Hospizarbeit: Gemeinsam zum würdevollen Sterben

14 neue Helferinnen und Helfer unterstützen ab sofort die Hospizinitiative Hallenberg-Winterberg
14 neue Helferinnen und Helfer unterstützen ab sofort die Hospizinitiative Hallenberg-Winterberg
Foto: Privat
Hospizhelferinnen berichten von ihrer ehrenamtlichen Arbeit, mit der sie Patienten und deren Umfeld in ihren letzten Stunden und auch danach zur Seite stehen.

Hallenberg/Winterberg. „Bei dem Patienten brauchen Sie nicht mehr reingucken, der stirbt sowieso!“ Diesen erschreckenden Satz, der vor vielen Jahren bei einer Krankenhaus-Visite fiel, hat Dr. Maike Wigand nie vergessen. Er war der Auslöser dafür, dass sie 1999 die Hospizinitiative Hallenberg-Winterberg gegründet hat. Ihr Ziel: Sterbende Menschen und deren Angehörige und Freunde in ihrer letzten Zeit eben nicht allein zu lassen, sondern einfühlsam zu begleiten.

Diesem Ziel haben sich jetzt 14 neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer nach 15 Monaten erfolgreicher theoretischer und praktischer Ausbildung angeschlossen. Damit sind derzeit fast 50 Begleiter – davon drei Männer - für die Sorgen und Nöte der Patienten und ihres Umfeldes da. Eine Aufgabe, die die betroffenen Familien nichts kostet und die der Schweigepflicht unterliegt.

Sterbebegleitung – ein Thema, das für viele Menschen mit einem Tabu belegt ist. Die Westfalenpost hat deshalb mit einigen Helferinnen über ihre Arbeit gesprochen. Manche von ihnen sind durch persönliche Erlebnisse beim Sterben von Verwandten oder Freunden zur Hospizinitiative gekommen.

Klinik und Pflegedienst einbinden

Für Walburga Pöppelbaum ist das Wirken der ehemaligen Gemeindeschwester Luzi aus Siedlinghausen oder die Philosophie der früheren Veramed-Klinik bis heute Vorbild. Andere hatten durch ihren Beruf im Krankenhaus oder Altenheim das Bedürfnis, mehr für die ihnen anvertrauten Patienten zu tun, als der normale Dienstplan zulässt. „Es sollte möglichst keiner während des eigenen Dienstes sterben“, erinnert sich Hildegard Hester an ihre Angst vor dem Tod in ihren Anfangsjahren als Krankenschwester. Heute kann sie das Sterben als Erlösung für den Kranken verstehen.

Ähnlich sieht es auch Annemarie Singelnstein: „Durch die ehrenamtliche Hospizarbeit kann ich Patienten die Zeit geben, die ich mir als Krankenschwester oft nicht nehmen kann.“ Deshalb ist es den Hospizhelfern wichtig, die Kontakte zu den Krankenhäusern und besonders auch ambulanten Pflegediensten weiter auszubauen. Denn 90 % aller Menschen haben den Wunsch, zuhause in ihrer liebgewonnenen Umgebung zu sterben: „Zusammen mit einem verständnisvollen Arzt und dem Pflegedienst können wir den Patienten diesen Wunsch erfüllen. Ob zuhause oder im Krankenhaus - wir nehmen den Familien und Freunden viel Druck und Verantwortung, sie müssen sich nicht mehr zusammenreißen, sondern gehen mit uns einem würdevollen Ende zu, erleben die Helferinnen immer wieder.

Dabei geht es nicht darum, Ratschläge zu geben oder die Frage nach dem Warum des Sterbens zu beantworten, sondern einfach da zu sein oder auch vermittelnd zu wirken, wenn familiäre oder organisatorische Probleme zu lösen sind oder Aggressionen und Verzweiflung durch die Sterbesituation aufkommen.

Trauercafé und Grundschulprojekt

Die Aufgaben beschränken sich jedoch nicht nur auf das Dasein für sterbende Menschen und deren Umfeld und enden mit dem Tod. Angelika Genster und eine weitere Kollegin sind speziell für Trauerbegleitung ausgebildet und bietet z.B. regelmäßige Trauer-Gesprächskreise im geschlossenen Rahmen für Hinterbliebene an oder das monatliche offene Trauercafé. Auch Einzelgespräche sind möglich. Ein weiteres, noch relativ neues Projekt ist „Hospiz macht Schule“, das bisher sehr erfolgreich in den Grundschulen Hallenberg, Siedlinghausen und diese Woche bis gestern auch in Winterberg stattgefunden hat. Dabei besuchen die Hospizmitarbeiter eine Woche lang jeden Tag die Kinder aus dem dritten Schuljahr und erarbeiten mit ihnen Themen rund um Krankheit, Tod, Trauer und Trösten.

Warum setzt man sich in seiner Freizeit so intensiv mit dem Tod auseinander? Melanie Guntermann spricht allen aus dem Herzen: „Sterbebegleitung ist auch Lebensbegleitung. Wir bekommen soviel von den Patienten und Angehörigen zurück. Es ist ein Gewinn für alle.“

 
 

EURE FAVORITEN