Medebacher sieht in Videospielen mehr als Hobby

Auf der größten Computerspielmesse weltweit, der gamescom, in Köln: Steamer Steven Ricken aus Medebach und David Arnheim
Auf der größten Computerspielmesse weltweit, der gamescom, in Köln: Steamer Steven Ricken aus Medebach und David Arnheim
Foto: Westfalenpost
  • Medebacher streamt in seiner Freizeit für über 6000 Follower
  • 26-Jähriger gibt Tipps, damit Zuschauer am Ball bleiben
  • Unter anderem ist er mittlerweile mit Ranzratte1337 befreundet

Medebach.  Sie „zocken“ Videospiele, übertragen sie live im Internet oder nehmen sie auf und schneiden die Videos zu kleinen Filmen zusammen. Gamer, Streamer, Youtuber. Die Stars unter ihnen erreichen mit ihren Videos Millionen von Fans. Aber nur die Wenigsten können dieses Hobby zum Beruf machen und Geld damit verdienen. Bestes Bespiel: Let’s Player Erik Range, besser bekannt unter seinem Usernamen „Gronkh“. Neben diesen Ausnahmen gibt es viele Gamer, für die Videospiele zwar ein großer Teil ihres Lebens sind. Sie bleiben aber oft ein Hobby. Für viele steckt aber mehr dahinter, als nur ein Zeitvertreib.

Auch Steven Ricken aus Medebach ist seit einem Jahr mit dem Usernamen „duke4nude“ aktiv auf Twitch und Youtube unterwegs. Auf Twitch können andere ihm und seinen Freunden beim Spielen zusehen. Außerdem lädt er auf der Videoplattform Youtube so genannte VLogs hoch. 6560 Follower auf Twitch, 1266 Abonnenten auf Youtube. Mittlerweile wird er von dem ein oder anderen Gamer erkannt und angesprochen, wenn er unterwegs ist. Auf der Messe „gamescom“ vor einigen Wochen wollen Fans sogar Autogramme haben und Fotos mit ihm machen. „Es war schon ein bisschen erschreckend, dass die Leute einen erkennen und nach Fotos fragen“, sagt er.

Nah an den Zuschauern

Trotzdem bleibt das Ganze wohl erstmal eine Freizeitbeschäftigung. Der Zerspanungsmechaniker betont, dass er noch zu den „kleinen“ Streamern gehöre: „Es ist für mich nur ein Hobby. Ich hab einfach schon immer Spaß daran gehabt, Leute zu unterhalten und sie zum Lachen zu bringen. Ich bin auch nicht gut in dem, was ich mache. Es ist einfach zum Spaß haben.“ Der große Erfolg schrecke auch etwas ab. Im Moment sei er näher an seinen Zuschauern, als die „Großen“. „Ich find das viel schöner, mit den Leuten zu quatschen. Und wenn man größer wird, steigt auch der Druck“, sagt der Medebacher. Die Leute erwarten dann ständig neue Videos. „Ich hab’ aber eine super Community. Ich hatte noch nie jemanden, der gesagt hat ‘Mach mal wieder ein Video’.“ Für ihn sei wichtig, dass das reale Leben immer vor dem Gameplay steht. Er mache Videos nur, wenn er wolle. „Druck mache ich mir aber auch selbst, wenn ich weiß, dass die Leute warten.“ Freunde, Freizeit und Job stehen jedoch an erster Stelle.

Auch Kritik habe der Streamer schon oft bekommen. „Man hat auch Fälle mit Beleidigungen. Dann muss man ein dickes Fell haben. Kritik muss man eben abhaben und damit umgehen können. Und man sollte wortgewandt sein. Ich mache mir da immer einen Spaß draus.“ Aber auch konstruktive Kritik sei dabei. Die nehme er dann natürlich auch an und versuche, Verbesserungsvorschläge umzusetzen.

Viele beginnen mit Youtube aus den falschen Gründen, so der 26-Jährige. Um Geld zu machen, zum Beispiel. „Wenn man nicht mit Spaß und Leidenschaft dabei ist, sollte man es lassen. Die Zuschauer merken ganz schnell, wenn man keine Lust darauf hat. Ich mache es nicht fürs Geld. Aber ich würde natürlich niemals Nein sagen, wenn sich so was ergeben würde. Das Hobby zum Beruf zu machen, ist ein schöner Gedanke. Aber das Risiko ist sehr groß.“

Mehr als nur ein Hobby

Für Steven Ricken ist das Gameplay nicht nur ein Zeitvertreib. „Es ist für mich auch zum Abschalten und zum Stressabbau. Wenn ich einen Stream mache, kann ich abschalten. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.“ Schön sei auch, wenn er sehe, dass er anderen aus einem Loch heraushelfen kann. Sie sehen sich den Stream an und es gehe ihnen besser. „Das ist umgekehrt genau so, wenn ich die Kommentare lese.“ Das Gute daran sehen viele Menschen aber nicht. „Es gibt so viele Vorurteile. Die treffen aber auf die meisten nicht zu.“ Gerade bei sogenannten Ballerspielen, die oft in Zusammenhang mit Amokläufen gebracht werden. „Das sind dann auch nur die Menschen mit psychischen Problemen“, so der 26-Jährige. Ganz anders erlebe er die Community: „Im Teamspeak sind dann auch mal über 100 Leute, die ganz sachlich über Themen wie Faschismus oder Homophobie reden. Es steckt mehr dahinter als Gaming.“

Sogar echte Freundschaften seien zwischen dem Zerspanungsmechaniker und anderen, zum Teil erfolgreichen, Spielern entstanden. „Das ist wie eine Familie. Ich hab vorher noch nie jemanden getroffen, mit dem sich so eine Freundschaft ergeben hat. Man ist einfach auf derselben Wellenlänge“, erzählt er. Angefangen hat alles mit einem Gewinnspiel des Youtubers Stephan Damen, „Ranzratte1337“, mit dem er mittlerweile auch gut befreundet ist. „In einem Jahr ist dann viel passiert. Man kriegt die Welt der anderen mal mit. Es ist schon extrem – wie eine fremde Welt.“ Bei der gamescom hat er auf der After-Show-Party viele Youtuber getroffen. Auch beim 30 Tage-Live-Stream von Simon Unge („ungespielt“) war er drei Tage dabei. Nicht schlecht für ein Jahr.

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