Fläche zwischen Egger und dem Umspannwerk Nehden gepachtet, die ideale Voraussetzungen zum Modellfliegen bietet. 60 Mitglieder sind in dem Briloner Verein aktiv. Angesichts der geplanten Gesetzesänderung blicken sie jedoch mit Sorgen in die Zukunft.

Guido Janzen erklärt, warum: „Ein durchschnittlich großes Modell mit einer Spannweite von zwei Metern, ist in der Regel auf einer Flughöhe von bis zu 250 Metern unterwegs. Hochmotorisierte Modelle erreichen diese Höhe in 4 bis 5 Sekunden. Großsegler mit bis zu zehn Metern Spannbreite kann man auch in 1000 Meter Höhe noch sicher steuern. Das neue Gesetz sieht aber eine Begrenzung der Flughöhe auf 100 Meter vor. Damit wäre unser Sport kaputt.“

Deshalb haben sich die Briloner Modellflieger der bundesweiten Initiative „Pro Modellflug“ angeschlossen und rufen auch auf ihrer Facebook-Seite dazu auf, die Petition durch eine Unterschrift zu unterstützen. Dazu haben sich unter Federführung der Deutschen Modellflieger Vereine, Verbände, Messegesellschaften, Hersteller, Händler und Fachverlage zur Initiative „Pro Modellflug“ zusammengeschlossen.

Zum Thema Sicherheit heißt es dort: „Zwischen Januar 2015 und Februar 2016 wurden der deutschen Flugsicherung zwölf Zwischenfälle gemeldet. Alle stellen eindeutige Gesetzesverletzungen dar und müssen streng geahndet werden.“ Aber: Auch eine Flughöhenbegrenzung hätte diese Unfälle nicht verhindert, so die Einschätzung der Pro-Modellflug-Initiative.

Alles ausreichend geregelt

Auch angesichts des „Quadcopter-Booms“ ist es nach Ansicht der Hobbyflieger nicht notwendig, neue gesetzliche Bestimmungen zu schaffen. „Wir haben bereits Gesetze, die alles ausreichend regeln. Da steht alles drin und das gilt für Modell- und Drohnenflug gleichermaßen“, so Guido Janzen. Er persönlich kann die Begeisterung für die neuen „Multicopter“ ohnehin nicht nachvollziehen. „Im Grunde kann die Dinger jeder fliegen. Die moderne Technik regelt alles, beim Modellfliegen aber muss man selbst steuern und sein Gerät unter Kontrolle halten. Das ist viel anspruchsvoller und nicht so langweilig.“

Die Briloner Modell-Flieger sehen sich und ihr Hobby im übrigen nicht nur durch neue Vorschriften, sondern auch durch Pläne für Windkraftanlagen bedroht. „Wenn in unmittelbarer Nähe zu unserem Gelände solche Anlagen entstehen, können wir hier zum Beispiel sehr große, schnelle Modelle nicht mehr fliegen,“ erklärt Guido Janzen. „Und das wäre für uns wirklich sehr schade.“

Auch beim Modellflug-Club Marsberg herrscht angesichts der geplanten Gesetzesänderung Unverständnis. „100 Meter sind für uns inakzeptabel. Wir haben bei uns Modelle bis fünf Meter Spannweite. Da ist das gar nichts. Fahrt und Höhe sind für uns Modellflieger das halbe Leben“, erklärt Schriftführer Burkhard Kuhlman auf Anfrage der WP. Mit Blick auf die angestrebte höhere Sicherheit argumentiert er, dass die meisten Unfälle beim Start und bei der Landung passieren, in der Höhe dagegen nur sehr selten. „100 oder 500 Meter – das spielt für die Sicherheit keine Rolle“, so seine Einschätzung. Im Gegenteil. Wenn man höher fliegen kann, habe man sogar mehr Handlungsspielräume. „Wir haben den Eindruck, dass man den Luftraum bis 100 Meter Höhe für Paketdienste frei machen möchte.“

Platz für Paketdienste schaffen?

In Medebach gibt es ebenfalls seit vielen Jahren einen Modellflugclub auf dem alten Segelfluggelände. Der 1981 gegründete Verein zählt 30 Mitglieder. Auch hier sieht man die Pläne des Innenministeriums mit großer Sorge - zumal eine Besonderheit des Vereins der Kunstflug ist. „Vor allem dafür braucht man einfach größere Höhen. 100 Metern sind da viel zu wenig. Wenn das kommt, können wir aufhören“, macht der 1. Vorsitzende Erhard Berkenkopf deutlich. Problem sei, dass mit den Drohnen viel Schindluder getrieben werde. Jeder könne sich so ein Ding kaufen, eine Kamera anmontieren und beim Nachbarn über den Garten fliegen. „Und die Modellflieger müssen jetzt darunter leiden,“ so seine Einschätzung. Dabei gebe es ja bereits Gesetze, die alles ganz klar regeln.

Wer als Modellflieger aktiv sein möchte, muss auf jeden Fall eine Haftpflicht-Versicherung dafür abschließen. Inzwischen müssen auch Modelle, die weniger als fünf Kilogramm wiegen, versichert sein Weitere Informationen zu dem Thema gibt es auf: www.modelfluginfo.de

Die Luftverkehrsordnung regelt sehr genau, wo man überhaupt fliegen darf und welche Sicherheitsabstände zum Beispiel zu Flughäfen eingehalten werden müssen.

Informationen rund um das Thema Drohnen findet man im Internet unter: www.bezreg-muenster.de/de/verkehr/drohnen

Die Petition kann man unterstützen über die Facebook-Seite des Briloner Modellflugclubs oder unter: www.pro-modellflug.de. Dort gibt es auch weitere Informationen rund um das Thema.

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