Hitlers Eintopf und Goebbels Schnauze

In Hallenberg läuft eine Ausstellung zum Thema Propaganda-Instrumente im Nationalsozialismus.
In Hallenberg läuft eine Ausstellung zum Thema Propaganda-Instrumente im Nationalsozialismus.
Foto: WP

Hallenberg. . „Propaganda-Instrumente des Nationalsozialismus“ heißt eine Ausstellung, die vom 20. Februar bis 20. Mai im Hallenberger Kump zu sehen sein wird. In Arnsberg beeindruckte die Schau schon viele Besucher. Nun kommt sie in die Nuhnestadt.

Den Kump erkennt man nicht mehr wieder. Und die alte steinerne Petrusfigur unten im Eingangsbereich wird sich fragen: Woher kommen Essgeschirre und Weihnachtskugeln mit Hakenkreuzen? Was macht der Hitlerjunge mit der Sammelbüchse neben der Tür? Wer hat die ganzen alten Radiogeräte hier abgestellt?

„1945 bin ich als Neunjähriger aus den Trümmern eines zerbombten Wohnhauses gerettet worden. Das habe ich nie vergessen.“ Werner Bösterling aus Arnsberg ist eigentlich Diplom Ingenieur und Funkhistoriker. Aber neben der Liebe zu alten Volksempfängern – die kleinen Varianten hießen damals „Goebbels Schnauzen“ - entbrannte vor vier Jahren bei ihm und seiner Frau Edeltrud eine weitere Passion. „Ich kannte als Kind keine Schokolade und kein Spielzeug. Meine ersten Spielsachen waren kleine Holzfiguren, die vom Winterhilfswerk des Deutschen Volkes an der Haustür verkauft wurden“, erinnert sich Bösterling. Und genau solche Figuren fand er eines Tages auf dem Trödelmarkt.

Es sind viele kleine Sammelstücke, die sich zu einem großen Bild zusammenfügen: zum Bild eines perfiden Regimes, das seinem Volk eine Gemeinschaft vorgegaukelt, es belogen und hintergangen hat. Drei Aspekte aus der NS-Zeit beleuchtet die Ausstellung: „Winterhilfswerk des Deutschen Volkes“ (WHW), „Kraft durch Freude“ (KdF) und Reichsrundfunk Gesellschaft (RRG). Das WHW bezeichneten die Nazis als größte soziale Einrichtung auf der Welt. Von 1933 bis 1943 wurden Geld- und Sachspenden gesammelt, um hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Dafür gab es u.a. jene kleinen Figuren, an die sich Werner Bösterling erinnert. Letztlich dienten diese Aktionen, denen sich kaum jemand entziehen konnte, der Entlastung der Sozialausgaben und der Kontrolle der Bürger.

Im Kump ist auch eine kleine Ess-Ecke eingerichtet, die an den „Eintopf-Sonntag“ erinnert. Dr. Jürgen Schulte-Hobein, Leiter des Sauerlandmuseums in Arnsberg: „Am ersten Sonntag im Monat waren alle verpflichtet, statt einer üppigen Sonntagsmahlzeit einen fleischlosen Eintopf zu essen. Die Preisdifferenz wurde an das Winterhilfswerk gezahlt.“ Nur am Rande sei erwähnt, dass das dem selbst ernannten Führer nicht viel ausgemacht haben dürfte. Er soll Vegetarier gewesen sein. Dass das Geld aber letztlich in die Rüstung geflossen sein dürfte, verschwieg er.

Das galt auch für „Kraft durch Freude“ – Hitlers Reisegesellschaft. Der Bau von gigantischen Seebädern oder von Schiffsflotten galt nicht der Erholung der Menschen. Es war reine Kriegsvorbereitung. Entspannte Arbeiter waren Garanten für erhöhte Produktivität in der Rüstungsindustrie. Die Schiffe wurden später schwimmende Lazarette. Das Geld unzähliger Bürger, die Monat für Monat auf den legendären „KdF-Wagen“ ansparten, landete schließlich in der Produktion von Kübelwagen für das Militär.

Viele Sammelstücke

Die Beispiele für die perfiden Tricks der Nazi-Propagandamaschinerie würden Seiten füllen. Dem Bereich „Reichsrundfunk“ ist fast der komplette obere Veranstaltungssaal im Kump gewidmet. Dort sollte auch der erste deutsche Fernseher ausgestellt werden. Der gehört dem Deutschen Museum in München, das allerdings auf einen Kunsttransport bestanden hat. Der hätte dann allein 4000 Euro gekostet. Daher gibt’s von der Flimmerkiste nur ein Foto.

Die Stadt Hallenberg hat alle Schulen im weiten Umkreis angeschrieben und zur Besichtigung der Ausstellung eingeladen. „Bei der Tagung für die Museumslandschaft im HSK wurde gefragt, ob wir nicht Interesse an der Ausstellung hätten. Und da habe ich gleich ja gesagt.“ 2012 wird sie in der Wewelsburg zu sehen sein. Dass eine Ausstellung von Arnsberg in eine andere Stadt wandert, soll keine Eintagsfliege bleiben. Zur offiziellen Eröffnung am 20. Februar um 11.15 Uhr sind alle Geschichtsinteressierten willkommen.

 
 

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