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Schiffsunglück

Kapitän und Lotse Jan Lassak aus Brilon schult Kreuzfahrtbesatzungen

16.01.2012 | 17:03 Uhr
Der Briloner Jan Lassak bei einer seiner früheren Reisen. Zurzeit ist er als Lotse in der Deutschen Bucht tätig.

Brilon/Hamburg.   Sieben Jahre war Jan Lassak aus Brilon Staff-Kapitän auf Kreuzfahrtschiffen wie der MS Europa. Zurzeit ist er Lotse und bringt Containerschiffe bis zu einer Länge von 350 m in den Hamburger Hafen. Die WAZ-Mediengruppe sprach mit ihm über die Havarie der „Costa Concordia“ vor der Westküste Italiens.

Sechs Todesopfer und mindestens 14 Vermisste - die Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der Westküste Italiens lässt niemanden unberührt. Sind solche großen Schiffe mit 5000 Menschen an Bord überhaupt sicher? Und wie kann so ein Unglück passieren? Mitten auf der Elbe in Hamburg erreichte die WAZ-Mediengruppe den Briloner Jan Lassak.

Der 37-jährige ist gebürtiger Briloner und auf allen Weltmeeren zu Hause. Sieben Jahre war er Staff-Kapitän u.a. auf Kreuzfahrtschiffen wie der MS Europa, der MS Bremen und der MS Columbus. Zurzeit ist er Lotse und bringt Containerschiffe bis zu einer Länge von 350 Metern in den sicheren Hamburger Hafen. Lotse kann übrigens nur werden, wer bereits das Kapitänspatent und entsprechende Berufserfahrung hat. Der Lotse steht sogar eine Stufe über dem Kapitän; er ist der „Präzisionsmann“ am Steuer. Nebenberuflich ist Lassak Ausbilder für "Crowd und Crisis": Er schult also Menschen, die auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten möchten, im Umgang mit Menschenmassen und Krisensituationen.

Was geht einem als Kapitän durch den Kopf, wenn man von solch einem Unglück erfährt?

Costa-Concordia-Unglück
Costa Concordia - Kreuzfahrt in die Katastrophe

Der Urlaub wurde zum Alptraum: Am 13. Januar gegen 22 Uhr kenterte das Kreuzfahrt-Schiff Costa Concordia vor der Küste der italienischen Insel Giglio. Noch Tage später wurden Vermisste gesucht, Tote geborgen. Auf dieser Seite haben wir Nachrichten, Berichte und Hintergründe für Sie zusammengestellt.

Jan Lassak: Mein erster Gedanke war: Du musst noch mehr aufpassen. Das ist ein Job, der nach außen so einfach aussieht und jede Menge Verantwortung beinhaltet.

Wie kann so ein Unfall passieren?

Lassak: Wenn dieser Felsen wirklich nicht in der Karte eingezeichnet war, kann man dem Kapitän keinen Vorwurf bei der Navigation machen. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Ungenaue Gebiete sind in den Seekarten auch vermerkt. Diese vermeidet man eigentlich. Von hier ist das schlecht zu beurteilen, aber bei einem Unfall hat der Kapitän immer eine Mitschuld, auch wenn sie z.B. nur darin besteht, nicht erkannt zu haben, dass ein Kollege für den Beruf auf der Brücke eventuell nicht gut oder sorgfältig genug ist. Selbst wenn ein Unglück aufgrund von technischem Versagen nicht mehr aufgehalten werden kann, muss er doch versuchen, es möglichst klein zu halten.

Selbst moderne Autos haben doch heutzutage Warnmelder, die Alarm geben, wenn man beim Einparken zu dicht an ein Hindernis kommt. Gibt es so etwas nicht auch bei Schiffen?

Lassak: Generell fährt so ein Schiff nach Seekarten, die einige Wochen vor dem Start vom Navigationsoffizier gezeichnet und mit dem Kapitän besprochen werden. Es gibt – bis auf wenige Ausnahmen zum Beispiel bei Gibraltar - keine festen Routen, um von A nach B zu fahren. Es gibt immer viele Varianten. Die technischen Warnsysteme reagieren eher träge. Sie sagen „Du hast jetzt zu wenig Wasser unterm Kiel“. Sie sagen aber nicht „Du hast in zwei Seemeilen zu wenig Wasser“.

Dem Kapitän wird vorgeworfen , als einer der Ersten vom Schiff gegangen zu sein. Ist das nicht merkwürdig?

Video
So hatte sich Herbert Greszuk seine nun mehr sechste Kreuzfahrt wohl nicht vorgestellt. Er war einer der Passagiere des havarierten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia, die es heil und weitesgehend gesund geschafft haben zu entkommen.

Lassak: Dass der Kapitän zuletzt geht, ist meines Wissens kein Gesetz. Das ist ein guter Seemannsbrauch, den ich in jedem Fall beherzigen würde. Der Kapitän ist rechtlich für die Sicherheit aller an Bord verantwortlich, daraus kann man wohl ableiten, dass er das Schiff erst verlassen darf, wenn alle Menschen gerettet sind.

Zeugen haben berichtet, es habe keine Seenotrettungsübung gegeben und die Evakuierung sei hier und da chaotisch verlaufen.

Lassak: Eine Seenotrettungsübung mit den Gästen muss binnen der ersten 24 Stunden nach Auslaufen des Schiffes durchgeführt werden. Das ist Pflicht. Die Besatzung ist geschult. Es gibt verschiedene Teams zum Beispiel Feuerwehr, Evakuierungsgruppe oder das medizinische Team. Jedes Mitglied probt einmal die Woche, und alle Teams proben einmal im Monat den Ernstfall beim General-Drill. So eine Situation muss einfach sitzen.

Würden Sie morgen wieder auf einem Kreuzfahrtschiff anheuern?

Lassak: Ja, auf jeden Fall. Die Schiffe sind sicher. Und die Sicherheit sinkt auch nicht mit zunehmender Größe. Im Gegenteil. Je größer das Schiff, desto weniger ist es den Gewalten von Wind und Wetter ausgesetzt. Ein großes Schiff wird in mehrere Hauptzonen unterteilt; und jede Zone funktioniert wie ein kleines Schiff in sich. Von der Schönheit der Reise her, würde ich aber ein kleineres Schiff vorziehen.

Havarierte "Costa Concordia"

 

Thomas Winterberg


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