Holzlieferverträge gültig - Sägewerksbetreiber im Sauerland bangen um ihre Existenz

Die Holzlieferverträge zwischen dem Land NRW und der österreichischen Klausner-Gruppe sind gültig.
Die Holzlieferverträge zwischen dem Land NRW und der österreichischen Klausner-Gruppe sind gültig.
Foto: IKZ
Ein Urteil mit Folgen: Die Holzlieferverträge zwischen dem Land NRW und der österreichischen Klausner-Gruppe „sind wirksam und bestehen fort“. Für die heimischen Sägewerksbetreiber kommt das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm  keineswegs überraschend. Dennoch sehen sich viele Betriebe nun in ihrer Existenz bedroht. Denn das Holz, das das Land nun möglicherweise an die Klausner-Gruppe liefern muss, fehlt ihnen.

Hamm/Olsberg/Schmallenberg.. Der Reihe nach: Nach dem Sturm Kyrill, der besonders in den Wäldern des Sauerlandes Schneisen der Verwüstung hinterließ, hatte der Landesbetrieb Wald und Forst NRW langfristige Holzliefer-Rahmenverträge mit sechs großen Sägewerken abgeschlossen. Ziel: die Preise für Rundholz zu stabilisieren. „Das war der erste Fehler“, kommentiert Hans-Georg Pieper, Geschäftsführer der Olsberger Pieper-Holz. Denn die teils bis 2014 laufenden Verträge sahen nur zu einem Viertel die Lieferung von Kyrill-Holz vor, der Rest betraf Frischholz. Schon damals liefen die vielen mittelständischen Sägewerke der Region Sturm gegen diese Vereinbarungen - vergebens.

Holzpreise verfielen

Die Holzpreise verfielen trotzdem, mehrere Sägewerke stiegen aus den Verträgen aus. Auch die Klausner-Gruppe, in NRW nicht vertreten (Vertragspartner war ein Tochterunternehmen im niedersächsischen Adelebsen), nahm zunächst weniger Holz als vereinbart ab, den Rücktritt des Landes NRW von dem Vertrag im August 2009 - da waren die Holzpreise wieder gestiegen - akzeptierte Klausner aber nicht und klagte. „Der zweite Fehler“, sagt Pieper, „war der unprofessionelle Umgang mit den Verträgen“.

Was sich auch im Urteil des OLG Hamm wiederfindet. So gab es weder eine wirksame Rücktrittserklärung, denn nur der Landesbetrieb Wald und Forst trat von den Verträgen zurück, nicht aber die ebenfalls involvierte Wald-Holz Sauerland GmbH, wie OLG-Pressesprecher Christian Nubbemeyer erläutert. Zudem fehlte eine erforderliche Fristsetzung seitens des Landes.

Und jetzt? Das Umweltministerium kündigte am Montag an, „die Urteilsbegründung intensiv zu prüfen“ und dann über weitere Schritte zu entscheiden. Im Übrigen sei die ehemalige schwarz-gelbe Regierung für die Probleme verantwortlich, „die damalige Opposition“ habe „mehrfach auf die Problematik der Ausgestaltung der Langzeitverträge hingewiesen“.

Sägewerksbetreiber Pieper stellt nüchtern fest: „Das Holz ist nicht zu liefern - da fehlt mir die Fantasie“. Auf 500.000 Festmeter, überwiegend Fichtenholz, hat die Klausner-Gruppe Anspruch, das Land könne aus eigenen Staatsforsten allenfalls 200.000 Festmeter liefern. Und viele private Waldbesitzer wären im Moment nicht bereit, überhaupt Holz einzuschlagen - Holz erscheine ihnen wertbeständiger als der Euro. „Ich habe dafür Verständnis“, sagt Hans-Georg Pieper.

Ohne das Klausner-Holz spitzt sich schwierige Lage zu

„Schon in den vergangenen zwei Jahren fehlte es an Rundholz“, bestätigt auch Hubertus Weber von Team-Timber, einem Zusammenschluss von neun mittelständischen Holzverarbeitern in Schmallenberg. Ohne das Klausner-Holz würde sich die „jetzt schon schwierige Situation“ noch zuspitzen. Hans-Georg Pieper wird, was seinen Betrieb angeht, deutlich: Er habe schon 50 Prozent seiner Einschnitt-Kapazität zurückgefahren, „irgendwann ist der Punkt erreicht, wo man sagt: Mehr geht nicht“.

Selbst wenn das Land nun lediglich sein eigenes Holz an Klausner abgebe und sich über den Rest finanziell vergleiche („um die Öffentlichkeit zu beruhigen - das wäre der dritte Fehler“), sei das katastrophal für die heimischen Sägewerke, warnt Pieper. Er setzt sich wie Weber für eine „finanzielle Lösung“, eine Entschädigungszahlung an Klausner, ein. Andernfalls wären „hunderte, wenn nicht tausende Arbeitsplätze“ gefährdet, die Folgekosten einer solchen Lösung noch höher. Team-Timber-Geschäftsführer Weber bringt in seiner Not gar „Holz aus Finnland oder Sibirien, ist ja egal“ für Klausner ins Spiel.

Wilhelm Deitermann vom Umweltministerium sieht die Lage noch gelassen. Erst einmal sei ja nur die Gültigkeit des Vertrages festgestellt. „Ein Leistungsanspruch ergibt sich daraus nicht.“

 
 

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