Kritik an Samenmischungen für Blumen

Eine Wildblumenwiese ist wunderschön, aber die Samenmischungen bergen auch Probleme.
Eine Wildblumenwiese ist wunderschön, aber die Samenmischungen bergen auch Probleme.
Foto: Rita Maurer
Samentütchen und -dosen für Wildblumen kosten ein paar Cent. Biologischen Station kritisiert: Samentypen kommen aus China, Afrika, Nordamerika.

Altkreis.  Gerade jetzt nach den langen Wintermonaten locken sie wieder überall in den Geschäften: Die Samentütchen und -dosen für ein paar Cent, die herrlich nostalgische Wild- und Wiesenblumenwiesen versprechen: „Einfach ausstreuen und mit wenig Aufwand vom Frühjahr bis Herbst einen ständig wechselnden Blumenteppich genießen, dazu im Folgejahr die mehrjährigen Arten“.

Oft geraten diese Wildblumen aber nicht so, wie die verlockenden bunten Bilder und die Aufschriften suggerieren. Manche Arten gehen gar nicht erst an. Und mit anderen tut man der heimischen Blumenwelt nicht gerade einen Gefallen. Warum das so ist, hat Werner Schubert von der Biologischen Station des HSK in Bödefeld erläutert.

Genetisch unpassend

Da die im Discounter angebotenen Samenmischungen zwangsläufig nicht aus der Region, sondern von Großhändlern im In- und Ausland stammen, holt man sich genetisch unpassende Pflanzen in den Garten, sagt Werner Schubert. So ist eine Margarite oder eine Schafgarbe aus dem Sauerland genetisch anders aufgebaut und somit an ihre Umwelt angepasst als beispielsweise in Wittgenstein oder der Eifel.

Zudem gibt es schon allein innerhalb des Altkreises Brilon gewaltige Unterschiede in Bodenbeschaffenheit und Klima: Im Bereich Brilon und Marsberg sind die Böden kalkhaltig, in den anderen vier Städten dagegen sauer. In der Medebacher Bucht, die erwiesen trockener ist, wachsen andere Blumen-Arten als im deutlich feuchteren und dazu noch höher gelegenen Raum Winterberg.

Diese verschiedenen Boden- und Klimabedingungen bewirken laut Werner Schubert, dass die gleiche Samentüte am einen Standort andere Ergebnisse bringen könne als einige Kilometer weiter. Dazu kommt, dass die in den Mischungen enthaltenen Samenkörner ganz unterschiedliche Bedingungen zum Keimen brauchen: Die einen müssen von Erde bedeckt sein, die anderen nicht, manche mögen es kalt, um auszutreiben, andere wiederum sind hochempfindlich gegen kühle Nächte. Sogar schädliche Pflanzen können so in den Garten oder die Wiese gelangen und heimische Arten in ihrem Lebensraum beeinflussen.

Lieber selbst sammeln

Werner Schubert hat deshalb eine Saatgut-Dose, die 100 Quadratmeter Wild- und Wiesenblumen offeriert, genauer unter die Lupe genommen: Von den 22 enthaltenen Samensorten kommen gerade einmal vier Blumenarten, in diesem Fall Kornblume, Wilde Möhre, Schafgarbe und Margarite, auch in der heimischen Flora vor. Da der Saatguthändler jedoch in Wien sitzt, sind auch hier keine regional-typischen Arten zu erwarten. Die anderen Samentypen kommen aus China, Afrika, Nordamerika oder dem Mittelmeerraum, die Unterart von einer Pflanze wird bereits als aggressiver Neophyt, sprich gebietsfremde Pflanze, bekämpft.

Um eine wirklich regionale und damit dauerhafte Wildwiese zu erhalten, empfiehlt Werner Schubert, auf Spaziergängen in der umliegenden Natur Blumensamen oder auch Mähgut von einer artenreichen Wiese ggf. nach Absprache mit dem Besitzer zu sammeln und in die eigene Wiese einzustreuen. Wichtig sei dabei, nicht den Naturraum zu wechseln, also möglichst im eigenen Stadtgebiet zu bleiben. Außerdem sollte eine Wiese frühestens nach der Samenreife ab Juli zum ersten Mal und auch danach nur ein bis zweimal im Jahr gemäht werden.

Zierpflanzen können auf Dauer eine Gefahr für die Flora vor Ort bilden

Auch exotische Zierpflanzen können auf Dauer eine Gefahr für die Flora vor Ort bilden. So breiten sich zum Beispiel der Riesenbärenklau und der Japanische Knöterich oder auch eine Lupinenart mittlerweile sehr schnell aus und nehmen heimischen Pflanzen damit den Lebensraum.

Manche dieser Pflanzen sind sogar für Menschen und Tiere schädlich. Sie müssen mit Gegenmitteln oder immensem Arbeitsaufwand bekämpft werden. Beispiel hierfür ist die Beifußblättrige Ambrosie, die mit Vogelfutter eingeschleppt werden kann.

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