Integration: Memory und Kochkurs

Theresa Schulte-Hüttemeister und Daniel Michalke vom Berufskolleg Olsberg haben am Landesleistungswettbewerb für Hauswirtschaft teilgenommen.
Theresa Schulte-Hüttemeister und Daniel Michalke vom Berufskolleg Olsberg haben am Landesleistungswettbewerb für Hauswirtschaft teilgenommen.
Foto: Sebastian Hahn
  • Daniel Michalke und Theresa Schulte-Hüttemeister bei Landesleistungswettbewerb für Hauswirtschaft dabei
  • Schüler des Berufskollegs Olsberg entwickeln Integrationskonzepte für Migranten
  • Memory und Senioren-Kochkurs entstehen im Rahmen des Projekts

Olsberg.  Daniel Michalke geht alle zwei Wochen auf Weltreise - zumindest aus kulinarischer Sicht. Der 23-Jährige leitet im Seniorenheim in Neuastenberg eine kleine Kochgruppe, mit der er sich alle 14 Tage ein anderes Land vorknöpft und Besonderheiten aus der jeweiligen Region kocht. „Wir haben mit Italien angefangen, jetzt kommt Spanien“, erklärt Michalke, der parallel eine vollschulische Ausbildung als Hauswirtschafter am Berufskolleg Olsberg absolviert.

Theresa Schulte-Hüttemeister geht dort ebenfalls zur Schule - allerdings nur ein- bis zweimal die Woche: „Ich mache eine ganz normale Ausbildung im Seniorenhaus St. Franziskus in Sundern und absolviere hier den schulischen Teil meiner Ausbildung.“

Beide sind mitten in ihrem dritten Ausbildungsjahr - und haben am Landesleistungswettbewerb für Hauswirtschaft teilgenommen. „Unsere Lehrerin Susanne Wiemer hat uns den Wettbewerb schmackhaft gemacht. Auch das Thema fanden wir cool. Also haben wir uns Mitte September dazu entschieden, einfach mitzumachen“, begründen beide ihre Entscheidung.

Der Wettbewerb

„Die Welt bei uns zuhause: miteinander leben – füreinander sorgen“ lautet das Motto der aktuellen Ausgabe des Wettbewerbs, der bereits zum 23. Mal in NRW ausgetragen wird. Ziel ist es, Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund zu erstellen und auch im Alltag umzusetzen.

„Wir vom Berufskolleg Olsberg schicken seit über zehn Jahren immer wieder Schüler dahin, weil es einfach wichtig ist, sich auch mal mit anderen Auszubildenden auszutauschen und neue Ideen für den eigenen Beruf zu sammeln“, erklärt Susanne Wiemer, selbst Mitglieder der zwölfköpfigen Jury.

Teilnehmen dürfen alle Schüler, die ihre Zwischenprüfung mindestens mit der Note „befriedigend“ abgeschlossen haben. Für Daniel Michalke und Theresa Schulte-Hüttemeister kein Problem: Beide liegen bei ihrer Zwischenprüfung Anfang des Jahres im Einser-Bereich.

Der erste Prüfungstag

Nach fast zwei Monaten Vorbereitungszeit wird es ernst: Die beiden Schüler reisen zur Prüfungsstätte nach Haltern am See, wo zunächst eine schriftliche Prüfung ansteht, anschließend soll in Kleingruppen mit je vier Personen ein Büffet mit kaltem Fingerfood erstellt werden.

„Wir konnten uns schon vorher Rezepte überlegen, bevor wir uns dann in den Gruppen mit den anderen Auszubildenden auf ein Menü festgelegt haben. Ich hatte mir zum Beispiel Kürbisspieße mit Fetakäse und Minze überlegt“, erklärt Theresa Schulte-Hüttemeister.

Daniel Michalke dagegen „schickt“ ein Tiramisu und einen asiatischen Glasnudelsalat ins Rennen. „Wir haben uns am ersten Prüfungstag dann auf verschiedene Gerichte geeinigt, für die dann die Zutaten besorgt wurden“, sagt er.

Die Entscheidung

Am zweiten Prüfungstag geht es dann ins Berufskolleg Dorsten, wo in der Küche zunächst die geplanten Gerichte zubereitet werden. Susanne Wiemer schaut ihren Schützlingen zwar ab und zu mal über die Schulter, bewerten darf sie die beiden aber nicht. „Die insgesamt 16 Schüler sind in vier gleichgroße Gruppen aufgeteilt worden. Ich durfte nur die bewerten, in denen ich selbst keine Schüler hatte“, erklärt sie.

Anschließend wird es nochmal spannend: Jeder Teilnehmer stellt einzeln sein Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund vor. „Wir haben das alles neben Schule und Arbeit in unserer Freizeit gemacht, manchmal saß ich nachmittags noch drei Stunden an meiner Idee“, berichtet Theresa Schulte-Hüttemeister. Sie hat ein Memory gebastelt, in dem Bilder von Gerichten einem Wort zugeordnet werden müssen. Dies steht jeweils auf Deutsch, Englisch und Türkisch auf der Karte. „Memory ist sehr eingängig und schnell erklärt. So schafft man viele Barrieren aus dem Weg“, erklärt sie ihr Konzept.

Daniel Michalke dagegen setzt auf die in der Praxis bereits gestartete Kochgruppe. Für einen Podiumsplatz reicht es am Ende dann aber doch nicht: „Nur die ersten Drei wurden extra ausgezeichnet, alle anderen wurden als Vierte gewertet“, erklärt Theresa Schulte-Hüttemeister. Traurig sein müssen sie aber nicht: Zur Belohnung gibt es zahlreiche Kochbücher, Küchenutensilien oder auch eine Kochschürze.

Die Zukunft

Auch wenn beide im kommenden Jahr ihre Ausbildung abschließen, als Hauswirtschafter wollen sie auf jeden Fall weiterarbeiten. „Ich möchte gerne im Kindergarten arbeiten und mit den Kinder kochen“, sagt Daniel Michalke. Theresa Schulte-Hüttemeister überlegt dagegen, ein Studium im Bereich Lebensmittel zu beginnen.

„Der Wettbewerb ist eine gute Sache, um auch mal über den Tellerrand zu schauen und Ideen anderer Hauswirtschafter kennenzulernen. Wir können ihn nur weiterempfehlen“, sind sich beide am Ende einig.

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