Jürgen Becker über Käßmann, Kirche und Kabarett

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Brilon. Jürgen Becker provoziert gerne - auch wenn es um Religion geht. Am 5. März kommt er nach Brilon, um über Gott und die Welt zu reden. Im Vorhinein hat er mit uns über Margot Käßmann, sexuellen Missbrauch hinter Kirchenmauern und die Grenzen des Kabaretts gesprochen. Vorsicht Satire!

„Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“ heißt ihr Lied. Welche satirischen Elemente entdecken Sie an Margot Käßmanns Rücktritt?

Jürgen Becker: Erstmal können wir froh sein, dass sie evangelisch ist. Stellen Sie sich mal einen katholischen Bischof vor, der mit 1,5 Promille bei Rot über die Ampel fährt, wenn der blutjunge Polizist sagt: „Einmal blasen bitte“. Das gäbe ja furchtbare Missverständnisse!

Darf Satire alles? Auch bei sexuellem Missbrauch hinter Kirchenmauern?

Becker: Ja, natürlich. Jeder seriöse Mensch fragt sich doch, warum sich Geistliche an Kindern vergreifen, wenn sie Zuwendung suchen. Man kann sich doch auch einen Callboy bestellen. Das wollen wir ja, würden die Geistlichen natürlich sagen. Aber Rüttgers können sie sich nicht leisten.

Wo ist die Grenze? Was ist Ihnen heilig?

Becker: Naturereignisse wie Haiti und Chile, bei denen so viele Menschen sterben, gehören nicht auf die Kabarett-Bühne. Aber die katholische Kirche muss verarbeitet werden. Das ist eine sterbende Großorganisation, die dabei ist, sich selbst zu demontieren. Ein Bischof, der sich bis auf die Knochen blamiert, und die Entschuldigung abliest. Weltfremd! Diese Horrorgestalten besuchen doch Prediger-Seminare. Aber das passiert, wenn man von Anfang an auf 50 Prozent potenzieller Führungskräfte verzichtet. Männer reiten den Laden runter, während Frauen ihn retten könnten.

Lacht die Kirche genug über sich selbst?

Becker: Die Basis ist sehr humorvoll. Aber die nehmen ihre Führungskräfte doch nicht mehr ernst, schimpfen wie die Rohrspatzen über diese. Es gibt keine Verbindung mehr zwischen der Basis und den Bischöfen.

Auch das Zölibat ist nicht mehr akzeptiert. „Wegen uns müssen Sie nicht so leben, Herr Kaplan“, höre ich in den Gemeinden.

Was hat Religion mit Humor zu tun?

Becker: Eine Jungfrau bekommt ein Kind – wenn das nicht lustig ist? Wenn Ihre Tochter das zu Ihnen sagt, müssten Sie doch lachen. Aus Wasser wird Wein, das nennt man heute Schorle. Lachen und Humor sollen trösten. Das ist ebenfalls der Sinn von Religion. Das Problem ist nur, dass die Fallhöhe bei dem moralischen Anspruch so hoch ist. Da ist es krass, wenn man betrunken Auto fährt. Die Katholiken können ja büßen. Der Katholik macht Fehler, der Protestant hat Fehler.

Wann waren Sie denn zuletzt beichten?

Becker: Das brauche ich ja nicht. Die Idee reicht aus. Man verhält sich vernünftig und zahlt Kirchensteuer, dann darf ich über die Stränge schlagen.

Brauchen wir denn dann die Kirche noch als Institution?

Becker: Die Kirche ist eine wunderbare Firma, eine kapitalismusfreie Zone ohne Streben nach Profitmaximierung. Das gefällt mir und wird gebraucht. Die haben nur seit 2000 Jahren das Problem, dass sie was verkaufen müssen, was nie jemand gesehen hat.

Haben Sie keine Angst, im katholischen Sauerland den Monotheismus abzuwatschen?

Becker: Nö, Katholizismus ist immer Polytheismus. Die vielen Heiligen haben schließlich die Götter ersetzt.

Wie sähe ein Gottesdienst mit Ihnen als Geistlichem aus?

Becker: Das ist wie Kabarett, eine Samstagabend-Vormesse eben. Freibier ist die Kommunion. Außerdem ist Gott in den Hostien ja nur ein Symbol. Das geht also auch mit Fritten.

Sie haben immer wieder Ärger mit Moslems. Verstehen die Ihren Humor nicht oder was werfen sie Ihnen vor?

Becker: Viele verstehen ihn, einige nicht. Die verklagen mich dann schon mal. Aber ich bin immer freigesprochen worden.

Neulich haben mir Bürger aus Olpe gesagt, dass ich vor 20 bis 30 Jahren wegen meiner Thesen auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden wäre. Doch heute sei das kein Problem mehr. An diesen Punkt müssen manche Moslems noch kommen.

Wer dürfte in Ihrem himmlischen Elferrat nicht fehlen?

Becker: Jopi Heesters – Wenn alle Menschen sterben, würde der auf jeden Fall als Letzter übrig bleiben.

Was wäre spannend an einem Besuch des Papstes zum Frühstück bei Jünemann und Ihnen?

Becker: Das ist ein vernünftiger Mann der Papst. Der hat schließlich gesagt, dass die jungfräuliche Empfängnis nicht biologisch zu verstehen sei. Der weiß, dass das nicht stimmt. Was ich ihn auf jeden Fall fragen würde: Gehen Sie in die Sauna? Da gibt es einen schönen Witz. Der Papst will nach einem tollen ersten Besuch wieder in die Sauna. Da sagt sein Berater: „Das geht nicht, da ist gemischte Sauna.“ Daraufhin der Papst: „Wie? Es gibt eine gemischte Sauna für Evangelische und Katholische?“

Jürgen Becker ist am Freitag, 5. März, um 20 Uhr, in Brilon im Bürgerzentrum Kolpinghaus Brilon mit seinem Programm "Ja, was glauben Sie denn?" zu Gast, präsentiert von Kulibri e.V.

Vorverkauf: "Der Buchladen" - Friedrichstraße, Buchhandlung Podszun, Brilon Wirtschaft&Touristik (Derkerestraße 10a), per Email an kulibriev@aol.com oder per Telefon unter 0160/96669730.

 
 

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