Kirchengebäude kommen auf den Prüfstand

Bernhard Schrader (Dekanatsreferent für Jugend und Familie), Dechant Michael Kleineidam und Dekanatsreferent Frank Manegold erklären, worum es bei dem "Zukunftsbild" für das Erzbistum Paderborn geht.
Bernhard Schrader (Dekanatsreferent für Jugend und Familie), Dechant Michael Kleineidam und Dekanatsreferent Frank Manegold erklären, worum es bei dem "Zukunftsbild" für das Erzbistum Paderborn geht.
Foto: Jutta Klute
  • Die Katholiken im Erzbistum sind aufgerufen, aktiv an der Zukunftsgestaltung mitzuwirken
  • Auch im Dekanat Hochsauerland Ost werden Pastoralvereinbarungen auf den Weg gebracht
  • Neben der inhaltlichen Ausrichtung geht es auch um die Zukunft der kirchlichen Gebäude

Altkreis.  „Die Kirche muss im Dorf bleiben“ - unter diesem Motto hat der Gemeindeverband Hochsauerland-Waldeck auf seiner Verbandsversammlung über die Zukunft der katholischen Kirche diskutiert.

Gläubige vor Ort gefragt

Diskussionsgrundlage für alle, die aktiv darin mitwirken möchten, ist das „Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn“. Es wurde 2004 von Erzbischof Hans-Josef Becker angestoßen. Das Ergebnis liegt nach zehnjähriger Arbeit vor. Nun sind die Gläubigen vor Ort gefragt, um es mit Leben zu füllen und für jeden Pastoralen Raum einen eigenen Weg zu finden.

Auch im Dekanat Hochsauerland Ost haben sich die Katholiken auf den Weg gemacht - angesichts immer weniger regelmäßiger Kirchgänger, fehlendem Priesternachwuchs und großen Pastoralen Räumen müssen sie sich dabei einigen Herausforderungen stellen. Dechant Michael Kleineidam, Dekanatsreferent Frank Manegold und Bernhard Schrader (Referent für Jugend und Familie) erklären im Gespräch mit unserer Zeitung, wie wichtig es ist, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen und sie einzubinden. Schmunzelnd greifen sie das Thema der Verbandssammlung auf: „Die Kirche muss im Dorf bleiben“ Das sei richtig. Deutlich geworden sei aber auch: „Das Dorf muss auch in die Kirche gehen.“

„Dorthin gehen, wo die Menschen sind“

Regelmäßig in die Kirche gehen, beten, sich an kirchlichen Aktivitäten beteiligen – das war früher selbstverständlich. Wie kann die Kirche es schaffen, wieder mehr Christen anzusprechen?

Michael Kleineidam: Wir müssen mehr auf die Menschen zugehen, schauen, wo wir sie erreichen können, welche Bedürfnisse sie haben und entsprechende Angebote machen. Ganz wichtig ist, dass wir dorthin gehen, wo die Menschen sind und nicht darauf warten, dass sie zu uns kommen.

Frank Manegold: Eine zentrale Frage dabei ist: „Wozu bist Du da Kirche von ….?“ Denn Kirche ist nicht dafür da, um sich mit sich selbst zu beschäftigen, sondern soll den Menschen – nicht nur den Christen – dienen.

Michael Kleineidam: Dahinter steckt wirklich eine andere Denkweise als früher: Nicht die Kirche oder der Priester gibt alles vor, sondern in einem gemeinsamen Dialog soll erarbeitet werden, wohin der Weg der Pastoralen Räume führen soll. Jeder hat dabei ein Mitgestaltungsrecht.

Das heißt aber auch, dass wir weg müssen von einer Konsumhaltung hin zu einem aktiven Mitgestalten. Da ist vom Einzelnen mehr Eigeninitiative gefragt.

„Wir alle sind Kirche“

Gibt es da nicht auch kritische Stimmen, die sagen: Jetzt, wo die Kirche nicht mehr genug Priester hat und die Gläubigen wegbleiben, sollen wir plötzlich alles selbst machen und entscheiden?

Ja, solche Stimmen gibt es natürlich auch. Für uns ist der von Erzbischof Becker angestoßene Weg aber ein sehr ernst gemeinter Weg, auf dem deutlich werden soll, dass wir alle Kirche sind und auf dem wir uns gemeinsam den gesellschaftlichen Veränderungen stellen müssen.

Heute rückt auch stärker die Frage in den Vordergrund: Was erwartet Gott von uns? Eine Frage, die man früher so gar nicht gestellt hat.

Bernhard Schrader: Schön wäre es, wenn sich jeder so viel einbringt, wie er möchte und wie es seinen Fähigkeiten entspricht.

„Kirchen haben für die Menschen eine große Bedeutung“

Im Zukunftsbild geht es auch um die kirchlichen Immobilien. Dort heißt es: „Es ist erkennbar, dass dauerhaft nicht alle heute vorhandenen Immobilien zu halten sind und Umnutzungen notwendig werden.“ Besteht die Gefahr, dass künftig nicht jede Kirche tatsächlich im Dorf bleibt?

Kleineidam: Mit Blick auf die kirchlichen Gebäude stehen wir noch am Anfang eines längeren Prozesses, in dem alle Gebäude auf den Prüfstand kommen werden, aber der Erhalt der Kirchen hat für uns natürlich Priorität. Uns allen ist bewusst, dass die Kirchen als sakrale Räume eine ganz besondere Rolle spielen und für die Menschen eine große Bedeutung haben.

„Es gibt keine Pläne, Kirchen hier bei uns zu schließen“

Weniger problematisch ist es dagegen, wenn es z.B. um nicht mehr genutzte Dienstwohnungen geht. Wir müssen gemeinsam sehen, welche Aufgabe wir den Gebäuden im kirchlichen Leben künftig geben wollen. Und genau da sind wir wieder bei unserem Zukunftsbild, das helfen soll, pastorale Schwerpunkte für unseren jeweiligen Raum zu erarbeiten. Wichtig ist uns allen bei diesem ganzen Prozess: Wir wollen die Christen vor Ort einbinden. Es gibt keine Vorgaben, keinen Zeitdruck und auch keine Pläne, Kirchen hier bei uns zu schließen. Wir stehen am Anfang eines Dialogs. Das Ende ist völlig offen. Folgen Sie uns auf Facebook

 
 

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