Michael Wigge reiste ohne Geld um die Welt

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Brilon/Berlin. Von Berlin bis in die Antarktis ohne einen Cent in der Tasche. Das klingt verrückt, ist aber machbar. Das weiß der gebürtige Briloner Journalist Michael Wigge aus eigener Erfahrung- und hat über sein Erlebnis ein Buch geschrieben.

150 Tage, 35 000 Kilometer, elf Länder in vier Kontinenten. Der gebürtige Briloner Radio-und Fernsehjournalist Michael Wigge hat sich auf einen Trip von Berlin in die Antarktis gemacht - und das ohne einen einzigen Cent in der Tasche zu haben.

Herausgekommen sind dabei jede Menge skurille Erlebnisse, ein Taschenbuch und eine fünfteilige Fernsehdokumentation, die am Montag, 31. Mai, um 19 Uhr auf ZDFneo startet. Im Interview erzählt der Briloner Abenteurer selbst, wie es so ist, ohne Geld rund um den Globus unterwegs zu sein.

Die Idee ist ganz schön verrückt. Wie sind Sie darauf gekommen?

Michael Wigge: Ich reise sehr viel und war schon bestimmt in 60 Ländern unterwegs. Außerdem interessiere ich mich sehr für Kultur und Menschen. Die Idee, ohne Geld zu reisen, ist ein humorvoller Ansatz, den ich schon oft genutzt habe, zum Beispiel bei meiner Arbeit für MTV.

Mit welchen Dingen in Ihrem Rucksack sind sie gestartet?

Wigge: Mein Rucksack war 40 Kilo schwer. Ich konnte ihn kaum tragen. Drin waren Kleidung, Medikamente und meine Kameraausrüstung. Ich hatte auch viele Requisiten mit dabei. Zum Beispiel eine Butlerausrüstung, denn ich bin ja in eine Art Tauschhandel mit den Menschen getreten und habe auch bedient.

Und mit was sind Sie aus der Antarktis wiedergekommen?

Wigge: Mit viel weniger. Auf der Halbzeit der Reise habe ich die Entscheidung getroffen, 20 Kilo loszuwerden. Ich war da gerade in Kalifornien auf dem Campus der Universität Berkley und habe die Sachen da hingestellt. Die Leute konnten sie dann einfach so mitnehmen. Letztendlich bin ich mit 15 Kilo Gepäck zurückgekommen.

Wie überzeugt man Menschen, jemandem ohne Bezahlung etwas zu geben?

Wigge: Ich bin ja nicht mit der offenen Hand durch die Welt gelaufen, sondern habe Tauschhandel betrieben. Das war mir ganz wichtig, dass ich eine Gegenleistung erbringe. Wenn man so eine Haltung hat, geht das sehr gut.

Schwarzfahren im Zug, verbotenes Campen in San Francisco an der Golden Gate Bridge: Was ist das für ein Gefühl, die Grenze zur Legalität überschreiten zu müssen?

Wigge: Dazu muss ich sagen, dass die Reise wirklich legal und nichts geklaut war. Es gab da halt ein paar Ausnahmen, kleine Grenzfälle, bei denen natürlich das Adrenalin steigt.

An den Niagarafällen konnten Sie spielend leicht an einer Besichtigung teilnehmen. Könnte man sich theoretisch, wenn man dreist genug ist, kostenlos viel mehr erlauben?

Wigge: Es wäre falsch zu denken, mein Buch ist ein Ratgeber fürs Dreistsein. Das ist es auf gar keinen Fall. Vielmehr gab es ein paar freche Momente. Die Aktion soll zeigen, dass unkonventionelles Reisen mehr bringt, als wenn alles durchgeplant ist. Man trifft mehr Menschen. Solche Kontakte können bereichernd sein. Das wollte ich zeigen.

Was war Ihr Überlebensplan für einen Tag?

Wigge: Jeden Morgen bin ich von zehn bis zwölf Uhr durch die Geschäfte gegangen, habe meine Geschichte erzählt und einen Tauschhandel angeboten. Nachmittags ging es dann ans Reisen, oder ich war bei den Leuten, bei denen ich übernachten durfte. Ich hatte ja meinen kleinen PC mit und habe im Internet unter couchsurfing.org Leute gefunden, die kostenlose Übernachtungen angeboten haben.

In welchem Land war es schwer durchzukommen?

Wigge: Die USA und Kanada sind sehr schwer, weil dort das Trampen illegal ist und man so in irgendeiner Art Tauschhandel betreiben muss. In Peru und Bolivien war es wegen der Armut moralisch nicht leicht. Deshalb habe ich mich dort auf Touristen fokussiert, deren Zahl aber sehr begrenzt war.

Was war Ihre lehrreichste Erfahrung?

Wigge: Ich habe Menschen am Wegesrand kennengelernt, die sehr einfach leben. Beispiele sind die Phillipinos auf dem Containerschiff nach Amerika oder die Amish People in Ohio. Ihr Leben ist simpel und konservativ, aber trotzdem sehr glücklich. Das hat mir gezeigt, dass weniger oft mehr ist.

Ist unsere Welt zu materialistisch?

Wigge: Ich bin kein Antimaterialist und freue mich, dass ich wieder mein Portemonnaie in der Tasche habe. Wenn man aber einmal begrenzt ist in den Finanzen, lernt man gewisse Dinge einfach mehr zu schätzen. Die Reise war wie ein Mittel gegen eine gewisse Wahrlosigkeit.

Wie hilfsbereit sind die Menschen der Welt Mittellosen gegenüber?

Wigge: In Nordamerika waren sie sehr hilfsbereit. Da kam meine Geschichte sehr gut an, sich alleine ohne Geld aufzumachen. Individualismus ist etwas sehr amerikanisches. In Südamerika war es dagegen ein großes Mitgefühl, das man mir entgegenbrachte. Die Menschen dort können nachfühlen, wie es ist, arm zu sein. In Kolumbien hatte ich zum Beispiel keine Unterkunft und habe bei den Leuten angeklingelt und gefragt, ob ich bei ihnen schlafen kann. Sie haben mich einfach reingelassen. Das kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen.

Wie lange würden Sie, mit allen Kniffen, die Sie gelernt haben, ohne einen Cent in Brilon überleben?

Wigge: Hmm, auf dem Schützenfest könnte ich die halb leeren Gläser austrinken. Oder ich könnte dort als Butler aushelfen und auch so etwas abbekommen. Das würde bestimmt klappen. Oder ohne Geld auf der Schnade gehen. Ja, ich glaube, das könnte ich mir als nächstes Projekt mal vornehmen.

Michael Wigges „Ohne Geld bis ans andere Ende der Welt. Eine Abenteuerreise” ist im KiWi-Verlag erschienen. Das Buch kostet 8,95 Euro und ist unter der ISBN 978-3-462-04181-1 erhältlich.

 
 

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