„Kraneberger“ oder lieber Mineralwasser?

Der aktuelle Bericht von Stiftung Warentest belegt, dass unser Leitungswasser eine gute Qualität hat.
Der aktuelle Bericht von Stiftung Warentest belegt, dass unser Leitungswasser eine gute Qualität hat.
Foto: dpa
  • Heimisches „Quell“ ist von guter Qualität
  • Wasser wird ständig untersucht und unabhängig kontrolliert
  • Mineralgehalt von Ort zu Ort unterschiedlich

Altkreis.. Mineralwasser taugt selten mehr als Leitungswasser. Das hat die Stiftung Warentest ermittelt. Für ihre aktuelle Ausgabe schenkte sie sich 30 stille natürliche Mineralwässer ein und verglich. Ergebnis: Besser als Leitungswasser ist keines. Und wie ist es um unsere heimischen „Kraneberger“ bestellt? Offenbar sehr gut.

Sabine Diel trinkt schon seit Jahren das Wasser aus der Leitung. Sie arbeitet bei der HochsauerlandWasser GmbH, dem Trinkwasserversorger für Meschede, Bestwig und Olsberg. Durch ein insgesamt 673 Kilometer langes Leitungsnetz, so erklärt sie, macht das kühle Nass dort seinen Weg in die einzelnen Haushalte. Allein ins Olsberg sind es 200 Kilometer Leitungen. Alles Gussrohr oder Kunststoff. Nur noch in wenigen älteren Haushalten dürften überhaupt noch Bleirohre liegen. „Unser Wasser ist eines der best-kontrollierten Lebensmittel und von sehr guter Qualität“, sagt sie. In sehr engen Abständen gehen wie in allen anderen Kommunen auch u.a. Proben ans Hygieneinstitut. Im Versorgungsbereich von HochsauerlandWasser wird unterschiedliches Wasser eingespeist. Assinghausen bekommt es z.B. aus einer Quelle, Bigge aus dem Tiefbrunnen Schellenstein. Daher schwanken auch die Mineralstoffgehalte und Härtegrade.

Franz-Josef Jesper, Betriebsleiter der Stadtwerke Marsberg, bescheinigt seinem Zuständigkeitsbereich ebenfalls sehr gutes Trinkwasser. „Alle Grenzwerte werden eingehalten, es muss nicht groß aufbereitet werden. Das Wasser ist auch für Säuglinge geeignet“, sagt er. Obwohl die Flüssigkeit aus Brunnen und Quellen qualitativ sehr gut sei, führe man vorsorglich eine Sicherheitsdesinfektion durch. Durch regelmäßige Kontrollen im Rohrnetz – auch bei Kunden zu Hause – wird die Qualität kontinuierlich überwacht. „Wir geben im Jahr zwischen 20 000 und 30 000 Euro für Analysen aus“, sagt Jesper. Die Ergebnisse gehen u.a. ans Gesundheitsamt und können auch von den Bürgern jederzeit auf der Webseite der Stadt eingesehen werden.

So sieht das auch in Brilon aus. „Wir haben über 330 Kilometer Rohrnetz und 8000 Hausanschlüsse“, sagt Friederike Winckler, von den Stadtwerken. Auch dort stapeln sich nicht kistenweise Mineralwasser. Dort steht extra ein Soda-Spender, alle trinken das Briloner Quell. Aus 18 Hochbehältern sprudelt das Wasser ins Leitungsnetz. Auf der Homepage der Stadtwerke kann man sämtliche Analysen für jeden Ort einsehen.

In Medebach kommt rund die Hälfte des kühlen Nasses aus eigener Produktion. Der Rest wird vom Wasserverband Hochsauerland GmbH bzw. vom Wasserbeschaffungsverband Eisenberg eingekauft. Auch hier sei die Qualität des Wassernetzes sehr gut. Sieben Tiefenbrunnen und vier Quellen sind dort in Betrieb.

Bei den Leitern der jeweiligen Stadtwerke in Winterberg, Henrik Weiß, und Hallenberg, Stefan Dielenhein, gibt es zu Hause „Kraneberger“ zu trinken - ein eindeutiges Güte-Siegel! Das Winterberger Wasser stammt aus 41 Quellen, drei Tiefenbrunnen können im Bedarfsfall zugeschaltet werden. Das Hallenberger Wasser wird in bester Qualität aus dem 100 Meter tiefen Brunnen im Wasserschutzgebiet Struth gepumpt und direkt ins Netz eingespeist.Bleileitungen und –anschlüsse sind in den öffentlichen Trinkwassernetzen seit Jahren kein Thema mehr, bestätigen beide.

Stefan Dielenhein empfiehlt, den Wasserhahn einen Moment laufen zu lassen, bis das Wasser richtig kalt und somit nicht mehr durch die hauseigene Heizungsanlage erwärmt ist. „Wichtig ist, eventuell vorhandene Wasserfilter und Perlatoren (Mischdüsen) an den hauseigenen Wasserhähnen sauber zu halten und regelmäßig zu wechseln. Wenn man das berücksichtigt, hat man ein Lebensmittel in Top-Qualität direkt im Haus.“

Auch wenn der Mineralstoff-Gehalt nicht das einzige Qualitätskriterium ist - der Sieger bei den Warentestern ist ein Produkt aus dem Hause Nestle. Es enthält 74,5 Milligramm Magnesium, 468 mg Calcium und 9,4 mg Natrium pro Liter.

Hier ein paar heimische Werte zum Vergleich. Assinghausen 3,9 mg Magnesium, 37,5 mg Calcium und 9 mg Natrium. In Bigge sind es hingegen 5,3 mg Magnesium, 63,6 mg Calcium und 10,6 mg Natrium.

Das Wasser aus dem Hochbehälter Wohlhagen in Alme hat z.B. 10,2 mg Magnesium, 104 mg Calcium und 26,70 mg Natrium. Das Waser aus der Schmala, das Gudenhagen, Brilon-Wald und das Schmelterfeld versorgt, hat hingegen 3,5 mg Magnesium, 29,9 mg Calcium und 5,1 mg Natrium.

In Hallenberg enthält ein Liter Wasser aus dem Tiefenbrunnen Struth 7,9 mg Magnesium, 54,5 mg Calcium und 9,2 mg Natrium. In Hesborn wird zusätzlich Wasser aus den Winterberger Quellen eingespeist, dort ergeben sich Werte von 5 mg Magnesium, 27,6 mg Calcium und 5,7 mg Natrium.

Die Einen mögen „Kraneberger“, die Anderen nicht.

PRO von Rita Maurer: Nicht nur das Wasser von Kölle, auch das Wasser im Sauerland ist gut. Abgesehen davon, dass es so herrlich unkompliziert und ohne Schlepperei immer vorhanden ist, schmeckt es irgendwie nach Heimat. Früher in Zeiten, in denen ich für einige Jahre in Großstädten gelebt habe, hatte ich tatsächlich anfangs Flaschen mit Leitungswasser von zu Hause dabei, weil ich mir eingebildet habe, dass das Wasser woanders nicht so gut schmeckt. Ich bin bis heute erst dann an fremden Orten wirklich angekommen, wenn ich den Kopf auch dort unter den Hahn stecken kann. Und das voller Überzeugung.

CONTRA von Jennifer Wirth: Wasser ist Wasser – das mag für die einen stimmen, für mich jedoch nicht. Auch wenn Leitungswasser unbedenklich ist, trinken möchte ich es nicht. Es mag gut und günstig sein und auch auf das lästige Kistenschleppen kann man mit dem Griff zum Kraneberger getrost verzichten. Doch ich kaufe lieber das abgefüllte Fläschchen meines Vertrauens. Denn auf den Geschmack kommt es an! Das kühle Nass aus der Flasche schmeckt mir einfach besser. Gutes Leitungswasser hin oder her. Und für einen beherzten Schluck vom Lieblingswasser nehme ich auch das Tragen in den zweiten Stock in Kauf.

 
 

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