Mit Bürgermeister Grosche im Feurigen Elias

Josef Drilling hat für den  Heimat- und Geschichtsverein Medebach hat eine fiktive Dienstfahrt mit der Kleinbahn geschrieben.
Josef Drilling hat für den Heimat- und Geschichtsverein Medebach hat eine fiktive Dienstfahrt mit der Kleinbahn geschrieben.
Foto: Foto: Buch

Medebach.  Heute wäre sie eine touristische Attraktion. In Scharen würden die Gäste Platz nehmen, um mit der alten Schmalspurbahn von Medebach bis nach Steinhelle oder umgekehrt zu fahren. Doch die original „Kleinbahn“ gibt es nicht mehr.

Von 1903 bis 1953 war sie d a s infrastrukturelle Bindeglied zwischen den Ämtern Medebach, Niedersfeld und Bigge. Dann kam das wirtschaftliche Aus. Gleise wurden abgebaut, Maschinen und Wagen verkauft. Und doch bleibt die „Kleinbahn“ in den Köpfen der Menschen präsent. Ein neuer Wanderweg entlang der alten Trasse wurde erst kürzlich ausgeschildert und einen kleinen Beitrag gegen das Vergessen leistet auch das Heft 35 der Schriften des Heimat- und Geschichtsvereins Medebach. Kein dicker Wälzer. Eine Liebeserklärung auf nur zehn Seiten ist die fiktive „Dienstfahrt des Bürgermeisters“ von Josef Drilling.

Die Uhr lässt sich heute nicht mehr zurückdrehen. Eine original Kleinbahn wird es daher nicht mehr geben. 2005 beschlossen viele Ehrenamtliche unter Federführung des Heimat- und Geschichtsvereins Medebach, sie wenigstens im Modell nachzubauen. Seit Oktober 2012 schnauft das Bähnlein durch den Hansesaal des alten Rathauses. Der Initiator des Kleinbahnprojektes war der frühere langjährige Vorsitzende des Vereins, Josef Drilling. Er ist ein Kenner. Jahrelang arbeitete er bei der „Kleinbahn“, wie ihr Nachfolger, die Regionalverkehr Ruhr-Lippe-Gesellschaft (RLG), auch heute noch im Volksmund genannt wird. Dadurch hatte er gute Kontakte zu den früheren Mitarbeitern, die ihm manche Anekdote anvertrauten.

In dem neuen Heftchen schildert Drilling eine fiktive Dienstreise des Medebacher Amtsbürgermeisters Thomas Grosche von Küstelberg nach Medebach. Viele Mitreisende dürfte das heutige Medebacher Stadtoberhaupt nur vom Hörensagen kennen. Aber selbst jüngeren Generationen sind der „Lange Heiland“ in Küstelberg oder die legendäre Spitzkehre bei Wissinghausen noch ein Begriff. Drilling erzählt von Frauen, die Preiselbeeren pflücken, lässt die „Heidekönigin“ Elisabeth Villis vom Wegesrand winken und begegnet „Schrauten Wilm“ von der Rotte, die für den Gleisbau zuständig ist. Postbote „Schüren Franz“ steigt in Referinghausen zu und Förster Hartmann macht sich auf den Weg zu einem Termin im Forstamt Glindfeld.

Heute setzt sich Bürgermeister Grosche in seinen Wagen und ist in fünf Minuten im Medebacher Rathaus. Er wird unterwegs nicht mit Jagdaufseher Lahme sprechen und nicht beim „Tannenwirt“ einkehren. Die Zeit ist schneller und schnelllebiger geworden. Aber ist sie dadurch auch automatisch besser? Vielleicht fehlt unserem Alltag heute hin und wieder eine Spitzkehre, an der man einfach durchatmen und warten muss…

Das Heft ist im Medebacher Buchhandel und bei der Tourist-Info zu haben.

 
 

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